Full text : 9.1931-1932 (0009)

„Wo Du nicht bist, dringt an mein Ohr
Fin Dreiklang, der die Terz verlor.
Sei wieder gut, vergönn, vergib —“
an als vierte Verszeile in ein Geleise von fünf Noten—
inien:

A

auushhhhh Saar⸗eSänger-Bund IIIIIVIUPIVIsuurzinrrenytruernuenntzepiijrneuetrttuufsshhhhj Nr. 5
„Und habe Deinen Sänger lieb!“
Diesen Sühnebrief schob er fein sachte auf das Tischchen
reben ihrem Bett. Mit Sicherheit mußte ihr erster Früh—
blick drauf fallen. Dann legte er sich ebenfalls nieder,
nicht ohne sich vorher durch einen vorsichtigen Kuß auf
hre Stirn der Absolution bereits versichert zu haben.
Es kam denn auch so, wie er gehofft hatte. Sie er—
wachte, las und streckte die Waffen vor solchem Morgen—
gruß. Das Verschen aber machte sie sich zu eigen. Es
kat in der Folgezeit, auch von ihr angewendet, noch
manchmal seine Wirkung.
Kurt Arnold Findeisen.
Aus: Der Weg in den Aschermittwoch.

—

Sie hatten sich am Vormittag erst zusammen an
Schuberts Shakespeare-Ständchen gelabt. So wußte er,
daß sie sofort lesen würde:

deutscher Liedertag.

Ein Nachklang.

J in Sommertag! Lachender Sonnenschein liegt über der
DAganzen weiten Welt. Leis im Wind wiegen sich
Baum und Strauch. Das Korn geht seiner Reife ent—
gegen — bald wird ein „Das walte Gott“ den ersten
Sensenschnitt bekräftigen. Bauer und Knecht und all' die
anderen, die mit Hand an den Pflug legten, um das Korn
der Erde anzuvertrauen als noch kalter, eisiger Wind
durch totes Gezweig wehte — freuen sich der Ernte. Manch'
banges Hoffen und Verzagen durchströmte die Brust aller.
Zitternd schaute man oft auf zum Himmel und wenn sich
düstres Gewölk zeigte, dann drang wohl auch ein Stoß—
gebet um Gelingen und eine gute Ernte empor. — Und
doch liegt in dieser Freude eine stille Wehmut! Warum?
Mit beiden Händen möchte man den Sommer — diesen
Freudenspender — halten. — Und doch — bald wird alle
Sommerherrlichkeit in ein Nichts versunken sein. Dann
ringsum wieder nur schlummernde Erde — totes Gezweig.
Ein Sommertag — Tag des Liedes — Tag des deuf—
schen Volksliedes. Herrlicher Gedanke. Ueberall im ganzen
großen Vaterland hebt an eceinem Tag — zu einer Stunde
ein wundervolles, mächtiges Singen und Klingen an.
Deutsche Sänger sind's, die Zeugnis ablegen von der Seele
des Liedes — von der Macht des Gesanges. Ueberall —
in jedem Dörfchen, in jeder Stadt — ja sogar drüben,
senseits unserer Grenzen, wo deutsche Brüder wohnen.
erklingen deutsche Lieder.
Noch nicht lange ist es so. Vor einem Jahr wurde der
Tag mit einem „Das walte Gott“ aus der Taufe ges
hjoben. Nur wenige waren es, die dem schlichten, ein—
fachen Liede lauschten. Wer nicht zufälliger Weise an
einem Flecken, wo gesungen wurde, vorbeikam, hätte es
oielleicht niemals erfahren. — Und heute ist er schon
ein recht strammes Glied unseres Bundes. Tausende waren
es, die gekommen waren, um zu lauschen und zu hören
was deulsche Lieder — deutsche Weisen und deutsche Sänger
zu bringen haben. Trotz der großen, großen Sorgen Um
die Zukunft des einzelnen sowohl als auch unseres lieben
Vaterlandes, die uns nicht froh werden lassen wollen,
rotz Weh und Leid erstrahlte so manches von Sorgen
müdaoewordenes Nude

Deutsche Jugend im Dienste

Fin Sommer-Sonntag-Abend. Die letzten Strahlen der
DSonne leuchten am abendlichen Himmel, bleichte Däm—
merung senkt sich auf Häuser und Fluren. In beschaulicher
Ruhe sitzen die Bürger vor des Hauses Schwelle, in den
Straßen des Dorfes, in dem sich die nachfolgende Be—
zebenheit abspielt, ist ein geschäftiges Treiben der Bürger—
schaft zu bemerken. Es ist deutscher Liedertag. Plößlich
vird der abendliche Frieden durch prachtvollen Gesang
irischer, froher Jugend durchbrochen, die festlich gekleidet
nit Gitarren- und Geigenklang zu ihrem Singeplatz streben.
25—30 frische Knaben und Junglingsgestalten, die sich das
deutsche Lied zu ihrer Sportbetätigung erkoren hätten,
raten an die Oeffentlichkeit, und zwär in einer Weise, die
edes Herz höher schlagen machte Landsknecht-Lieder in
großer Zahl, Scherz- und Schelmenlieder von köstlichem
dumor demürzt. klangen aus judgendlichen Kehlen AUrm—

Können wir auch noch nicht von einer Ernte reden —
so dürfen und solben wir doch stolz sein. daß uns ein
„Deutscher Sängerbund“ einen solch' herrlichen Tag ge—
schenkt hat. Dieser Tag ist, glaub' ich, uns allen ein Er—
lebnis geworden.
Wenn sich auch immer mehr der Himmel verdunkelt und
wir immer mehr der Verzweiflung anheimfallen könnten
— solange es ein deutsches Lied gibt — und deutsche Lieder
zesungen werden — kann und wird ein Volk und schon
zar nicht das unsrige, untergehen.
Wollen wir es aber nur bei diesem einen Tag be—
venden lassen? Nein und abermals nein! All' die vielen,
die abseits stehen, warten darauf, daß wir Ihnen Freude
durch's Lied zutragen und sie haben ein Anrecht darauf.
Ldaßt uns singen, wo sich nur irgendeine Gelegenheit bietet.
Wir als deutsche Sänger sind verpflichtet, Verkünder des
»eutschen Liedes zu sein. Der einzelne sowohl als auch
der Verein sollte es als eine heilige Pflicht ansehen,
Zonnenschein und Frohsinn durch das Lied in von Sorgen
ind Leid erstarrte Herzen zu tragen.
Hab' Sonne im Herzen — dann komme was mag,
daß leuchtet dir Hell den dunkelsten Tag.
Wenn wir dies erkannt haben, dann werden wir von
der Ernte sprechen können und all' die, die Hand an den
Pflug legten, um kostbares Land zu bearbeiten für die
Vunderblume „„Deutsches Lied“ werden reich gesegnet sein
und werden Freude empfinden darüber, eine so herrliche
Zaat ausgestreut zu haben. Wir aber, die wir mitsingen
zdurften, werden das Bewußtsein erfüllter Pflicht in üns
ragen.
So scheiden wir vom Liedertag 1931 — und gehen
dem des Jahres 1932 entgegen. Möge er noch vielmehr
Beachtung finden als bisher. Möge er ein Kulturfaktor
verden! Zum Segen für unser Deutsches Vaterland, zur
Ehre für unser „Deutsches Lied“.
Willi Henschel,
Dresden-⸗—M

des deutschen Liedertages.

rächtlichen Himmel, und wie ein frommer Wunsch beschloß
Ade zur guten Nacht eine Abendfeierstunde von solchem
Reiz, daß eine begeisterte Zuhörerschaft durch reichen Bei—
all ihre Freude bekundete. Der Wunsch auf Wiederholung
var allgemein. Ich ziehe meine Straße und suche mir
zie Lehre aus diesem eigenartigen Erlebnis.
Viel ist geschrieben und gesprochen über Jugendpflege
n den Männer-Gesang-Vereinen, mannigfache Wege und
ziele sind gesucht worden um zum Erfolg zu kommen,
ind es darf wohl behauptet werden, daß es uns noch
richt gelungen ist, eine solche Sängerjugend heranzubilden,
vie es bei den Sportvereinen möglich war. Und warum
iicht! Jugend will ihre eigenen Wege gehen, Jugend
vill etwas selbständig an ihren Belangen arbeiten,
ind ich glaube, die stäüdige Aufsicht und das Unterordnen
tnter die Grwachsenen hemmt das Waoallen der iudendlichen
            
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