Full text : 7.1929-1930 (0007)

Zeite 22 1

Saar⸗Sänger⸗Bund

dull Nr.

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ch.

Alle⸗ nimmt einmal ein Ende, auch die Langeweile und
AMAEinsamkeit eines schönen Kindes, das seiner Schön—
heit froh werden möchte. Endlich kommt etwas, lang
erwartet oder unvorhergesehen, aber es kommt.
Und so sahen sie tags darauf, nachdem Schlimpimper—
leins Lebensdrang so ungeduldig geworden war, wie ein
Füllen, dem ein Zaum angelegt ist, und das nach allen
Seiten schlägt, eine lange Schlittenreihe die Ettersburger
Chaussee heraufkommen.
„Ja,“ sagte Ludschevadel, „was ist denn das!“ als die
Schlitten alle zum Feldweg, der zum Rödchen führte, ein—
lenkten. Sie rief im Eifer Schlimpimperlein herbei, die
aber der Sache außerordentlich kühl entgegensah.
„Ein paar unten aus Weimar,“ meinte sie gleichgültig.
„Du bist eine Feine,“ sagte Anne Ludschevadel lachend.
„Du läßt dir freilich nicht in die Karten sehen. Na! ver—
ttell dich nur nicht!“ Ludschevadel packte sie an den Schul—
ern und zog sie im Kreise herum.
„Geh, laß mich, was ist denn da weiter!“
Ludschevadel aber freute sich ganz offen und ehrlich
zjür sie. „Aber was haben wir ihnen vorzusetzen, das
nöchte ich wissen! Wer denkt denn an so viele Gäste auf
»inmal!“ rief sie.
Da ging aber schon die Tür auf und Heinrich Strobel
sprang herein und hatte eine rote spitze Kappe auf. „Sie
bringen alles mit, ihr Mädchen, seid ohne Sorgen.“
„vesso befser!“ rief Ludschevadel, „aber wie siehst du
denn aus?“
„Masken,“ sagte Schlimpimperlein träumerisch.
Und da kam es auch schon ins Zimmer gequollen. Draußen
jörte man die Schlittenpferde mit ihren Glocken läuten.
Die Försterin kam aus der Küche gestürzt.
„Ja, du meine Güte! Die ganze Redoute aus deni
Stadthaus kommt ja da aus den Schlitten!“
Sie standen ganz betreten über den tollen Menschen-—
schwarm, der mit einemal in ihre winterliche Einsamkeit
übergeflossen kam.
Aus Tüchern und Pelzen sprangen die sonderbarsten
Figuren: Harlekine und Ritterfrauen, weiße Bäcker und
Mönche, Teufel und Bäuerinnen. Manche trugen Masken
und manche schauten aus ihren Kapuzen mit den rotge—
frorenen Gesichtern unternehmend in die Welt hinaus.
Aber ob Masken oder keine, die Förstersleute hatten
noch lange nicht ihre fünf Sinne beieinander, um irgend
jsemand erkennen zu können. Draußen warf es jetzt mit
Schneeballen an die Fenster und die Schlittenglöckchen
läuteten so hell und lustig in die Schnee-Einsamkeit hinaus.
Und jetzt klang gar vor der Türe eine Fiedel.
Sie hätte nicht verwunderter sein können.
Schlimpimperlein war ganz verstummt und schaute nur
träumerisch in das Gewimmel hinein

Die Förstersmagd war sogleich gesprungen und hatte
m sogenannten Saal, in dem bei sommerlichem Regen—
vetter schon gar manches Tänzchen abgehalten war, ein
gehöriges Feuer angezündet.
Inzwischen steckten sie alle miteinander noch in der
hreiten Wohnstube.
Große Körbe wurden jetzt hereingeschleppt, und eine kleine
Frau kommandierte.
„Das ist ja die Rätin Tiburtsius,“ sagte die Försterin
zu Ludschevadel.
Die Frau Rätin war aber als Königin der Nacht aus
hrem Pelz gekrochen, steckte in einem engen schwarzen
Kleid, das mit goldenen Papiersternen besät war, band
ich in aller Eile, um vollständig zu sein, einen großen
Ztern, den sie im Strickbeutel gehabt hatte, auf dem Kopf
est und fing an in den Körben zu wirtschaften, wobei
hr die vortreffliche Magd Kathrine, die sie mitgebracht
satte, half.
Das ganze war also die sogenannte Lawine der Frau
Rätin Tiburtsius, die sich im Schlitten zum Rödchen heraus—
gewälzt hatte.
Bald durchzog das ganze Haus ein gewürziger Kaffee—
duft. Tiburtsiussens Kathrine und die Försterin brauten
hn miteinander. Das Feuer im Saale brannte in voller
fkile und mit Geprassel, daß das eiserne Oefchen pustete,
tkauchte und glühte und die schwarzen Rohre, die durch
den halben Saal liefen, knisterten und vor Hitze dröhnten.
Wie im Handumdrehen war es warm, wenn auch in
den Ecken und an den Fenstern sich noch ein eisiges
rüftchen aufhielt, das wurde bald von den lustigen Masken
»erscheucht, die jetzt in den Saal einströmten und Tische
ind Bänke rückten und lachten und lärmten. Ludschevadel
ind die Försterin brachten die Tassen und die kleine, dicke
Tirburtsius kramte in Kuchen, und er, Tiburtsius, der als
Maske seinen langen weißen Flauschrock trug, auf dem
hm sein kleines Weib einen großen goldenen Stern auf
»en Rücken genäht hatte, mußte die Berge von Kuchen,
zie die Königin der Nacht auf Schüsseln lüd, auf die ver—
chiedenen Tische verteilen. Er trug eine weiße Zipfel—
nütze auf dem Kopf, die als Troddel einen Stern hatte, und
o war der Herr Rat ein billig hergestellter Abend- oder
Morgenstern.
Und bald saßen sie alle und schwatzten und wärmten sich
und tauchten ihren Kuchen in den Kaffee.
Die Försters saßen auch alle mit am Tisch.
„Teufel auch,“ rief der Apotheker, „wenn das nicht ge—
nütlich ist!“ Und er stieß mit seiner Kaffeetasse links und
rechts an und dienerte dabei.
Helene VBöhlau.
Erzählungen aus Altweimar.
Hermann Bühßlaus Nachf., Weimar

KünstlerAdressen.

AMlexander Schneider
l. Konzertmeister am Stadttheéater

Saarbrücken 1 Hohenzollernstrabe 132 part.

Fritz Schwartz, Bab
Lieder, Oratorien
Homburg-Shwarzenbach
Schüäter von sloh Willv, Fronkfurt am Main.

500

Stadtisches Streichquartett

Alexander Schneider, 1. Violine
Darius Strauß, 2. Violine
Robert Querner, Bratsche
Mischa Rakier. Cello
Hohenzollernstrabe 132 part.

Saarbrüchen1

Frieda Raufmann-Lorigꝗ
Konzerisäanderin (Alt). Gesandspädadodin

Sagrhbrüchen 3

—5

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Telànhon 2424
            
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