Full text : 7.1929-1930 (0007)

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I Saar⸗Sãnger⸗Bund Ils

Seite 59

Im Mittelpunkt der Nachmittagsverhandlungen stand
ein Vortrag des Bundesschriftführers über „Die
Einbeziehung, der, Mädchen und Frauen in
die Bundesarbeit“. Auf einstimmigen Beschluß des
Bundestages ist er in der vorliegenden Nummer der
Bundeszeitschrift veröffentlicht. Einen feinen Rahmen er—
hielten die Ausführungen durch Vorträge des von Bundes—
hormeister Schrimpf gegründeten Kammerchors, der
den Bundestag mit Meisterwerken der Polyphonie ent—
zückte. Er trug vor: Heinrich, Fink (1536), Alte Volks—
peise: „Ach herziges Herz, mein Schmerz erkennen tu!“
heinrich Isaae (1450-5 1517): „Mein Freud allein
n aller Welt, — mein Trost zu allen Stunden —“. A.
o. Othegraven Golksweise des 15. Jahrh.): „Mein
Herz hat sich gesellet zu einem Blümlein zart.“ Hans
seo Hasler (156421612: „Herzlieb, zu dir allein
steht Tag Uund Nacht mein Sinn.“ Antonius Scecan—
dellus (15172580: „Ein Hennlein weiß mit ganzem
Fleiß sucht seine Speis bei einem Hahn.“ Otto Nicolai
(1810-549): „Hopp hopp hopp mein Kindchen, die Schwalbe
fliegt geschwinden.“
Bundesvorsitzender Bongard beschloß den Bundestag mit
einem eindringlichen Schlußwort: Wir sind am Ende
unserer Tagung. Dank allen, die dazu beigetragen, daß
auch dieser Bundestag organisatorisch und künstlerisch das
Niveau hielt, auf dem wir weiter arbeiten können. Neue

Aufgaben warten unser, der „Kammerchor“ hat es allen
»erdeutlicht, und gewiß werden wir Chormeister haben, die
s wagen, das Neue dieses Bundestages an ihrem Teil zu
»erwirklichen. Im übrigen wollen wir mit der Einbe—
iehung der Mädchen und Frauen — wie es der Referent
seute ganz richtig gezeichnet hat — der natürlichen Ent—
vicklung, nicht vorgreifen. Nun zum Schluß ein ganz
»ffenes Wort. Wir befinden uns in einer Krise! Ich dabe
die Dinge um Neunkirchen absichtlich soweit getrieben. Es
st dee Moment gekommen, wo wir äußerlich saturiert sind.
zetzt muß einmal die innere Krise kommen. Es sind im
ꝛaufe der Jahre Elemente in den Bund gekommen, die
zeder mitarbeiten können noch wollen, geleitet von klein—
ichen, egoistisch-persönlichen Absichten. Neunkirchen
ringtdie Entscheidung! Jetzt schälen sich die
-„chichten, die der Kunst und dem Volke wahrhaft dienen
dollen von den Schichten, die eigenen Vorteil, seichtes Ver—
znügen, Bier und Ball wünschen. Wir wachfen, wenn wir
iese so rasch als möglich abstoßen. Das deutsche Lied darf
ins keine Phrase sein. Es ist Erziehertat an uns,
in unserer Jugend, an unseren Mädchen und Frauen, an
unserm Volke. Entweder bejahe ich diesen Gedanken oder
ch verneine ihn. Zum ersten Mal zeigt sich in Neunkirchen
der Bund geschlossen! Herzliches Glück auf für
die Arbeüt im neuen Jahr! Auf Wieder—
sehen in Neunkirchen!
Walther Stein, Bundesschriftführer.

Gruß an die laarländische Süngerschaft.

Liebwerte Sangesbrüder!
Dem Wiener Lehrer-A-cappesla-Chor steht eine große
Freude bevor! Einer liebenswürdigen Einladung des ge—
schäftsführenden Vorstandes Eures Bundes folgend, kom—
men wir in den ersten Julitagen dieses
Jahres im Verlauf unserer 4. großen
donzertreise nach Deutschland, die uns
diesmal nach dem Westen unseres ge—
meinsamen geliebten deutschen Vater—
landes führt, auch nach dem schönen
Zaarlande.
Wesens- und schicksalsverwandt mit
unserem lieben Oesterreich ist Eure
schöne, arbeits- und sangesfrohe Hei—
nat! Losgelöst derzeit vom großen
deutschen Vaterlande, als dessen treue
Söhne ja auch wir Oesterreicher uns
stolz und freudig bekennen, harrt Ihr
gbeich uns der Stunde, die uns alle
wiedervereinigen soll: Ein Volk. ein
Reich!
Ausgehend von dem Gedanken, daß
zerade in der jetzigen Zeit ein Besuch
sener Gebiete, die vielfach noch be—
setzt sind oder wie Eure schöne Hei—
nat überhaupt abgetrennt ist, doppelt
rottut, um die dorbigen Stammes- und
Sangesbrüder in ihrem Glauben an
das gemeinsame deutsche Vaterland
und in ihrer aufrechten, unerschüt—
erlichen deutschen Gesinnung durch das
hehre deutsche Lied zu stärken, uns
gegenseitig zu stärken, haben wir
nit aufrichtiger Freude, nein, mehr
noch mit jubelnder Begeisterung be—
schlossen, gerade diesmal nur solche
Bebiete aufzusuchen, die sonst für ge—
wöhnlich weit abseits von der üblichen
reiten Heerstraße der Sängerfahrten
iegen, um so neben der rein künst—
lerischen auch einer bedeutsamen vaterländischen Aufgabe
gerecht zu werden.
Was uns aber neben der begreiflichen Vorfreude über
unseren Besuch Eurer Heimat heüte bereits zutiefst erfüllt,
ja geradezu begeistert, ist zunächst eine Hochachtung und
ufrichtige Bewuünderung, die wir vor dem modernen Geist
empfinden, der Euren ganzen Bund in so idealer, einzig⸗
artiger, sicher beispielloser Weise beseelt. Eine Bewunderung
⸗cu ij sy. die it Maißd —firrtt itt Sofseon mir os voerschmetnen?

Nein! Hinausrufen sollen und wollen wir es in alle deut—
chen Sängergaue, sich lieber an Eurem vorbildlichen Wir—
en, ein Beispiel zu nehmen, wie heute ein Sängerbund
zeführt, geleitet werden muß, soll er das erreichen und sein,
was heute mehr denn je die große, ja
alleinige Aufgabe eines Bundes fsein
muß: Lehrer, Erzieher, Berater und
geistiger Führer seiner Vereine zu
ein!
Freilich, wo sind auch gleich wieder
olche Männer zu finden, aus denen
ich der geschäftsführende Vorstand
Fures Musterbundes zusammensetzt!
Wir können Euch nur beglückwünschen
zu Eurem unvergleichlichen Führer
Bongard, der mit Selbstaufopfe—
ung und bewunderungswürdiger Hin—
zabe Tag und Nacht für alle fseine
Vereine und Gaue sorgt, der zwar
don allen seinen Mitarbeitern ein ge—
cadezu höchstes Maß von persönlicher
Indienststellung verlangt, dafür aber
auch selbst unermüdlich zum Wohle
uind zur ständigen Aufwärtsentwick—
ung seines Bundes tätig ist: ein
wahrer Vater seiner Sänger! Weiter
zu Eurem Otto Schrimpf, dem zwar
sungen (Gottseidank!), aber zielbewuß—
en und genialen Bundeschormeister,
»or dessen überraschendem Besuch kein
Bau, kein Verein je sicher ist; zu
Furem Walther Stein, dem glän—
‚enden Schriftleiter Eures einzigarti—
zjen Bundesorganes; zu Eurem für—
orglichen Schatzmeister Düren und
Eurem gar trefflichen Geschäftsführer
Rauchholz! Hut ab vor solchen
Männern, die alles Persönliche weit
hintan setzen und ganz und gar auf—
gehen im Dienste einer Sache, der
ie ihr ganzes Herz, ihren ganzen Geist, all ihre außer—
zewöhnlich reichen Fähigkeiten geweiht haben! Wo solche
Zräfte sich vereinigen und unentwegt am Werke sind, wo
olche Männer wirken, die den Geist der heutigen Zeit so
ief erfaßt und sich zu eigen gemacht haben, da kann es
richt fehlen, da muß es vorwärts und aufwärts gehen!
„An ihren Werken sollt ihr sie erkennen!“ All Eure
zundeseinrichtungen — und da nicht zuletzt Eure alljähr—
on Finsadiiroon u hin dore pminonte Nareine 8—

Theo Schönbauer,
Vorsikender des Wiener LehrerA-cappella-Chores.
            
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