Full text : 7.1929-1930 (0007)

Yr.

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nn Saar⸗Säuger⸗Bund

Seite 65

Am 2. April jährte sih zum zehnten Mal, der Todestag
Al des Musikdirektors Hermann Scholz, dessen Andenken
unserer sang- und mus: Ar adigen Stadt noch so lebendig
st, als wäre er gestern erst vvn uns genommen. Wer
kannte ihn nicht, den kleinen, dicken, inmmer in Schweiß
triefenden, schnell einhertrippelnden, nach allen Seiten
grüßenden Herrn? Wenn er bei irgend einer Festlichkeit
zder einem Konzert schon längst erwartet wurde, Veran—
stalter und Sänger schon betrübt dreinschauten und end—
lich — immer noch zur rechten Zeit — erschien, wenn er
dann den Dirigentenstab hob, seinen Sängern freundlich
zunickte, dann schwanden alle Bedenken, und der Erfolg
var stets auf seiner Seite. So riß er alle Sänger im
Sturm auch über die schwierigsten Stellen hinweg. Ein
eder Sangesbruder, der unter seiner Direktion gesungen
hat, wird mir darin recht geben müssen, daß Scholz in den
Proben stets die höchsten Anforderungen stellte, daß er
schon beim Einstudieren der Chöre jeden kleinsten Fehler

ch o13.
'o dankbarer und freundlicher konnte er sein, sobald alles
nach seinem Wunsche klappte. Deswegen fühlten sich alle
Zangesbrüder zu ihm hingezogen, und keinem fiel es ein,
sich beleidigt zu fühlen vder gar den Proben fern zu
zleiben. Ein jeder Sangesbruder war ihm lieb und wert,
alle waren sie seine Freunde, ob hoch oder niedrig, arm
»der reich.
So war er auch bei Wertungssingen und Gesangwett—
treiten geachtet und gefürchtet. Erschien Scholz mit seinen
Mannen zu irgend einem Wettkampf, so spornte es andere
VBereine an, auch an dem Wettstreit teilzunehmen, da eine
tarke Konkurrenz in dem von Scholz geleiteten Verein
zestand. Um so höher waren die etwa errungenen Preise
zu bewerten, weil scharse Konkurrenz zu schlagen war.
sticht nur in unserer engeren Saarheimat war er bekannt
ind geachtet, beliebt und gern gesehen, sondern auch weit
iber die Grenzen hinaus. Als Bundeschormeister des Saar-,
Rahe- und Mosel-Sänger-Bunde? leitete er große Massen—
höre. Hier erwies sich seine 5 Umsicht, sein tieses
Fönnen, aber auch seine Kunst der Menschenbehandlung.
Wie riß er uns alle mit! Sein letztes Bundesfest beging
der Bund im Juni 1914 in Saarbrüceen; auch hier dirigierte
Zcholz die Massenchöre.
Viele Musiker und Berufssänger verdanken Hermann
S„cholz ihre Ausbildung, denn Scholz war auch ein tüchtiger
slaviervirtuose und Musikpädagoge. Seine Gemahlin Frau
Scholz führt noch heute das von ihm gegründete Musik—
Konservatorium unter seinem Namen, nach seinen Grund—
sätzen, weiter. Die Konzerte, welche Frau Scholz des
zfteren mit ihren Schülern und Künstlern veranstaltet, ver—
dienen vor einem größeren Publikum aufgeführt und ge—
hört zu werden.
Noch leben ungezählte, die Scholz nahegestanden, sich an
seiner Kunst erbaut, die von ihm gelernt haben, oder die
unter ihm als Sänger von Erfolg zu Erfolg geführt wor—
den sind. Noch leben viele Anekdoten und Aussprüche
dieses gemütvollen, kernigen, wahrhaft volkstümlichen
Mannes, Müßten nicht seine Musikschüler und Sänger sie
durch Aufzeichnung und Mitteilung an die Presse, z. B.
an unsere Bundeszeitschrift, der Vergessenheit entreißen!
Kucz nach seinem Tode übernahm es der Vorstand des
„Sängerchors des Eisenbahn-Veréins Saarbrücken“ mit den
anderen Vereinen, die Scholz geleitet, Fühlung zu nehmen,
um eine Ehrung des Meisters etwa durch Aufstellung seiner
Büste herbeizuführen. Sicher tat die später einsetzende
Inflation auch hier ihr Zerstörungswerk. Aber aufgeschoben
ollte hier, wo es sich um einen Akt der Dankbarkeit handelt.
nicht aufgehoben sein.
Vielleicht geben diese Zeilen Anlaß, Versäumtes nach—
uholen, vielleicht beschließen auch die von ihm geleiteten
vesangvereine, an den Gau heränzutreten mit dem An—
trag auf Ehrung des verstorbenen Musikdirektor Hermann
Scholz. An seinem Todestag geloben wir, daß wir ihm
zie Treue halten wollen! Paul Voiagt.

Hermann Scholz.
richtig stellte. Auch nicht den kleinsten Klang- oder Takt—
fehler ließ er ungerügt. Ach, wir wissen es nur zu gut,
vie er im Gegenteil recht grob werden konnte, wenn es
hei Wiederholund troßdem nicht gelingen wollte Doch um

schubertLiteratur.
Wir haben im Laufe des Jahres verschiedentlich auf
Mwertvolle Schubertliteratur hingewiesen. Heute
seĩ besonders Bedeutsames zur Ergänzung nachgetragen.
Zuerst: Franz Schubert, eine neue zeitgemäße Auswahl
seiner Lieder in zwei Bänden (4 und 5 Mky), von Johannes
Messchaert, Verlaͤg B. Schott's Söhne, Mainz und Leipsgig.
der erste, vom Herausgeber mit Vortragszeichen versehene
Band bringt die Zykleu: Die schöne Müllerin, Winterreise,
Schwanengesang und 29 Sieder; der zweite Band — eben—
alls mit Vortragsbezeichnungen — bringt weitere 97
sorgfältig ausgewählte Lieder. Diese Auswahl der Schubert⸗
sieder war die letzte Arbeit Johannes Messchaerts. Er
hatte mit großer künstlerischer Begeisterung den Auftrag
zes Verlages uͤbernommen. Die Herausgabe verzögerte sich
iber durch die schwierigen Verhältnisse der Nachkriegszeit
und wurdeé dann mit besonderer Absicht bis zum Schubert—
vaß 1098 nrückgesterree Die sokte Ditrchsicht und Tertiag

tellung des Werkes wurde Frau Franziska Martienssen,
der bekannten Schülerin Messchaerts, anvertraut. Die
Auswahl der Lieder war eine Forderung der Zeit. Die
iberkommene mußte in vielem verändert werden. Die reiche,
10jährige Erfahrung eines Künstlers vom Range Mes—⸗
chaerts hat hier eine neue Aesthetik der Auslese geschaffen.
Nanche, nur von den Wenigsten gekannte Lieder aus den
Tiefen des Schubert'schen Schaffens — Schubert hat über
300 Lieder komponiert — wurden in das Licht dieser Aus—
vahl gebracht. Es muß daher selbst demjenigen, der die
Zchubertlieder in anderen Auswahl-Ausgaben, ja auch in
iner Gesamt-Ausgabe, besitzt, der Einblick wenigstens in
den zweiten Band dringend empfohlen werden, der die
igentliche Neu-Auswahl Messchaerts darstellt. Die genauen
Lortragsbezeichnungen sind das künstlerische Vermächtnis
ines der bedeutendsten Schubert-Interpreten und größten
Zzangesmeister aller Zeiten. Die für jeden Sänger und
S—nosffudierenden unersoßtichen Remorfungen find durch
            
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