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Snar⸗Sanuger-Bund UIIhn.
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unittihrenussettthhthhtiz Nr. 9
Frieders
G
eige.
E ls gens Krankheit war gnädig vorübergegangen. Sie war
Dwieder außer, Bett, hatte aber noch Hausarrest und viel
dangeweile. So freute sie sich über den heutigen Vicht—
meßfeiertag, an dem die Geschwister schulfrei waren. Am
Nachmittag machte sie sich an Frieder heran, der geigend
in der Küche stand, und bat schmeichelnd, daß er nun
endlich aufhöre und mit, ihr spiele. Er nickte nur und
spielte weiter. Sie wartete geduldig. Endlich mahnte ihn
Walburg: „Frieder, hör' auf, du hast schon zu lang ge—
spielt. Der Vater wird zanken.“ Da gab er endlich nach
und Elschen folgte ihm fröhlich in das Musikzimmer, wo
die Geige ihren Platz hatte. Als Frieder aber sah, daß der
Vater gar nicht zu Hause war, nahm er sie schnell wieder
zur Hand und spielte. „Du Böser!“ rief die kleine Schwester,
und. Tränen der Enttäuschung traten ihr in die Augen:
Nach einer Weile ertönte draußen die Klingel. Der Vater
kommt!“ rief Else gespannt und sah nach der Türe. Aber
noch ehe diese aufging, war Frieder mit seiner Geige durch
die andere Türe hinausgegangen, er flüchtete sich in das
Bubenzimmer, spielte und spielte.
Endlich holte, sich die kleine Schwester den Bruder zur
Hilfe. „Frieder“ mahnte Karl, „ich rate dir, daß du
augenblicklich aufhörst, du hast gewiß schon drei Stunden
gespielt!“ Da mächte der leidenschaftliche Geiger ein
finsteres Gesicht, wie es noch niemand an dem gufen Kerl
gesehen hatte, und sagte trutzig zu Karl: „Ich kann jetzt
nicht aufhören, ich spiele, bis ich fertig bin.“
In diesem Augenblick kam Frau Pfäffling herein, da
türzte Elschen weinend auf sie zu und rief: „Alle sagen
ihm, er soll aufhören, und er tut's doch nicht, vielleicht
hört er gar nie mehr auf, sieh' ihn nur an.“
Durch diesen verzweifelten Ausruf der Kleinen und
dielleicht noch mehr durch den Anblick der Mutter kam
Frieder zu sich, ließ die Geige sinken, legte den Bogen
aus der Hand und senkte schuldbewußt den Kopf.
„Hast du gewußt, daß es über die Zeit ist und hast
dennoch weitergespielt?“ fragte Frau Pfäffling. „Das hätte
ich nicht von dir gedacht, Frieder, wenn du über deiner
Beige allen Gehorsam vergißt, dann ist's wohl besser, das
Beigenspiel hört ganz auf. Bleib hier, ich will hören,
was der Vater meint.“
Frau Pfäffling ging hinaus, Frieder blieb wie ange—
wurzelt stehen. Die Geschwister sammelten sich allmählich
im ihn, sie berieten, was geschehen würde, drangen in
ihn, er solle gleich um Verzeihung bitten, und als nun
die Eltern miteinander kamen, war eine schwüle Stim—
mung im Zimmer. Frieder wagte kaum aufzusehen, aber
rotzig schien er nicht, denn er sagte deutlich: „Es ist mir leid.“
„Das muß dir freilich leid sein, Frieder!“ sagte der
Vater. „Wenn du bloß im Eifer vergessen hättest, daß
du über die Zeit spielst, dann könnte ich dir das leicht
verzeihen, aber wenn du erinnert wirst, daß du aufhören
sollest und magst nicht folgen, wenn du mit aller Absicht
tust, was ich dir schon oft streng verboten habe, dann ist's
aus mit dem Geigenspiel. Was meinst du, wenn ihr Kinder
alle nicht folgen wolltet, wenn jeder täte, was ihm gut
dünkt? Das wäre gerade, wie wenn bei dem Srchester
keiner auf den Dirigenten sähe, sondern jeder spielte,
wann und was er wollte. Nein, Frieder, meine Kinder
müssen folgen, mit deinem Geigenspiel ist's vorbei, ich
will nicht sagen für immer. aber für Jahr und Tag.,
GBib sie her!“
Frieder, der die Geige leicht in der Hand gehalten hatte,
drückte sie nun plötzlich an sich, verschränkte beide Ärme
darüber und wich einen Schritt vom Vater zurück. Sie
varen alle über den Widerstand so bestürzt, daß es fast
einstimmig über alle Lippen kam: „Aber Frieder“.
Herr Pfäffling sah mit maßlosem Erstaunen den Kleinen
an, der immer der gutmütigste von allen gewesen war
und der jetzt tat, was noch keines gewagt hatte, sich ihm
vidersetzte. Einen Augenblick besann er sich, und dann,
ohne nur dem Zurückweichenden nachzugeben, streckte er
rasch seine langen Arme aäus, hob den kleinen Burschen
samt seiner Geige hoch in die Luft und rief, indem“ er
ihn so schwebend in der Luft hielt: „Mit Gewalt kommst
du gegen mich nicht auf, merkst du das?“ und ernst fügte
»r hinau als o“ ihn wiodoe ue den Foktes Mirn
Jib du mir gutwillig deine Geige, Frieder!“ Aber, die
Arme des Kindes lösten sich nicht. Von allen Seiten, laut,
eise, wurde ihm von den Geschwistern zugeredet: „Gib
ie her!“ und als Frau Pfäffling sah, wie er das In—
trument leidenschaftlich an sich preßte, fragte sie schmerz—
ich: „Frieder, ist dir deine Geige lieber als Vater und
Mutter?“ Der Kleine beharrte in seiner Stellung.
„So behalte du deine Geige!“ rief nun lebhafst der
Vater. „Hier hast du auch den Bogen dazu, du kannst
pielen, so lange du magst, aber unser Kind bist du erst
vieder, wenn du sie uns gibst“, und indem er die Türe
um Vorplatz weit aufmachte, rief er laut und drohend:
„Geh hinaus, du fremdes Kind!“ Da verließ Frieder das
Zzimmer.
Draußen stand er regungslos in einer Ecke des Vor—
oAatzes, innen schluchzten die Schwestern, ergriffen waren
alle von dem Vorfall. Herr Pfäffling ging erregt hin
und her und dann hinaus in den Vorplatz, wo er Wal—
zurg mit so lauter Stimme, daß es bis ins Zimmer drang,
zurief: „Das Kind da soll gehalten werden wie ein armes
Bettelkind. Es darf hier außen im Vorplatz bleiben, es
ann da auch essen und man kann ihm nachis ein Kissen
zinlegen zum, Schlafen. Geben Sie ihm den Küchenschemel,
daß es sich setzen kann. Es dauert mich, weil es keinen
Later und Mutter mehr hat.“ Hierauf ging er hinüber
in sein Zimmer. Frau Pfäffling zog Elschen an sich,
die sich nicht zu fassen vermochte. „Sei jetzt still, Kind“,
agte sie, „Frieder wird bald einsehen, daß er folgen muß.
Wir lassen ihn jetzt ganz allein, daß er sich besinnen kann.
Er wird dem Vater die Geige bringen, dann ist alles
vieder gut.“
Als die Zeit des Nachtessens kam, deckten die Schwestern
ruch für Frieder. Sie rechneten alle, daß er kommen
vürde. Herr Pfäffling, der zum Essen gerufen war, ging
zögernd, langsam an Frieder vorbei, der als ein jammer
»olles Häufchen auf dem Schemel saß und die Gelegen—
eit, die ihm der Vater geben wollte, vorübergehen ließ.
Er, kam nicht zu Tisch. „Tragt ihm zu essen hinaus, so—
ziel exr sonst bekommt“, sagte Herr Pfäffling, „der Hunger
oll ihn nicht zu uns treiben, die Liebe soll es tun und
das Gewissen.“
So aß der Kleine außen im Vorplatz, und so oft die
zimmertüre aufging, kamen ihm die Tränen, denn er
ah die Seinen um die Lampe am Tisch sitzen und sein
Platz war leer. Aber er hatte ja seine Geige, nach dem
Essen wollte er spielen, immerzu spielen.
„Im Zimmer horchten sie plötzlich auf. „Er spielt!“
rüsterte eines der Kinder. Von draußen erklang ein leiser
ßSeigenton. Sie lauschten alle. Drei Striche — dann ver—
tummte die Musik. Die drei Töne hatten Frieder weh—
zetan, er wußte nicht warum. Der kleine Geiger hatte
rüher noch nie mit traurigem Herzen nach feiner Geige
gegriffen, darum hatte er keine Ahnung, wie schmerzlich
»ie Musik das Menschenherz bewegen kann.
Nach einer Weile begann er noch einmal zu spielen,
iber wieder brach er mitten darin ab. Denen, die ihm
uhörten‚ ging es nahe, vor allem den Schwestern.
„Die Marianne, möchte hinaus zu Frieder“, sagte die
MNutter. Herr Pfäffling verwehrte es nicht. Sieé fanden
hn auf dem Schemel kauernd, wie er die Geige auf
einen Knien liegend mit, schmerzlichem Blick ansah. Sie
etzten sich zu ihm und flüsterten mit ihm. Eine Weile
päter, als Herr Pfäffling in seinem Musikzimmer war,
am ein sonderbarer Zug zu ihm herein:“ voran kam
Frieder und trug mit besden Händen etwas, das einge⸗
üllt war in Mariannes großen schwarzgrauen Schal. Es
var fast wie ein kleiner Sarg anzufehen; ernst genug
ah auch der kleine Träger aus, die Schwestern fölgten
als Trauergeleite.
„Da drinnen ist die Geige“, sagte Frieder zu seinem
bater, der fragend auf die merkwürdige Umhüllung sah.
da nahm ihm Herr Pfäffling rasch den Pack ab, legte
Iyn beiseite, ergriff seinen kleinen Jungen, zog ihn an
ich und sagte in warmem Ton: Nun ist“ alles gut,
Frieder, und du bist wieder unser Kind!“ Frieder weinde
n das Vaters Armen seinen Schmerz aus Später erst
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