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und in der polyphonen Musik ist es noch einfacher; da ist Nuance, nicht aber eine äußerliche Steigerung, die nun vom
überhaupt alles nur Melodie, bald in längeren, bald in musikalisch wenig Kultivierten in ungeschickter Vergröberung an—
kürzeren Strecken, dazu alles gheich wichtig, Themen wie zebracht wird. Nun ist aber in Wirklichkeit eine so wohl—
Kontrapunkte, wenn auch jedes für sich phrafiert. Aber ich zeformte Melodie wie diese vorzutragen, nicht schwer. Man
zlaube, es liegt nicht so sehr daran, daß die Dirigenten das braucht da nämlich nichts zu Fmachen“, sie trägt sich, wie
aälles nicht wissen, als daran, daß sie ängstlich der Tradition alle echte Musik, quasi von selbst vor. Und nun machen Sie
nachlaufen; und diese „schreibt vor“, daß män „dramatisch“ den Versuch am Chor; sagen, Sie zu den Sängern: wir
singen müsse, daß man „mit Vortrag“ singen müsse; als ob vollen jetzt an der Stelle „Hell schon erglühn“ nur ein einziges
damit etwas gesagt sei, — als ob man deswegen Melodien Mal versuchen, in demselben Sinne und selben Ausdruck weiter
zertrampeln müsse! zusingen wie im ersten Teil — singen Sie mal ganz natürlich,
Es fehlt aber oft auch noch an der Erfüllung äußerlicher ünfach musikalisch, ohne was Besonderes zu machen“. Die
echnischer Bedingungen: Zänger werden dann, selbst wenn Sie das beim Dirigieren unter
Im Gesange wird man, bevor man dynamische Nuancen »rücken wollten, ganz von selbst den Stellen „die Sterne,
andringt, visweilen guttun, die Sänger zuerft an eine feine und „aus weiter Zerne“ usw, einen erhöhten, unwillkürlich
saubere Konserbierunge ner Tonftärte zu gewöhnen. Hat ian värmeren Ausdruck geben And das ist genug. Und daß Sie das
biee so rann an mit leichtesier Maͤhe Sleigerungen darauf Lfunden haben, wär Ihr, und, Ihrer Sänger wusikalischen
nbringen Das Schwierige dabei ist das Herstellen Liner guaft dJustintt, gewegt duvch die dare see,r, Mufitk innewohnende Hraft
erade Tonftaͤrkelime Sie entfleht — auf Grund unferer ind, Wärme, Die Kraft der Musik und Ihr musikalischer Instinkt
Jokalisationgzübhungen, denen wir uns so Lingehend gewidmet st, überhaupt das einzige worauf Sie sich verlassen mügsen und
saben Diese Sinse neunt man— jebt komme das“ vielum, das für Sie maßgebend aist,„Alles andere sind Matzchen
ittene dd hier unentbehrliche Wort die Intonation Gute ührt zur Tradition, zur Konvention. Gin Dirigent sollte sich
Intonation ift eins der höchsten Ziele im Gefang, schlechte iberhaupt niemals danach umsehen, wie ein Stück von diesem
Intonation ist das Kennzeichen der“ Natursingeren der jenem vorgetragen wird; er verfällt dann leicht ins
Und was die Aenderungen des Zeitmaßes betrifft, also das Pachahmen und gaibt damit das Beste was er hat gus der
Vorwärtsdrängen oder eee so muß man wisfen daß —
—— — — ——— — * das einzige also, wovon eine Wirkung ausgehen
na er einmal eingeschlagenen Gangart richten werden und —
dieselbe nicht zu plößlich und zu weit verlassen. Bei einem Man ehe sich asweheh der Tempoveränderungen noch
Felegeaitlichen Vorwuͤrtsdrängen in einem langsamen Satze wird üdere Lieder an, ne ist der Tag des Herrn“. wo an der
man Maß halten müssen, weil sonst die Wirkung gerade verloren⸗ Stelle „Der Himmel nah und fern“ auch von vielen Leuten
ehen“ konntegler Negen wirtlich das Erhaͤbene und das ein Militärmarsch gernacht wird, ‚und das Lied Im Krug zum
Zächerliche dicht beieinander. Ich erinnere nur an ein paar gruüuen Kranze“ wo an, der Stelle „Hei, wie die Vecher klangen
Ablaͤufsge, in zahlreichen Thören eingebürgerte, konventionelle die Sänger gewöhnlich in ein Toben ausbrechen.
Verstöße in dieser Hinsicht. Bei dem Liede „Heil'ge Nacht, Zu den sogenannten agogischen Nuancen. Ein Beispiel
run gieße du“, mit der bekannten Musik nach Beethoben, wird In dem letztgenannten Liede lieben es die Sänger, an der
der Anfang manchmal noch ganz vernünftig und würdevoll Stelle „da saß ein Wandrer drinnen“ (beim zweiten, Male)
zesungen. Aber es ist so, als ob ein gewöhnlicher Michel diese die zweite Note auf der Silbe „drin“ in solchem Maße zu dehnen
Stimmung gar nicht aushalten könne und als müsse er Gbei den daß Takt und Rhythmus ganz entstellt werden — eine Karikatur
Worten Hell schon erglüh'n die Sterne“) in den ordinären der agogischen Nuance. Man beachte sehr: bevor, man eine—
Tonfall des Militärmarsches verfallen, der ihm nun einmal dlche anbringt, wird man bisweilen gut tun, die Sänger zuerst
in den Knochen steckt. an eine feine saubere Konservierung einer Bewegung in Tempo
Um jedem Einwand, selbst dem allertörichtsten, zuvorzukommen: und Takt mit einfachen, natürlichen Betonungen zu gewöhnen
der Texrt gidt hier keinen Anlaß, in das Mitlifärmarschmäßige Dadurch wird etwas sonst Verdecktes sichtbar, nämlich der
u verfallen und guͤbe der Texe wirklich Anlaß, so erlaübt dech Rhythmus. Auch diesen kann man eine Linie nennen, vielleicht
die Meld die nicht eine solche Karikatur von Vortrag, wie ich ꝛine fein geschwungene Wellenlinie, die man nicht zerknicken und
ie eben schilderte Um dies zu sehen, nehmen Sie doch einmaf verbiegen soll.
das Original zur Hand, Beethovens Sonate opus 57, lang— Hierher gehören noch die rhythmischen Verzerrungen, die
amer Sätz, Thema. Wenn Sie dasselbe einigemal durchgespielt, durch übertriebene oder falsch verstandene Phrasierunzg
in Gedanken durchgehört und durchgesungen haben, werden Sie entstehen. Wir denken an das Lied „Das Lieben bringt groß'
bemerken, daß an der Stelle, die dem „Hell schon erglüh'n“ Freud'“. Da hat offenbar einmal jemand die Stelle „Leb
entspricht, der Ausdruck sich hebt, weil die Musik einem Höhe- wohl, mein Schätz, leb wohl“ phrasieren wollen und hat gesagt
punkt entgegengeht. Das gibt im Vortrag höchstens eine feine „Leb wohl, mein Schatz“ ist eine Phrase, und es entstehf
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