Full text : 7.1929-1930 (0007)

Seite 661

Saar⸗Saänger⸗Bund lIss

Nr.—

lammern kenntlich gemacht und heben sich so von dem
unangetasteten Originaltert Schuberts deutlich ab.
Der Verlag kann auf den Widerhall hoffen, den das
Werk bei allen finden dürfte, denen das Schaffen Schu—
berts der innigste Ausdruck für das deutsche Lied bedeutet.
Er bringt es in diesem Jahre heraus: seinem Genius zum
Gedächtnis, zugleich in verehrungsvollem Gedenken des
treuen Mitarbeiters Messchaert, der am 22. August 1927
den 70. Geburtstag erlebt hätte. Wir erklären gern, daß
mit dieser trefflichen sachgemäßen Ausgabe den Schubert—
freunden ein wertvoller Dienst erwiesen ist.
Des weiteren weisen wir auf eine interessante Ausgabe
von Schuberts Liederzyklen — Die schöne Müllerin, Winter—
reise und Schwanengesang — hin, die eine verkleinerte Nach—
—— der Origingalausgabe, also einen Faksimiledrug
darstellt, herausgegeben und eingeleitet von Heinrich Kralik.
Schubertverehrer und Bücherliebhaber werden an diesem
reizenden Bändchen des Verlag Steyrermühl in Wien ihre
helle Freude haben! Preis 2,70, geb. 4,50 Mk. Trotz der
Verkleinerung sind die Partituren sehr gut les- und spiel—
bar. Mit großer Wärme schildert die Einführung den
Liedmeister, dem wir so viel unerhört Neues verdanken,
der nicht für Publikum, Mäzene und Verleger gesungen,
sondern zur eigenen Lust. Die eigene Stube oder das
Heim lieber Freunde genügte ihm als Konzertsaal, ein
Kreis fröhlicher Gesellen und hübscher junger Mädchen als
Zuhörerschaft.
Paul Stefan: „Franz Schubert“. Mit Abbildungen,
dandschriften- und Notenproben nebst einer Zeittafel zu
Schuberts Leben. Volksverband der Bücherfreunde, Weg—
weiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. Dieses
Buch des bekannten österreichischen Musikschriftstellers be—
ginnt mit einer farbenprächtigen und klangreichen Schil—
derung der Stadt Wien, Oesterreichs und jener großen
zreignisschweren Zeit, die untrennbar mit dem Leben und
Schaffen Schuberts verbunden war. An dieses erste, fast
anonyme Kapitel Schubertschen Seins schließt Stefan das
zweite, erzählende an, das seines persönlichen, eines mensch—
tichen Lebens. Jede Zeile dieses Buches atmet die tiefe,
derständnisvolle Liebe des Verfassers zu Schubert. Stefan
hat ein Volksbuch im besten Sinne des Worktes geschrieben.
Er setzt nichts voraus, auch wer nicht Noten liest, findet
in diesem Buch wertvolle, allgemein fördernde Anregungs—
stunden. Das Buch umschreibt Musik in Worten und spricht
bon einem großen Musiker nicht anders, als man sonst
Beschichte erzählt. Der Volksverband der Bücherfreunde,
in dessen Auftrag dieses Buch geschrieben wurde, ehrt so—
mit in würdigster Form das Andenken dieses großen
Musikers, dessen Leben vor hundert Jahren allzü früh
endete, dessen Werk jedoch unsterblich von Generation zu
Beneration fortlebt. Auch dieses Werk ist — wie alle
V. d. B.- Veröffentlichungen — mustergültig und vornehm
ausgestattet. Der geringe Preis von 2,95 RM. für den
edlen Halblederband beweist aufs neue die Leistungsfähig—
keit dieses ältesten und größten Buchverbandes, dessen
Mitglieder das Recht völlig freier Wahl unter etwa 300
literarisch ausgesucht guten Werken genießen.
Wahrlich, dieses Buch gehört zu den seltenen Büchern,
zu dem sich der Verfasser eines höheren Auftrags bewußt
var, daß aus sehnsüchtigster Liebe zu Meister Schubert
heraus geschrieben werden mußte. Diese Wärme umweht
uns, wenn wir uns in dieses Schubertwerk vertiefen und
gerade das Menschliche des Genialen auf uns wirken lassen.
Franz Schaberts letzte Liebe. Ein Schubertroman nach
zeschichtlichen Quellen v. Viktor. Trautzl. 304 Seiten. Preis
1 RM. Schöner Halbleinen-Geschenkband. Enßlin K Laib—
ins Verlagsbuchhandlung, Reutlingen. Auch dieses pracht—
»oll poesieerfüllte Werk, dem die bekannte rührige Ver—
agshandlung eine freundliche Ausstattung zuteil werden
liefz, bringt uns den Menschen Schubert menschlich nahe.
VBiktor Trautzl, der als ein Kritiker von Ernft, reichem
Wissen und großem Verantwortungsgefühl bekannte Wiener
Musikforscher sucht in seinem Schübertroman das Geheim—
niz des Schaffenden aus dem Geheimnis des Liebenden zu
erklären. Die erschütternde innere Einsamkeit des stets
Enttäuschten, von Lebens- und Liebesglück ausgeschlossenen,
It die seelische Landschaft, in der Schuberts künstlerische
Vollendung reift. Es ist ein Vorzug des schönen Buches,
daß es schlicht und rührend wie kein anderes zuvor die
nenschlich so ergreifende Leidensbahn dieses als ver—
ummesten Evikuroers auf die Nachwest dgehrachtäan Guünfte

sers auf den Hintergrund seiner Zeit zeichnet. Da ist
Franz Schubert, umhegt und umhätschelt von einem ihn
zergötternden Freundeskreis, angeschwärmt von einer Menge
schöner Mädchen, die seine Klavierstücke spielen und mit
einer Person einen romantischen Kult treiben. Und dennoch
st er ein tief Einsamer: „Denn“, sagt in der Eingangs—
zene einer aus dem Freundeskreis, der Zensurbeamte
Mayrhofer, „in sein Herz läßt er auch seinen besten Freund
richt hineinschauen, aber in seiner Musik, da weint seine
Zeele. Und gegen diese Schmerzen haben wir keine Arznei!“
Zu den besten Leistungen dieses erfolgreichen Romans gehört
die Charakteristik des berühmten Freundeskreises — Vogl
— Kupelwieser — Bauernfeld — Schwind — Schober —
Spaun — Grillparzer. Sie sind mit psychologischer Fein—
seit gezeichnet und bleiben von höchster Bedeutung für das
Verstehen Meister Schuberts.
Ein feines, intimes Buch „Mein Freund Schubert“ ver—
anken wir Felix Günther, Rufu-Verlagsgesellschaft m. b. H.
damovurg 36. Vom Verlage sehr sympathisch ausgestattet,
unstruktiv mit guten Illustrationen versehen, vermittelt
uins das hübsche Werk ein auf Briefen, Tagebuchblättern,
eitgenössischen Aufzeichnungen beruhendes lebensvolles
Bild des Meisters und seines Schaffens. Man spürt, daß
diebe dem Verfasser die Feder geführt hat. So rücken
dinge ins Licht, die in vielen ähnlichen Werken nicht oder
'aum angedeutet sind. Eine eigene Darstellung erfahren
— Freunde, Schubert über sich selbst, Schubert und
oethe.
Das Schubertlied und seine Sänger mit 5 Bildbeigaben
vird dargeboten durch Karl Lafite, Verlag Ed. Strache,
WVien, Prag, Leipzig. Ein Fachmann spricht sich hier
ritisch aus über das künstlerische Ausdrucksvermögen Schu—
zerts in seinen Liedkompositionen, von denen etwa 150
ils Gemeingut des deutschen Volkes bezeichnet werden
önnen. Der Verfasser erörtert die Vor- und Nachspiele,
die musikalische Deklamation, seine Harmonie, die Wahl
der Texte und die Gestaltung des literarischen Inhalts.
Von außerordentlichem Interesse ist auch der musikhistorische
Abriß über die berühmsfen Schubert-Interpreten, als ersten
Johann Michael Vogl und Karl von Schönstein. Nach ihnen
1. a. Julius Stockhausen, Joseph Staudigl, Gustav Walter,
dohannes Messchaert, Paul Bender und nicht zu vergessen
dudwig Wüllner. Einen recht liebenswürdigen Eindruck
nacht auch das hübsch ausgestattete Franz Schubertbuch
rus den Denkmälern der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stif—
uung, Hamburg, Preis 0,60 RM., Leinen 1,50 RM. mit
tarker Verbilligung bei Massenbezug, wozu es sich sehr
ignet. Hier spiegelt sich das ganze Werden, Leben und
Schaffen Schuberts in sehr geschickt ausgewählten Eigen—
zerichten, Briefen und zeitgenössischen Aufzeichnungen
vieder, vom ersten Unterricht an bis zu neuzeitlichen Ur—
eilen über den Meister. Diese feine Quellensammlung ver—
zient neben jeder Schubertbiographie ihren Platz, Vereinen
ind Schulen wäre sie eine treffliche Grundlegung für
elbsttätige Beschäftigung mit Schubert. In Erläuterungen
ind die notwendigsten Anmerkungen beigefügt.
Und nun noch ein Buch, an dessen Ausgestaltung nach
Finband, Papier, Druck und Bildschmuck der Avalun-Verlag
nHelleran seine Liebe und sein Können gesetzt hat;
S„chubert und die Frauen von Herbert Eulenburg. Der
»ekannte rheinische Dichter, der seinen psychologischen Scharf—
zlick bereits in seinen Schattenbildern bewies, schildert
zier in einer Reihe spannender und überaus gemütvollen
Erzählungen das tragische Lieben Franz Schüberts. Auf
»em Hintergrunde klar geschauter und mit feinem Pinsel
temalter Zeitbilder gestaltet er die Typen der Frauen um
—„chubert, einer simplen Therese Grob, der schwärmenden
domtesse Karoline Esterhazzi, der lebensfrohen und doch
entimentalen Geschwister Fröhlich aus dem „Dreimäderl—
Jaus“, der unbekannten Deutschrussin, die dem verstorbenen
Meister ihre verspätete Huldigung darbringt. Und immer
larer hebt fsich aus disesem Milieun Schüberts eigenes
zescheidenes, ritterliches, liebeshungriges und doch still
uldend abseits stehendes Wesen héerdus, ein Meifterwerf
»svchologischer Gestaltungskunft.
Mögen auch diese Anregungen dazu dienen, das In—
eresse für einen unserer größten Meister und dazu einen
der besten Menschen, die je gelebt, wach zu halten und zu
»ertiefen. Die hier genannten Werke sind meisterliche Weg—
»ereiter zu einem reicheren Erfassen Schuberts und seiner
rntten Gunf,“ 8 Wan⸗“
            
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