Full text : 9.1931-1932 (0009)

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1524

Saar-Sänger-Bund IIpee

115173175*

— 1*

III

Seite 107

fisng anh — ein h-Moll also ohne Leitton bei der
VII. Stufe. Großer Wert ist dabei auf die Halbtöne cis-d
uind kis—8 zu legen. Stufenübungen wie ICIIIFV h-Adis)
 und vielleicht auch I5IIIS-VI (I-d-8) lassen sich
eicht anbringen. Es versteht sich natürlich, daß diese Vor—
bereitungen beiläufig sein müssen und nuür bei Ver—
einen Sinn haben, die über wenige oder gar keine musi—
kalisch geschulten Männer verfügen. Ein Ueberbetonen
derselben — und das machen leider manche Chordirigenten
zu gerne! — würde die Sänger zum Fortlaufen lang—
veilen.
Der Verfasser rechnet mit den einfachsten Voraus—
etzungen und Vorkenntnissen. Er schätzt für diese Ver—
zältnisse das Einstudieren des ganzen Chorwerkes auf
126 Proben. Für den J. Teil rechnet er mit einer. Die
SZchwierigkeiten sind im Anfang mehr rhythmischer Art.
Fs wird sich empfehlen, die ersten Verszeilen zuerst ein—

nal ohne Musik zu deklamieren und gleich die
ichtige Aussprache derselben mitzuproben. Das
zjeht ohne viel Zeitverlust. Der /5-Takt muß natürlich
infangs gegeben werden. Es wird nicht von Schaden sein,
venn der Chorleiter Hebungen (Auftakte) und Senkungen
etonend bzw. zurücktreten lassend laut dazu zählt: 1I172
3(09 560 [112e 3 (4 56* 1112 3 (4 56 usw., wobei
in gewisser Nachdruck auf 1 und 4 zu legen ist. Beim
kinproben der Einzelstimme hat man gleich im ersten Takt
Belegenheit, zwei wichtige Melodieschritte einzuführen —
die kleine bzw. große Sechste von oben nach unten,
zie in der umgekehrten Abfolge, nämlich von unten nach
ben, viel geläufiger ist .... Dr. Grich Roeder.
Die Fortsetzung dieser Vorschläge, die natürlich rein—
»ersönlicher Art sind und keinen Anspruch auf Allgültig—
eit machen wollen, folgt in den nächsten Heften.
Die Schriftl.

Das 2. Budetendeutsche Süngerfest in Eger

Fahnen in den Farben schwarz-rot-gold und in den
BFarben des Sudetendeutschen Sängerbundes blau-weiß
an hohen Masten und von den Dächern der Häuser wehend,
zirlandengezierte, mit. Wimpeln und Reisig und Korn—
zlumen geschmückte Fassaden und Fenster, Triumphpforten,
zeschmackvoll geschmückte Auslagen, hübsch bekränzte Haus—
schilder, so begrüßte die ehemals reichsfreie Staufen- und
Wallensteinstadt und nunmehrige tschechoslsowakische Grenz—
tadt Eger ihre zu tausenden erschienenen Sängergäste
aus dem In- und Auslande.
Leider gab es auch bei diesem deutschen Feste eine
Fahnenaffäre. Obwohl die Festleitung dem behördlichen
Auftrage nachkam, daß an bevorzugten Stellen der Stadt
mindestens. 8, Staatsfahnen angebracht werden mußten,
hatten einige Hausbesitzer in Ermanglung anderer Fahnen
die Farben der benachbarten Kurstadt Franzensbad grün—
veiß aufgezogen. Die Polizei, der schon die blau⸗-weiße
Farbe des Sudetendeutschen Sängerbundes nicht paßte —
die Farben Bayerns — verbot die Farben grün-weiß, die
helanntlich die Farben Sachsens sind!!! Sächsische Sänger,
die in großen Autobussen zu dem Feste kamen, mußten
ihre Vereinsfahnen an der Grenze hinterlegen, da die
schechischen Behörden ihre „Einfuhr“ nicht gestatteten!
Eingeleitet wurde dieses erhebend verlaufene Sänger—
iest, an dem nicht bloß die Bewohnerschaft der Fest—
stadt, sondern die des ganzen Egerlandes teilnahm, mit
einem imposanten Fackelzuge am Vorabend des Festes, der
ich gleichzeitig zu einer herzlichen Ehrung für den an—
wesenden sudetendeutschen Komponisten Kamillo Horn
gestaltete.
Der Samstagabend brachte die erste große Veranstal—
ung: Begrüßungsabend in der 12000 Personen
fassenden Sängerhalle, einem prächtigen, auch architek—
tonisch sehr hübschen, eindrucksvollen Bau. Der Andrang
var ein derart starker, daß Unzählige keinen Platz mehr
fanden und in den Gaststätten Egers Zuflucht nehmen
mußten. Den Abend eröffnete der Vorsitzende des Orts—
hauptausschusses, Dr. Mischl, der nameuntlich die so zahl—
reich erschienenen Sänger aus Oesterreich, Bayern und
Sachsen aduf das herzlichste begrüßte und dann sprachen
noch Bürgermeister Häans Schneider, Adolf Philipp,
der Vorsitzende des Sängerbundes der Sudetendeutschen,
und Geheimrat Dr. Hammerschmidt, der Vorsitzende
des „Deutschen Sängerbundes“ (München), die alle Worte
mitreißender völkischer Begeisterung zu sagen wußten und
boon der Menge stürmisch bejubelt wurden. Die Festrede
über Bedeutung und Wesen des deutschen Liedes hielt
Pfarrer Gerstberger. Dazwischen hörte man, Chöre
unter Leitung des Egerer Gauchormeisters Lud wig und
Musikvorträge der Fränzensbader Kurkapelle unter Direktor
Thamm.
Der Höhepunkt des Festes war unstreitig der Sonntag
mit der außerordentlich gelungenen, künstlerisch auf achtung—
gebietender Höhe stehenden ersten musikalischen Hauptiufführung
 unter Leitung des Generalmusikdixektors
Manzer (Karlsbad) — der aber auch die zweite Haupt-—
aufführung am Montage (Leitung der zweite Bundeschor—
meister Rumler) künstlerisch Uund in der Wirkung in
teiner Weise nachssand — und der BZistorische Festzuqg

im Nachmittage. Die Vortragsreihe der beiden Hauptauf—
ührungen enthielt folgende Werke: „Das Weihelied der
zudetendeutschen“, Dichtung von Hans Watzlik, den nam—
jaften deutschböhmischen Heimatdichter, nach einer Sara—
ande von J. G. Händel, bearbeitet für einstimmigen
Nännerchor von Rob. Manzer, mit dem das Konzert den
indrucksvollsten Abschluß fand, Mozart „O Schutzgeist alles
zchönen“, Schubert „Hymne“, Beethoven „Gottes Macht
ind Vorsehung“, Brückner „Trösterin Musik“, Reiter
Deutscher Volksruf“, Horn „Gothenzug“ und Händel
Halleluja“. II. Hauptaufführung: Jugendchöre, Brahms
In stilker Nacht“, Keldorfer „Ade“, Wickenhauser „Echo—
ied“, G. Schumann „Ein Blümlein auserlesen“, „Tren—
ungsschmerz“ (Volksweise), bearbeitet von Hausegger,
Lagner „Wacht auf“, Chor aus den Meistersingern. Das
rstemal, daß bei einem Sängerfeste gemischte Chöre er—
langen und von der vieltausendköpfigen Zuhörerschaft
nit stürmischem Beifall aufgenommen wurden. Der nach
rei gedanklichen Gesichtspuünkten aufgebaute über eine
ztunde währende Festzug verherrlichte „Die Vergangen—
seit Egers“, „Die deutsche Tonkunst“ und den „Deutschen
ßolksglauben“ und war mit der zutiefst erschütternd wir—
enden Heldenehrung ein ergreifender und hin—
eißender Ausdruck von Volks- und Heimatliebe, der den
bertausenden Besuchern unvergeßliche Erinnerungen
interlassen hat. Einen überwältigenden Anblick bot am
Abend die beleuchtete Barbarossaburg mit dem an der
zurgmauer hin in Riesenbuchstaben angebrachten Wahl⸗
pruche des Sängerbundes der Sudetendeutschen „Einig
urch des Liedes Band, schirm dich Gott Sudetenland“ als
kransparent, das durch hunderte verschiedenfarbiger
zämpchen erleuchtet wurde. Ein großes Symphoniekonzert
ind eine Mozärtfestvorstellung im Egerer Stadttheater
„Die Entführung aus dem Serail“ mit erlesenen
västen beschloß die Reihe der Festveranstaltungen. Das
zudetendeutsche Sängerfeft war eine machtvolle Kundgebung
es sudetendeuütschen Volkes im deutschen Liede, ein flam—
nendes Treubekenntnis der hart um seine Daseinsrechte
ämpfenden sudetendeutschen Minderheit, aber auch ein
zekenntnis der Zusammengehörigkeit über alle Schranken
er politischen Gesinnungen, der Standes- und Bildungsinterschiede
 hinaus! Dies auch ohne politischen Rendt

ng!
denkmünze

Herstelle r
—III
Kunstpräge-Anstalt
Pforzheim, Lindenstraße 50
            
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