Full text : 9.1931-1932 (0009)

AVV

1ir

Fl—ezlereerherlelel—

—XVVDODODDä — VV———

Das 6. Konzert begann mit einem Kyrie von Mozart
in der Neuausgabe von Werle, ein Werk für 5 gleiche
Stimmen (Tenöre), das praktisch deshalb kaum verwertet
verden kann. Eine sehr eindrucksvolle Vertonung schuf
Arnim Knab mit feinen „Bauern“, eine eigenwillige,
Jlaubensstarke Tonwelt. Mit viel romantischer Schwärmerei
jab sich „Das Posthorn“ von Albert Mo esscchinger. Hans
Stieber schoß mit seinem „Tandaradei“ den Vogel ab.
Das war auch schon ein so heiteres unbeschwingtes Mu—
sizieren mit zum Schmunzeln reizenden Verhohnepipelungen,
daß der Beifall nicht enden wollte. Den festfrohen Ausklang
des letzten Konzertes und somit der Nuürnberger Sänger—
woche überhaupt brachte in würdiger Weise eine Suite
ür Männerchor mit Streichorchester und Tenorsolo von
R. Wickenhauser.
Die beiden Vorträge, besser praktisch eingestellte Vor—
ührungen, bezogen erfreulicherweise chorpädagogische
Fragen in das Gesamtprogramm ein. „Wie wir in Platt⸗
ing arbeiten“. Es war erstaunlich zu sehen, wie der

üchtige Chorleiter mit seinem kleinen Chor arbeitete und
zlänzendstes Zeugnis dafür ablegte, daß ein Chor nur auf
zer soliden Grundlage der Notenkenntnis und der syema—
natischen Stimmpflege zu höchster Leistungsfähigkeit er—
ogen werden kann. Da gab es kein papageienmäßiges Ein—
auken. Nur der Anfangston wurde am Flügel ange—
zeben. Aus dem einzustudierenden Lied entnommene Motive
aben das Material zu Stimmbildungsübungen ab, die alle
zchwierigkeiten von vornherein aus dem Wege räumten.
das Ergebnis war ein selbsterarbeitetes, bewußtes Singen
ind ein orgelmäßiger, unbeschreiblich ausgeglichener Chor—
lang. Auch der darauffolgende Vortrag wurde mit großem
Interesse von den Fachleuten verfolgt. Gustav Maerz zeigte
in Uebungen aus Hugo Herrmanns vaienchorschule, wie
chwierige Intervalle (die 1. Uebung ist die Ganztonleiter)
»em Sänger zum Erlebnis werden können, und wie derartige
Lhorstudien die eigentliche Voraussetzung sein müßten für
die erfolgsichere und ausdrucksvolle Aufführung neuer
Lhormusik. Philipp Stilz.

Dr. Ot öni Geb
r. Otto Hönig zum 50. Geburkstage.
Dem Vorsitzenden der Berliner Liedertafel gewidmet.
iele sind berufen, aber wenige sind auserwählt!
VB Unter den auserwählten Führern bedeutender
Männergesangvereine nimmt die interessante und originelle
Persönlichkeit Dr. Hönigs eine hervorragende Stelle ein.
Was dieser vielseitig begabte, allen schönen Künsten
zugetane Mann in den Jahren seiner — J zur
Berliner Liedertafel — seit 1916 ihr itglied, bald

im Merker, dem bekannten Monatsblatt der Berliner Lieder—
afel, zum Abdruck gelangten, ist Dr. Hönig in weiten
dreisen des deutschen Sängerbundes bekannt geworden durch
rachtvoll geschriebene Lebensbilder Beethovens und Schu—
herts, welche in Zehntausenden von Exemplaren — wäh—
rend der Beethoven- und Schubertfeiern der Jahre 1927/28
— zur Verbreitung kamen.
Eine ganze Anzahl von Gedichten wurden von bedeuten⸗
den Männerchor-Komponisten vertont und so Allgemein—
gut der deutschen Sängerschaft.
Seine bewundernswerte und seltene Rednergabe, die
Ausdrucksfähigkeit seiner edlen Sprache, sein Ideemnreichtum,
ein gemütvoller Humor und eine optimistische Weltauffassung
setzen nicht nur seine Liedertäfler stets aufs neue in
Erstaunen, sondern erweckten während der vielen kleinen
und großen Reisen der Berliner Liedertafel, bei den Sanges—
hrüdern der besuchten Städte stürmische Begeisterung. Mehr—
fach kam bereits Dr. Hönig im Rundfunk zum Wort, als
ein idealer Verkünder und Lobredner des deutschen Liedes.
Trotz seiner großen und blendenden Begabungen ist Dr.
hönig kein Blender, sondern treu im Großen und im
Kleinen. Er teilt Freud und Leid seiner Sangesbrüder
und fehlt bei keiner Veranstaltung seines Vereins, ein
leuchtendes Beispiel selbstverständlicher Pflichterfüllung.
In einer Zeit, die für unseres Vaterlandes, als auch für
zedes einzelnen Sängers und jedes Männergesangvereins
Fxistenz sso ungeheuer kritisch ist, ist es doppelt wichtig,
Führer seines geistigen Formats in unseren Reihen zu
inden, welche ihre wertvollen Kräfte für das deutsche Lied
einsetzen. Niemals war es nötiger, Führer zu haben, die,
vie er, die Gabe besitzen, durch ihre glühende Beredsamkeit
den sinkenden Mut zu stärken und die im Dienste an
inserer ideablen Sache Mattwerdenden wieder aufzurichten.
Möchte diesem jugendlichen Fünfziger auf dem Gipfel
des Lebens, seines Könnens und seiner Kraft angelangt,
eine lange, schöne Gipfelwanderung beschieden sein und
möge er so bleiben, wie wir ihn kennen: Fest und klor,
als Führer, treu und wahr als Sangesbruder! Das ist
nicht nur der Wunsch der Berliner Liedertafel, sondern der
Wunsch der ganzen deutschen Sängerschaft. Dr. G.

Dr. Otto Hönig.

darauf stellvertretender Vorsitzender, seit 1926 erster Vor—
sitzender —, in Wort und Schrift, im Dienste des deut—
chen Liedes geleistet hat, ist bewunderswert.
Wenn man sein Schaffen betrachtet, fällt einem das
Nietzsche Wort ein: „Ich liebe den, dessen Seele sich ver—
schwendet, der nicht Dank haben will und nicht zurückgibt,
denn er schenkt immer und will es nicht bewahren.“
Neben einer großen Anzahl hervorragender Aufsätze,
neben einem köstlichen Strauk wundervoller Gedichte. die

Passage⸗Kaufhaus AG
Wsaoen vedars
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.