Full text : 7.1929-1930 (0007)

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Saar⸗Sänger⸗Bumd IIs

Nr. 3

ist, wie schon oben gesagt wurde, nur äußerlich die BVer—
teilung der Ton- und Taktzeiten, sondern nach seinem
innersten Wesen Ausdrucksmittel, und zwar neben Be—
tonung, Phrasierung, Aussprache und Tonbildung das wich—
tigste Ausdrucksmittel des Chorgesangs. Jreilich ist es nicht
iminer leicht, ihm gerecht zu werden. Je polyphoner die
Stimmen sich bewegen, je mehr Stimmen sich an der
Bewegung beteiligen, je mehr infolgedessen die Stimmen
in Konflikt miteinänder geraten, je mehr Reibungen zwischen
hnen erfolgen, desto schwieriger ist es, den Rhythmus
durchzuführen; hier muß die Dynamik helsend eintreten,
indem sie Gegensätze zu mildern imstande ist. Hier liegt
auch der Schwerpunkt für die Ausführbarkeit eines Chores
und der des Unterschiedes zwischen alten und modernen
Thören. Die alten Meister haben es verstanden, die Stim—
men trotz eigener Bewegung so zu führen, daß die Disso—
nanzen sich überwinden, sagen wir — singen lassen, was
von den neuen Meistern nicht immer gesagt werden kann.
Vokalmusik ist eben etwas anderes als Instrumentalmusik.
Das Instrument ist geduldig; es findet sich mit den un—
sangbarsten Zusammenklängen ab, ob sie klingen oder nicht,
ohne zu streiken, was das Ohr — und um dieses handelt
es sich im Chorgesange — nicht zu tun vermag; seine Fähig—
keit 0der seine Unfähigkeit in dieser Beziehung gibt die

Hrenze der Polyphonie und — des Rhythmus an. So viel
iber den gebundenen Rhythmus! Wie stehts nun mit dem
reien Rhythmus? Da können wir uns kurz fassen, denn,
»s sei gleich gesagt, dieser kommt im mehrstimmigen Chor—
zesang selten, oder, deutlicher gesprochen, gar nicht vor, es
ei denn, daß eine Stimme ihn allein ausführt, während
yie anderen Stimmen entweder schweigen oder lange Töne
rushalten, wie es zum Beispiel in Veit's „Schön Rottraut“
Kaiserliederbuch für Männerchor, Bd. II, Nr. 5783) und
wr allem in dem grandiosen Chorrezitativ im vorletzten
Lhor des Weihnachtsoratoriums geschieht; freilich wird selbst
yier der freie Rhythmus durch die Takteinteilung, innerhalb
»erer er sich bewegt, äußerlich gebunden. Und nun will
ch schließen mit dem Wunsche, daß meine Ausführungen
neinem lieben Saar-Sänger-Bunde ein klein wenig Freude
und — Nutzen bringen.
Deutschen Sängergruß!

— ———

Professor Georg Rolle, Verlin.

d Musik l
Aus X usikwehll.
Durch Gründung von Kinderchören sichern
lich die deutschamerikanischen Gesangvereine
einen Vachwuchs.
Seit zwanzig Jahren besteht in New York-Brooklyn
ein großer Kinderchor mit dem Zweck, im eigenen Land
einen Stamm junger Sänger und Sängerinnen heranzu—
ziehen, welche deutsche Sitte, deutsche Sprache und das
deutsche Lied stets hochhalten und so wesentlich zur Er—
haltung des Deutschtums im Ausland beitragen sollen.
Kürzlich trat der Brooklyner Kinderchor (Knaben und
Mädchen im Alter von 6 bis 15 Jahren) mit über
200 Kinderstimmen in einem Konzert vor die Oeffentlich—
eit und gab Zeugnis von der wertvollen Kulturarbeit,
die dadurch geleistet wird, daß auch den „eingeborenen“
Deutsch-Amerikanern Freude am deutschen Lied anerzogen
wird. Die Kritik äußerte sich lobend über sämtliche Dar—
bietungen. Auch New VYork hat einen großen Kinderchor,
welcher bei obiger Veranstaltung ersfolgreich mitwirkte
und am 20. Mai in New VYork mit einem eigenen Konzert
auftrat. Die beiden Dirigenten, J. Helling, Brooklyn, und
D. Süß, New york, erwerben sich durch die Schulung der
iungen Sänger große Verdienste um das deutsche Lied in
Ameérika.
Das deutsche Lied
auf einem amerikanischen Musikfest.
Kürzlich fand in Evanston (Chik) das North
Shore-Musikfest, das 20. seiner Art, in der
großen Halle der Northwestern-Universität statt. Zum
erstenmal waren zu diesem rein amerikanischen Musikfest
auch deutiche Männergesangvereine zur Mitwirkung ein—
geladen worden. Die unter Leitung von Karl Reckzeh
stehenden Vereinigten Männerchöre von Chikago folglen
gerne diesem Ruf und verhalfen dem deutschen Lied zu
glänzenden Erfolgen. Es darf gesagt werden, daß das
Konzert am 24. Mai zu einem Höhepunkt der ganzen
Musikwoche wurde., Etwa 6000 Zuhörer, darunter die
ersten Gesellschaftskreise von Chicago und Evanston, spen—
deten den 800 deutschen Sängern für ihre Darbietungen
reichsten Beifall. Die Vereinigten Sänger von Chikago
sangen: „Der Lindenbaum“ von Schubert, „Spinn, spinn“
von Jüngst (mußte wiederholt werden), ferner „Wald—
morgen“ von Köllner. Der letzte Chor erzielte so starken
Beifall, daß die Sänger sich zu einer Zugabe entschließen
mußten („Der Tag des Herrn“, ein Lieblingslied der
Ddeutsch-Amerikaners. Gemeinsam mit dem Festchor von
Fvanston sangen die deutschen Sänger noch (in der
zandessprachejy; „Die Allmacht“ von Schubert, Pilger
hoe“ u8 FTaonuhänfsonu vunu M Maqngnoer —

erkennung“ von E. Grieg. Aber nicht nur das deutsche
died ist es, das auf dem amerikanischen Musikfest in solch
prächtiger Weise zum Vortrag gebracht wurde, nein, durch
das ganze Fest zieht sich deutsche Musik: Wagner, Schubert,
Schumann, Mozart, Händel, Brahms, Weber, Liszt wurden
n ihren Schöpfungen vorgeführt; aber das dritte Konzert
var ein Triumph des deutschen Liedes in Amerika! In
inem Kommers feierten die Vereinigten Sänger Chikagbos
hre Erfolge bei dem Musikfest, wobei der musikalische
Führer Karl Reckzeh bedeutsame Ausführungen machte,
die in der Forderung zusammengefaßt werden können:
„Gebt den Amerikanern das deutsche Sied!“

Deutsches Volkslied im Londoner Rundfunk.
Jüngst erklangen im englischen Rundfunk deutsche
Volkslieder, die der bekannte Rundfunksänger Franz
ßzaumann, Berlin, während eines achttägigen Zyklus
u Gehör brachte. Baumann, der an führender Stelle
n dem Großfilm „Das deutsche Lied“ mitgewirkt hat,
velch letzterer mit Unterstützung des Deutschen Sänger—
»undes gedreht und in Wien uraufgeführt wird, hat sein
brogramm in enger Anlehnung an den zweiten Teil des
Films zusammengestellt, der 60 unserer schönsten Volks—
veisen in vackender Weise illustriert

Otto Schrimpf.
Der bekannte Leipziger Musikverlag Ernst Eulenburg
sat im Laufe der jüngsten Zeit eine Reihe von Männer
horlompositionen unseres Bundeschormeisters Otto
—chrimpf herausgebracht, auf die ich die Aufmerksamkeit
inserer Bundesvereine lenken möchte. Zuerst die schaurig⸗
chöne Ballade Hunnenzug nach einem packenden Text
»on Börries Freiherrn von Münchhausen. Dann den weh—
nütig-elegischen Chor von Nebeln und Sterben: No⸗
ember, nach einem Gedicht von Johanna Weiskirch.
Endlich drei im Rahmen der „Deutschen Eiche“ heraus—
Jegebenen Volksliedbearbeitungen von: Ich hört ein
Zichlein rausscchen, Wohlan die Zeit ifsfi
ommen und Ich wollt ein Bäumlein steigen.
diese Kompositsonen bedeuten ohne Zweifel eine“? Be—
eicherung unserer guten Männerchorliteratur, und fie selen
deshalb unsern Vereinen bestens empfohlen. Die Chor—
meister können die Partituren im Archiv des Bundesbüros
gern einsehen

Zu den bemerkenswertesten Begebenheiten des sudeten—
eutschen Sängerlebens der letzten Mongakte zählt die Auf—
ührung von R. Straußens großem, prachtvoll gelungenem
Fhyrmere ie F. — —3338 2 5538
            
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