Nr. 1
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verzierten Thema unterbrochene Verarbeitung der
3. Phrase, die am Schluß mit dem choralartigen Schluß—
gedanken verkoppelt wird, also gleichzeitig ertönt.
Appassionato (leidenschaftlich) schließt sich eine Va—
riation b-Moll an. Das Versteckspiel ist hier ein—
facher zu durchschauen: des c b es ces. Nun kommt es
aber knüppeldick! Das Thema steht Kopf! Es tritt
in spiegelbildartiger Umkehrung auf (Beispiel 4), d. h.
es bewegt sich jetzt in gleichen Schritten nach der
umgekehrten Richtung. Das bisher étwas vernach—
lässigte 2. Motiv des Themas besänftigt die hoch—
gehenden Wogen, aber nur vorübergehend, das leiden—
schaftliche Anfangsthema setzt sich durch bis zum
rauschenden Schluß.
Es folgt ein besinnliches Andante sostenuto, dessen
Beziehungen zu dem Thema nur noch zu ahnen sind.
Doch gewinnt Reger der 3. Themagruppe immer noch
neue überraschende Seiten ab.
Die 5. Variation (Givace, d-molh) will aufs
Glatteis führen. Wir erkennen aber das erst im
zweiten Takt beginnende Thema, d. h. bloß seinen
ersten Teil (vgl. Beisp. 13 1. Takt), trotz seiner Be—
mäntelung und trotz des vorangestellten neuen Motivs,
hinter das es sich verstecken will. Allerdings läßt die
Fortsetzung lange auf sich warten; dafür tritt sie aber
so großspurig auf, daß die 2. und 3. Motivgruppe
nicht wagen, dieser getrennt marschierenden, aber
vereint schlagenden Phrase den Platz streitig zu
machen.
Nr. 2 und 3 halten sich in der nächsten Variation
schadlos. (Andante con grazia, B-dur.) Doch kann es
Nr. 1 nicht lassen, den Anfang zu machen; in aller
Bescheidenheit zwar und gut maskiert. Die „De—
maskierung“ bringt Beisp. 5. (Die Noten des Themas
ind durch Striche bzw. Pfeile bezeichnet.)
Pompös führt sich die letzte Variation ein
Allegro pomposo). Auch hier steckt das Thema drin:
fes d c bag esc. Mutig bekennt drauf Nr. 3 Farbe
Von ihm beeinflußt, tritt Nr. 1 endlich auch unver—
schleiert in seiner ganzen Pracht im dreifachen Forte
ans Tageslicht und hält sich auch als bereits die
3. Phrase an der Reihe ist. (Beisp. 6; oben Nr. 3
in doppelten Notenwerten, unten Nr. 1 halbiert)
Und nun als krönender Abschluß die Fug e. Neckisch,
humorvoll fängt es an; fast scheints, als wüßte das
Fugenthema um sein schelmisches Versteckspiel. Beisp. 7
aber stellt den Zusammenhang mit dem Variationen—
thema dar. Fünf Stimmen teilen sich in das Fugen—
thema und werfen es einander in lustigem Fangspiel
zu, bald ganz, bald in abgerissenen Stücken, bald haben
fie es so eilig, daß es schon in einer Stimme erscheint,
ehe die andere damit zu Ende gekommen ist, was die
Wissenschaft „Engführung“ nennt. Nach einer gewal—
tigen Steigerung tritt choralartig das Thema in seiner
erften Gruppe auf, und zwar gleichzeitig mit dem
Fugenthema. (Beisp. 7.) Immer größeren Raum be—
ansprucht es, es wuchtet mit allem Pomp im Baß
daher, die Akkorde werden übereinandergetürmt, und
in einer hart an die Grenze des Möglichen heran—
reichenden Steigerung klingt jubelnd das herrliche Wer!k
aus, das an die Spieler und mit seiner verzwickten
Polyphonie, der Aufeinanderballung der Themen und
dem reizenden, nur bei näherem Studium sich er—
schließenden Versteckspiel auch an den Hörer außer—
ordentliche Anforderungen stellt. Dr. Ernst Stilz.
——
A
C
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— 7
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**.
8
F
genommenen, feststehenden Melodie, eines „Themas“.
Machen Sie beispielsweise einmal aus einem Walzer
einen Marsch und Sie haben eine, wenn auch ein—
fache rhythmische Variation.
Eine klassische Variationsreihe, etwa Haydns oder
Mozarts, ist nun ein ziemlich leicht zu durchschauendes
Gebilde. Das Thema, oft ein bekanntes Lied), wird
durch Umspielung, durch allerhand Verzierungen ver—
ändert, aber nur so weit, daß es in den meisten
Fällen noch leicht herauszuhören ist, oder daß man
rs zwanglos mitsingen könnte.
Dieses ist bei Reger gänzlich unmöglich. Die Ver—
änderungen entfernen sich zuweilen soweit vom Thema,
sind so verschleiert, daß sie beim ersten Hören über—
haupt nicht als Abwandlungen erkennbar sind.
In unserm Fall besteht das sanfte, kindlich un—
schuldige Thema in B-Dur, das Reger aus den
Bagatellen op. 119 von Beethoven entnahm, aus
drei Teilen und einem choralartigen Schluß. (Beispiele
123 geben diese 3 Phrasen oder Motivgruppen.)
Die ersten Variationen?) (Un poco piu Lento)
sind sofort klar: Das Thema wird statt von Akkorden
oon bewegten Figuren begleitet.
Von der nächsten (Andantino grazioso) wollen wir
uns nicht verblüffen lassen! Das, was sich da im
Anfang so anhört, ist ja nichts anderes, als die etwas
ausgezierte 1. Themagruppe (defes dc cb es g d es e;
die fett gedruckten Noten bilden das Thema). Gleich
darauf kommt es „demaskiert“ in richtiger Fassung.
Es folgt eine starke, sich auf verschiedene Tonarten
erstreckende, einmal sogar von dem zuerst erklungenen
1) 3. B. die „Kaiservariationen“ von Haydn (Deutschlandlied),
die Beethovenschen Variationen über „God save
he king“, das wir mit dem Text „Heil dir im Sieger—
kranz“ kennen.
2) Bei der Aufführung werden von den 12 nur 7 ge—
spielt. auf die ich mich auch hier beschränke