Deutsches Lolkstum in der Welt.
— —— —rouussuhhhttthht Nr. 1
Avenida Paulista.
S. Paulo, Brasilien).
sornblumenblau vom tiefgesenkten Himmel
des Dämmers weiche Schatten niederziehn,
Die Straßen werden still und abenddunkel,
Aus allen Gärten duftet der Jasmin.
schwesterliche, brüderliche „Du“ im Blute lauter gefühlt
als das sordernde, verteidigende „Ich“. Einige Wenige
durch den Anruf tiefen Erlebens wach geworden, stehen
enge zusammen, reichen auch wohl ihre sehnsüchtig ver—
langenden Hände ins Leere und wollen die Bluteskette
bilden. Aber welche Flammenfanale von Bedrängnis und
Gefahr müssen denn erst auf unseren Bergen entzünden
werden, damit alle unseres Volkes im Schein großer Stunde
das Gesicht des Bruders, der Schwester erkennen? Denn
so ist es doch und so war es seit je: erst die letzte, ver—
nichtunggrohende Umringung weckte das schwerfällige
deutsche Gefühl, daß es Auftrieb fand zur Loslösung aus
Gewohntem und Anerzogenem. Erst im Kampfe erkennt
der Deutsche sich selbst und entriegelt schlafende Kräfte
und Gemütsgewalten. Erst wenn es um Sein oder Nicht
sein geht, wächst dies Volk über sich hinaus in reinste
gottnahe Deutschheit hinein!
Soll dies Enträtselung sein der stolzen Reife deutschen
Wesens im Grenzland und im ringenden Auslandsdeutsch—
tum? Wie ein Baum im Dickicht des Waldes, den Schutz
der Gemeinschaft genießend, auf die Schirmwehr seines
niedern Astgebreites verzichtet, und nur seiner Sonnen—
und Himmelssehnsucht folgend, in die Höhe wächst, indes
die vereinzelt auf stuürmgepeitschter Höhe stehende Eiche sick
ausspannt nach allen Seiten, trotzig nicht nur und wehrend,
nein, auch ungehemmt dem Entfaltuüngsdrang ihrer innersten
Besetze folgend, — wie aber auch dieser einzelne ragende
Baum ganz anders Blick und Wertung auf sich zieht als
der Stamm unter vielen im Walde: so kämpft einsames
Brenz⸗- und Auslandsdeutschtum und wächst in der Ab
vehr und treibt und knospet und blüht kraftvoller, be
vußter in Deutschheit auf seinem wetterumdrohten Eiland.
Das „Werde der du bist!“, das unserem Volke auf
seiner Leidwanderung als hallender Mahnruf zugerufen
vpird — den Deutschen draußen pulst es ihr Blut in
sampfaufwallung zu, wenn die fremde Seele sich lockend
oder mit Hochmut und Hohn oder Zwang an ihr Eigenstes
drängt. Im Bilde der fremden Kultur, in die man sie
zineinschmelzen will, erkennen sie erst ganz ihre Gegensätz—
ichkeit, ihr Anderssein; umlärmt von fremder Zungen
Laut horchen sie sehnend und selig nach der deutschen
Muttersprache. Wie innig klingt ein Gedicht von Mörike
oon Hölderlin in volksfernem Lande! — Und wenn ihre
sinder nun in den Schulen der Bedrücker feindliche Sprache
stammeln, wie inbrünstig singen sie dann zu Hause da—
deutsche Lied!
Deutschland wird ihnen das Land der Sehnsucht, das
ihre Liebe verklärt, ach wie sehr oft verklärt!, und ihren
so großmütigen Dank für das, was deutsche Kultur ihnen
gab aus Jahrtausenden reicher Geschichte, diesen Ehrfurchts—
zoll, Hingabe und Treue schenken sie uns, dem deutschen
Volke. „Die da draußen“, die wir vor dem Kriege allzu
oft als verlorene Söhne und Töchter Deutschlands abtaten
sie aus unserer Gemeinschaft bannten, indem wir uns nicht
um sie kümmerten, weil wir nach Staatszugehörigkeit, aber
nicht nach Volkszugehörigkeit fragten, weil sie uns nach
Aufgabe ihrer deutschen Staatsbürgerschaft als abgewan—
dert galten, sie sind oft genug bewußtere echtere Deutsche
als Millionen hier in der Heimat, die doch an den Quellen
des Volkstums leben. Heute sind jene Getreuen im Grenz—
land und Auslandsdeutschtum berufen, durch ihr Vorbild,
ihren Glauben, ihren Selbstbehauptungswillen und ihren
Opfergeist, aber auch durch Warn- und Mahnwort, uns
zu erziehen, zu erschüttern, mitzureißen!, damit wir, die
wir so voller Ueherhebung bisher deklamiert haben: „An
deutschem Wesen soll die Welt genesen“, erst einmal selbst
vieder zu deutscher Art gesunden. Maria Nahle.
Maria Kahle — als ich mich an die bekannte Dichterir
am einen Beitrag für unsere Bundeszeitschrift wandte, er—
zielt ich die Antwort: „Mit besonderer Freude schicke ich der
Zeitschrift des Saarsängerbundes Beiträge, denn ich habe
nehrfach in meinen Vorträgen auf den vorbildlichen Zu
sammenschluß der 300 Vereine zu gemeinschaftlicher Kultur
arbeit hingewiesen. Bewundernswert erschien es mir stets
vie gerade im Saargebiet Deutsche albler Schichten
n Kulturwillen und Gemeinschaftsgeist zu—
ammenwirken und in einem engen Volksbewußlsein, das
dier find des Reichtums Häuser und Paläste
In bunte Blumenträume eingeschmiegt,
ünd über einer Flur von Lilienkelchen
Die Königspalme ihre Krone wiegt.
Von hohen Mauern, grünverrankten Hecken
Das Scharlachgold der Blütentrauben fvammt,
Und lilaglühend wehen Bbumensträuße
Und schwellen aus des Laubes düsterm Samt.
Der Abend schattet sich in jede Gasse.
Schon steigt im Blau des bleichen Mondes Lauf,
Und plötzlich blinken bis in fernste Nebel
Der Großstadt hellbe Lichterketten auf.
Blühweiße Kleider schimmern an Balkonen,
Und Lachen silbern durch den Stimmenklang,
Und rasch wie eine hingeworfene Rose
Zchwirrt zur Gitarre kecker Liebessang.
Da flutet es in vollen Tönewellen
Aus nahen Fenstern rauschend durch die Nacht,
Beethoven.. .! Wie gewaltig überwuchtet
Ist da die Schönheit weicher Tropenpracht!
Gleich stummen Betern starren die Cypressen;
Das Brausen wächst und spannt die Himmel weit,
Und tausend Sterne treten aus dem Dunkel
Und Ewigkeit begrüßt die Ewigkeit.
Maria Kahle.
„Deutsches Volkstum in der Welt.“
Das Wort „Deutschtum“ ist bei uns noch nicht der
joldene Ring geworden, der alle Volksgenossen eng
ineinonderschließf, umschließt. Das Wort „Deutschtum“
ist noch nicht allen der Gewissensaufruf zu Verantwor—
Maria Kable.
ungsbewußtsein gegenüber dem, was göttlich unsere Art
bestimmt. Wir haben bei aller Not, die uns, das schicksal—
Jgepeinigte Volk der Mitte, umdrängt, noch nicht das