Full text : 7.1929-1930 (0007)

ocacac Pcacoczer· Worod

Monatftsschrift
Ueber zZ00 Vereine mit über 3Z0 ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes
von Stadtschulrat Haus Bongard und Rektor Walther Stein, Saarbrücken.
druck uund Verlag der Buch- und Kunftöruckerei Gebr. Hofer A. G. Saarbrücken,
Döolklingen und Leinzig. Bezugspreis Er. 5.— viertelijährlich. Einzelnummer kKr. 2. —

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juni 1020

9. Jahrgang

Was ilt uns Veunkirchen?

M un ist der große Sängertag da, der Tag, an
dem sich zeigen soll, was der Saar—
Sänger-Bund künstlerisch und organisa—
torisch bedeutet. Eine riesige Arbeit hat
er verlangt; die schwerste war die Ueberwindung
der Hemmungen in den eigenen Reihen: die Lauen
and Gleichgültigen aufzurütteln, die Schwierigkeits—
schnüffler, Miesmacher und Verneiner zum Schweigen
und Mitgehen zu bringen. Wie überall im deutschen
Volke, so gibt es eine Handvoll dieser schmarotzenden,
unfruchtbaren und hemmenden Menschenspezies auch
im Saar-Sänger-Bunde. Aber die gesamte Oeffent—
lichkeit weiß und würdigt, was unser Bund in
zäher, zielsicherer Arbeit geworden ist,
vwas er bedeutet, was er an gesunder Spannkraft und
Leistungsfähigkeit in sich faßt; sie erkennt das an und
befruchtet und betreut seine Weiterentwicklung. Und
das ift uns mehr Genugtuung und Rechtfertigung,
mehr Aufschwung und Antrieb als unsere paar
Nörgler, Nichtskönner und Eigenbrötler uns Hemm—
schuh sind, dieser Ballast, der sich des Geschleppt—
werdens nicht schämt, der in merkwürdiger Geistes—
einstellung und Geschmacksverwirrung lieber Amboß
sein will als Hammer. —
Man wird sagen dürfen und müssen, daß dieses
Neunkircher Sängerfest ein persönliches
Besicht hat, daß es in vieler Hinsicht
nutig und bewußt neue Wege zu gehen
sucht. Es drängt die ganze große Veran—
staltung — Konzerte, Festzug, Kundgebung — in
einen einzigen Tag zusammen, und zwar
nicht aus wirtfchaftlichen Gründen in erster Linie,
sondern um zu zeigen, daß in der Gedrängtheit
und in der strengen Oekkonomie der auf—
gewandten Mittel die künstlerische und
organisatorische Durchschlagskraft und
Nachhaltigkeitliegt. Will angesichts des Fest— und
Vergnügungsrummels, der wie eine Seuche durch unser
Volk geht, jemand leugnen, daß diese wichtige Er—
kenntnis Grundlage und Richtschnur unserer Festgestal⸗
tung werden muß? — Unser Bundesfest räumt
auf mit Sängerkommers und Sängerban—
kett, die als geschmackloser Abklatsch in der Endlosig—
teit ihrer meist oberflächlichen, ja minderwertigen Dar—
bietungen bei Biergenuß und Tabakrauch gerade unserer
Aufgabe und Arbeit unwürdig sind. Auch in der
Ausgestaltung des Bundesbanners und

der Festwagen, in der Anordnung und
Durchführung des Festzuges sucht es in der
Vermeidung alles Inhaltslosen, Kitschigen, Karnevals—
näßigen Anreger und Wegweiser zu sein. Nur
Mangel an Denkvermögen oder Unwahr—
haftigkeit kann sich dem Trugschluß hin—
geben, das Streben nach guter Musikließe
fich verbinden mit Oberflächlichem und
QAualitätslosem auf anderen Gebieten.
Dieses Festssteht vor allem durchaus und
zicher auf dem Boden des Gemeinschafts—
gedankens und löst sich nicht auf in zahllose Einzel—
darbietungen einzelner Vereine. Ein Bundesfest —
das Wort schon verbietet es — kann und darf auch in
seinen Konzerten und in seinem Festzug nicht sein eine
iußere Addition von Vereinsleistungen; es muß
oielmehr seinem Wortinhalt gemäß die
innere Summe gemeinschaftlicher Arbeit,
Jemeinschaftlichen Wachsens ziehen, es
nuß jede Vereinsindividualität dem Gemeinschafts—
zedanken unbedingt und von innen heraus unter—
Irdnen. Das liegt nicht nur im Wesen des Bundes—
gedankens, sondern im tiefsten Grunde auch im Wesen
sedes Chorgesanges. —
Der Neunkircher Sängertag liefert sodann künstle—
risch den Beweis für unsere Ueberzeugung, daß
der Männerchor nicht ängstlich gehüteter
Selbstzweck ist und sein kann, daß uns
bielmehr die aktive Betätigung in ihm
und an ihm erziehen und reif machen soll
für alle guten musikalischen Aeußerun—
gen, vor allem für unsere große Kunst.
Aus diesem Grunde gehören in unser Neunkircher
Programm notwendig der begleitete und der drei—
stimmige Männerchor, das Madrigal wie der große
gemischte Chor und das Orchester. Und mag man zu
den einzelnen Werken je nach Neigung und Geschmack
mehr oder weniger sympathisch sich stellen, über die
künstlerische Grundqualität und Grund—
richtung des Gesamtprogramms wird es
eine Meinungsverschiedenheit geben. —
So ist Neunkirchen ein Versuchen und Ausschwingen
der Kräfte, eine Probe auf Arbeitsart und Arbeits—
eichtung, ein mutiges Bekenntnis, — aber es ist auch
eine Rechtfertigung vor uns selbst und der breitesten
Deffentlichkeit, Impuls und Ansporn, ein weiter und
reier Ausblick. Gewiß könnte künstlerisch und organi—
            
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