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P. 69 und 91, etwa der rn oder „Die Tamburin—
schlägerin“, böten willkommene Abwechselung.
Naturgemäß wird aber in einem Programm eines
Männerchores
das klavierbegleitete Sololied
größeren Raum einnehmen. Schumanns Zieder zeichnen
sich durch konzentrierten Stimmungsgehalt und höchste
Ausdrucksgewalt, plastischste Wortausschöpfung aus. Das
Klavier spielt die entscheidende Rolle, birgt es doch in
zöchstem Maße Malerei, Farbigkeit und Stimmungsaus—
deutung. Eine große Reihe seiner Lieder sind von ihm
selbst zu Zyklen zusammengefaßt. In einem feinsinnigen
Programm könnte ich mir ganz gut einen der kürzeren
etwa Frauenliebe und Leben) denken. Gerade weil
Männerchöre Solistinnen um der Abwechselung willen
»evorzugen, paßte diese Ergänzung nach der weiblichen
Zeite auch im Programmgehalt ausgezeichnet. Daneben
dürfte „Der Nußbaum“, „Freisinn“, „Die Lotosblume“,
„Du bist wie eine Blume“, „Mondnacht“ usw. nicht fehlen,
schon allein damit der Sangesbruder einmal jene kulti—
oierden, feinnervigen Erzeugnisse einer wahren Tondichter—
seele kennenlernt.
Die Kammermusik
erfreut sich in jüngster Zeit bei den namhaften Männer—
hören liebevoller Pflege. Schumanns Klavierquintett
P. 44 und das Klavierquartett op. 47 wären neben einem
Streichquartett Oder einem Trio in einem Konzertprogramm
hesonders willkommen.
Vor allem aber läßt sich in dieses
die Klaviermusik
zinordnen. Die kurzen Einzelstücke, etwa „Des Abends“,
„Grillen“, „Aufschwung“, die „Papillons“ eignen sich
iaturgemäß besser als die großen monumentalen Werke,
vie die „Sinfonischen Etüden“, die Kreislerianag, der
Faschingsschwank. Auf dem Gebiete der Klaviermusik liegt
vie auf dem des Liedes Schumanns besondere Bedeutung.
Will man ein lebensvolles Bild von Schumann geben, so
»arf sie keineswegs fehlen.
Schumann ist der Prototyp des Romantikers. Die heute
ibliche Verachtung der „gefühlsversessenen“ Romantik fiel
»eshälb besonders schwer auf Schumann. Es wäre ein
Zzegen, wenn Schumanns Erinnerungstag die Aufmerk—
amkeit wieder auf ihn lenkte und ein enges Vorurteil
zeseitigte. Dr. Ernst Stilz.
Robert Schumanns Schriften.
Im Jahre 1854 erschienen erstmalig unter dem Titel
BGesammelte Schriften über Musik und
Musiker die bedeutendsten literarisch-musikalischen Auf—
sätze, die Robert Schumann für die von ihm begründete
und geleitete „Neue Zeitschrift für Musik“ verfaßt hatte.
Wir danken es dem Verlage Philipp Reclam jun. im
Ldeipzig, daß er uns diese gesammelten Aufsätze in einer
oon Dr. Heinrich Simon trefflich besorgten wohlfeilen Aus—
jabe im Rahmen der Universal-Bibliothek zugänglich ge—
macht hat. Und wir können nicht dringend genug emp—
fiehlen, sich einmal mit diesem Werkchen in stillen Stunden
zu beschäftigen. Es spiegelt ein bedeutsames Stück deutscher
Mufikgeschichte aus tiefstem Erleben wieder, vergegenwär—
tigt aber uns zugleich einen unserer begnadetesten Meister
in seiner neidlosen Bewunderung alles dessen, was wirk—
lich groß ist, in seinem wahrhaft. göttlichen pädagogischen
Eiser für alles Schöne, Hohe und Edle in der musika—
tischen Literatur, in seinem unerbittlichen, verzehrenden
Zorn gegen alles, was minderwertig, großsprecherisch. ober—
ächlich, gleißnerisch virtuosisch ist.
Getragen von Hoffnung, daß einige Proben aus Robert
Schumanns „Gesammelten Schriften über Musik und
Musiker“ den Hunger wecken, sich in das ganze Werk zu
dertiefen, bieten wir hier zusammenhanglos in bunter
Folge mosaikartig einige Ausschnitte:
„Ein rechter Meister zieht keine Schüler, sondern
eben wiederum Meister. Mit Verehrung bin ich immer
an die Werke dieses gegangen, der so viel, so weit ge—
wirlt. Sollte diese helle Art zu denken und zu dichten
vielleicht einmal durch eine formlosere, mystische verdrängt
werden, wie es die Zeit will, die ihre Schatten auch auf
die Kunst wirft, so mögen dennoch jene schönen Kunstaltor
nicht vergessen werden, die Mozart regierte und die zuerst
Beethoven schüttelte in den Fugen, daß es bebte, vielleicht
nicht ohne Zustimmung seines Vorfürsten Wolfgang
Amadeus. Später nahmen Carl Maria von Weber und
einige Ausländer den Königsthron ein. Als aber auch
diese abgetreten, verwirrten sich die Volker mehr und
mehr und wenden und strecken sich nun in einem unbe—
Juemen klassisch-romantischen Halbschlaf“
„Der hochpreisliche Bach, der millionenmal mehr
gewußt, als wir vermuten, fing zuerst an für Lernende
zu schreiben, aber gleich so gewaltig und riesenübermäßig,
daß er erst nach vielen Jahren von den einzelnen, die in—
dessen auf eignem Wege fortgegangen waren, der Welt
als Gründer einer strengen, aber kerngesunden Schule er—
kannt wurde. Dem Sohn Emanuel waren schöne Talente
angeerbt. Er feilte, verfeinerte, legte dem vorherrschenden
Harmonie- und Figurenwesen, Melodie, Gesang unter, er—
reichte aber seinen Vater als schaffender Musiker bei
weitem nicht, wie Mendelssohn einstmals sagte: „es wäre,
aAls wenn ein 2moro unter die Riesen käme“
Als ein junger Musikstudierender in der Probe
zu der achten Symphonie von Beethoven eifrig in der
Kßartitur nachlas, meinte Eusebius: „Das muß ein guter
Musiker sein!“ „Mit nichten“, sagte Florestan, „das ist
der gute Musiker, der eine Musik ohne Partitur versteht,
uind eine Partitur ohne Musik. Das Ohr muß des Auges
ind das Auge des Ohres nicht bedürfen.“ „Eine hohe
Forderung“, schloß Meister Raro, „aber ich lobe dich darum.
8Worestans
Es gibt auch Talentlose, die recht viel gelernt
zaben, die durch Umstände zur Musik angehalten worden
ind — die Handwerker
Der Meister. Wagt es aber einer, der eurer Schule
tichts verdankt, etwas hinzuschreiben, das nicht eurer Art
st, so schmäht ihn der Zorn.
Man betrachtet Jugendwerke von gewordenen Mei—
tern mit ganz anderen Augen, als die, die an sich ebenso
jut, nur versprachen und nicht hielten.
*
Die Masse will Massen.
*
Beifall. Willst du den Menschen kennen lernen, so
rage ihn, welche seine Freunde sind, d. i. willst du übers
Publikum urteilen, so sieh' zu, was es beklatscht — nein,
vas es im ganzen für eine Physioanomie annimmt nach
dem Gehörten:
Lob. Es kann einem nichts Schlimmers passieren, als
»on einem Halunken delobt zu werden.
Wer viel Angst hat, seine Originalität zu be—
vahren. ist allerdinas im Begriff sie zu verlieren
Ist Genius da, so verschlägt's ja wenig, in welcher
Art er erscheint, ob in der Tiefe, wie bei Bach, ob in
der Höhe, wie bei Mozart, oder ob in Tiese und Höhe
zereint. wie bei Beethoven
Rossinis Besuch bei Beethoven. Der Schmetter—
ing flog dem Adler in den Weg, dieser wich aber aus,
im ihn nicht zu zerdrücken mit dem Flügelschlaa
JItalienisch und Deutsch. Seht den flatternden
ieblichen Schmetterling, aber nehmt ihm seinen Farben—
taub, und seht, wie erbärmlich er herumfliegt und wenig
zeachtet wird, während von Riesengeschöpfen noch nach
Jahrhunderten sich Skelette vorfinden, die sich mit Staunen
vie Nachkommon zeigen