Der hegarchor.
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gphhll Nr.
Wie verstehe und probe ich „In den Alpen““.
Nacdem wir in zwei früheren Nummern der Bundes—
Lzeitschrift über den Meister Friedr. Hegar einige
versönliche und bemerkenswerte Mitteilungen gemacht
haben, wollen wir uns nunmehr der Sache selbst, dem
degarschen Männerchore zuwenden. Derselbe stand bekannt—
aüch vor Jahren hoch im Kurs. Ein Gesangswettstreit
»hne ihn war kaum denkbar. Die Beherrschung von zwei
dis drei Hegarchören hielten unsere Sänger vor dem
Kriege für Pflicht- und Ehrensache. Dem ist nachher
anders geworden. Der Kampf gegen das „männermor—
dende“ Preissingen artete beinahe zu einem Kampf gegen
den Kunstchor aus. Die Volksliedbewegung tat das ihre.
Sie verdrängte den Kunstchor vorübergehend fast aus seinen
alten Rechten. Bald sah man jedoch ein, daß — wie alles
rinseitig Gepflegte — das Volkslied den Ansprüchen der
singenden Männerwelt nicht vollauf genügen konnte. Als
llebungs- und auch als Künstmittel bewährte es sich nicht
in dem Maße, wie der Kunstchor. Der Streit „Volkslied
ader Kunsichor“ schlichtete sich geradezu von selbst. Die
dosung heißt heute fraglos wieder: „Volkslied und
Kunstchor“. Letzterer wird seine eigentliche Bedeutung nie
»erlieren. Und das ist richtig so.
Inzwischen fiel jedoch manches Stück, mancher Männer—
horkomponist — nicht mit Unrecht — der Vergessenheit
anheim. Man war auch bemüht, Hegar zum alten Eisen
zu werfen. Vor allem von der Warte aus wurde viel
zegen ihn gewettert. Mit wenig Glück. Es wurde freilich
nicht mehr alles, was Hegar hieß, kritiklos anerkannt
und gesungen. Die Kernwerke seines Schaffens hielten sich
aber und werden, wie jedes Meisterwerk in der Kunst,
noch Jahrzehnte und Jahrhunderte vielleicht überdauern.
Dazu gehören „Das Totenvolk“, „Die Rose von Grave—
otte“, „Rudolf von Werdenberg“, „Kaiser Karl in der
Johannisnacht“, „In den Alpen“, welch letzteres vielleicht
ines der besten Männerchorwerke aller Zeiten ist.
Alles Vortreffliche ist aber — wie schon der weise
Spinoza sagt — eben so schwierig, wie selten. So auch
degars Balladen und Chorlieder. Man kann nicht ein—
mal sagen, daß die Schwierigkeiten überwunden sind, wenn
die Harmonien und Tonarten eines solchen Stückes schon
sitzen und das Ganze glatt gesungen werden kann. Bei
der Feile, beim Probieren der Ausdrucks- und Schat—
tierungsarten, beim Aendern der Zeitmaße ergeben sich
so viele Möglichkeiten, die Wirkung zu erhöhen, den Geist
der Musik und der zugrunde liegenden Dichtung zu ver—
innerlichen und auch zu veranschaulichen, daß man beim
Wählen und Streben nach der Vollendung zu keinem
Schlußpunkte kommt. Der Verfasser hat es beispielsweise
erlebt, daß gute Landvereine, die „J. Stadtklasse“ sangen
und bereits zwei größere Hegarchöre auf Lager hatten,
am „Totenvolk“ oder am „Kaiser Karl in der Johannis-—
nacht“ 7 bis 8 Monate und noch länger probten, bis sie
damit aufzutreten wagten. Er hat allerdings auch mit
zuhören müssen, wie bekannte Stadtvereine nach 4 bis
5 flüchtigen Proben im Konzertsaal mit den gleichen
Werken aufzuwarten wagten. — Es war demnach. Der
Wiener Lehrer-A-cappella-Chor hat da gewißk ein heil—
ames Beispiel gegeben!
Welchen Hegarchor soll man nun für den Anfang emp—
fehlen? Den kürzesten und einfacheren natürlich. Ein
Vereinsleiter, der noch nie Hegar geprobt und dirigiert
hat, wird gut tun, die beiden eben erwähnten unbeachtet
zu lassen. Auch Stücke, wie etwa „Die Gewitternacht“
und „Die Weihe des Liedes“ haben Zeit. Denn von den
nannigfaltigen Schwierigkeiten harmonischer, melodischer
und rhythmischer Art abgesehen, zeichnen sie sich durch
beträchtliche Ausdehnung aus. Das langwierige Einstu—
dieren dersesshen ermüdetf die Sänger auf die Dauer und
raubt, bis die Feile und Freude an dem Stück endlich
»eginnen können, Lust und Liebe an der Probe; ja es
vird sogar dort, wo die Chorstunde — wie bei unsern
gergarbeitersängern — als Erholungsstunde betrachtet
bird, eine ernstliche Gefahr bergen. Mit „Rudolf von
Verdenberg“ kann man indes schon eher beginnen. Am
illerbesten eignet sich wohl für den Anfang die Scheffel—
ertonung „In den Alpen“. Sie ist nicht allzu umfang—
eich, obwohl sie immerhin weit über 100 Takte enthält.
die schönen Verse, die irgendwie schon einmal gehörten
Melodien, die schwungvolleuü Wendungen reizen den Appetit
ind fördern den Probeeifer und die Frende am Einstu—
zieren ganz wesentlich. „In den Alpen“ ist nämlich ein
dunstchör, der sich in der ganzen Säugerwelt, ob
n der Stadt oder auf dem Lande, größter Beliebt—
zjeit erfreut, den jeder einmal gesungen haben muß, mit
dem man am besten den jungen Nachwuchs auf die „Feuer
aufe“ vorbereitet.
Das Stück hat den Vorteil, daß es nicht in der ganz
rei mit der Dichtung fortschreitenden, phantasiegleichen
Art komponiert ift, sondern in der bekannten dreiteiligen
lasfischen Form verläuft, die den ersten Teil gegen Schluß
zin wiederkehren läßt. Man braucht also statt 3schon nur
2 Teile einzustudieren. Kann man den ersten, dann geht
ruch, wenn der Text geläufig ist, ohne weiteres der letzte.
Es ist schon viel wert, wenn man nach der ersten Probe
agen kann: „Jetzt ist die Hälfte bereits geschafft.“
Gerade aber in der Form A—B MA liegt das Ge—
seimnis mit begründet, warum das „Heia“ zu den klas—
ischsten Leistungen auf dem Gebiete des Kunstchores zählt.
Wir finden da — vom Anfang bis zum großen Einschnitt
»ei Takt 31 (,Heia“!) — einen schwungvollen, männichen
Teil A Ihm folgt ein weniger das Kräftige
ind Rhythmische als das Rein-Melodische, Stimmungsvolle
zevorzugender weiblicher Mittelteil B. Dieser steht in
einer Art zu dem ersten in fühlbarem Gegensatz und ent—
hält eine gewisse Spannung, die sich erst bei dem
fkintritt der Schlußwiederholung des männlich-sieghaften
nfangs löst. Wodurch sie verursacht wird, soll jeßt noch
rnicht endgültig gesagt werden. Begnügen wir uns darum
nit der bloßen Andeutung, daß hier im harmonischen Vor—
zange allerhand Bemerkenswertes geschieht, was sich in
iner gewissen Unruhe, einem Schwanken zwischen Moll
uind Dur, in einem reichlichen Maße von tonartlichen
erschiebungen, von Uebergängen oder „Modulationen“,
vie der Fachmann sagt, schließlich auch von Versetzungs—
eichen, Erhöhungen und Erniedrigungen („Chromatik und
Alteration“ sichtbar äußert. Das müssen wir uns
etzt schon vergegenwärtigen: der Mittelteil von „Hier
litzt ein Städtlein“ Takt 32 bis „.., und strecken ihn
ius“ Takt 101 enthält die meisten Fallstricke und Wen—
»ungen, die wenig geläufig und darum dem Ohr und Ge—
ühl nicht gleich eingängig sind. Da sich dazu noch mancher
nusikalischer Gedanke bald wieder in scheinbar ähnlicher,
n Wirklichkeit aber merklich veränderter Form wiederein—
tellt, ist doppelte Vorsicht und Ruhe geboten. Die Ge—
vohnheit ist ein starker Panzer. Aber wie man manchmal
tatt des gewohnten Weges einen unbekannten geht und
hn schön, wenn auch nicht ganz bequem findet, so ist
⸗s auch hier. Das Vorkommen von vielen Halbtönen macht
zdie jungen Sänger vor allem leicht kopfscheu. Es wird
darum gut sein, sie von den Schwierigkeiten des schönen
Mittelteiles nicht vorzeitig in Kenntnis zu setzen. Als
Vorübung lasse man aber zu Beginn der nächsten Proben
chon die D-Dur-Tonleiter singen, rücke dann von d nach
zurück, schließe hier mit einer weiteren Tonleiter an,
die gar keine Veränderung bringt, sondern dieselben Töne
eꝛnthält wie die vorhergehende, von h angefangen: h cis d
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