Full text : 7.1929-1930 (0007)

— 7 r 9
J n 8 * m — —9 0—60
—
Monafusschrift
llever 300 Bereine mit über Zo ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes
von Stadtschulrat Hanus Bongard und Rektor Walther Stein, Saarbrücken. B
druch und Verlag der Buch⸗ und Kunstoruckerei Bebr. Hofer NA.S. Saarbrücken.
Dölkliugen und Leinzig. Bezugsnreis Er. 5.— vierteliährlich. Einzelnummer Ar. 2.—
9. Jahrgang

Der Deutsche Sängerbund im Dienste des Auslanddeutschlums.

Hie Frage des Auslanddeutschtums hat seit Kriegsende
Neine bisher nicht gekannte Entwickluͤng genommeñ. Der
inglückliche Ausgang des Krieges, die Krisen der Nach—
riegszeit, schließlich auch der aufgezwungene Versailler
Vertrag haben das Band zwischen den in veutschland und
den im Ausland lebenden Stammesbrüdern enger ge
nüpft. Der Gedankenaustausch, die Beziehungen jeder Art
ind intensiver geworden, als das vor dem Kriege der Fall
var. Es schien so, als erinnere man sich erst in der Not
vieder der gemeinsamen Abstammung, des allumfassenden
Stammesbewußtseins. Verbindung mit der bedrängten
deimat!, so erscholl es im Ausland, tausende Kilometer
entfernt vom heimatlichen Lande; unsere Brüder in der
Ferne sollen wissen, daß wir mit ihnen denken und fühlen
o beschloß man in der Heimat sicherem Port. Den Deut⸗
chen im Auslande fiel die undankbare, aber hohe Aufgabe
zu, dem, durch systematische Hetze fast auf der ganzen
Welt geächteten Namen wieder Achtung zu verschaffen.
Das ist glänzend gelungen. Unser Ansehen im Auslande
ist dank der Mitarbeit aller beteiligten Kreise mächtig
gestiegen.
Zwei Faktoren — in erhöhtent Maße zur Erhaltung
des Deutschtums im Ausland bei: Turn- und Gesangvereine.
Von letzteren soll hier die Rede sein. Das deutsche Lied
bildet im Ausland das Symbol der Heimat, spiegelt sich
doch besonders im Volkslied die Erinnerung an die fernen
deutschen Lande wider. Unsere typischen Heimatlieder, in
denen das Dorf, der Wald, die Mühle besungen werden,
nüssen im Ausland die Erinnerung wachhalten an die
Tage der Vergangenheit. Es wäre eine Arbeit für sich
die großen Interesses nicht entbehren würde, den psycho
sogischen Einfluß des Liedes auf den Auslanddeutfchen
zu untersuchen. Die Ergehnisse würden bestimmt das Lied
ils einen wichtigen Stützpunkt in der Erhaltung des
Deutschtums darstellen. In diesem Zusammenhange ist ledig—
ich die Frage zu erörtern: Was ist bisher in der Pflege
bzl. zur Erfassung der auslanddeutschen Gesangvereine
geschehen?
Der berufene Bearbeiter der auslanddeutschen Gesang—
pereine ist der Deutsche Sängerbund. — Schon bei seiner
Gründung im Jahre 1862 hat man klar und deutlich die
Mission des deutschen Liedes im Ausland erkannt. Im
81 der Satzungen heißt es: „Der D.S. B. ist die Ver—
einigung . . . von Sängerbünden und einzelnen Vereinen
der im Ausland lebenden Deutschen“ — Während im
Inland (auch Oesterreich und Böhmen zählen hierzu) nur
Bünde aufgenommen werden können, ist es einem Aus
land verein ohne weiteres e Mitglied des Deut—
schen Sängerbundes zu werden. uch sonst nimmt die
Satzung verschiedentlich auf die Auslandvereine Bezug
Die starke Betonung des Auslanddeutschtums in der
Satzung ist nicht verwunderlich. Durchblättern wir die Ge—
schichte des D.S. B., so finden wir, daß die Verbindung
der Einzelsängerbünde in Deutschland (die bekanntlich schon
um die vierziger Jahre und früher gegründet wurden) mit
dem Ausland jimmer recht vege war, Berichte gus Eng—
land, vom Balkan, aus Amerita, ja Australien sind keine
Seltenheit. Mit Freuden ersehen wir aus den begeisterten
Darstellungen, wie überall das deutsche Lied blüht und
zur Erhaltung des deutschen Gedankens beiträgt. Ein reger
Bedankenaustausch gibt auf beiden Seiten mannigfache An—

regungen. Mit Begeisterung werden die Besuche ausland—
deutscher Sänger in der alten Heimatstadt aufgenommen,
die selten sind Reisen großer deutscher Vereine in ferné
ande.
Durch eine Arbeitsgemeinschaft mit dem
Deutschen Ausland-Institut An Stuttgart gelang
es, die seit Oktober 1927 erscheinende Pressfe-Korresponden?
des D.S. B. laufend an sämtliche auslanddeutschen Zei
tungen der Welt und eine Reihé prominenter Personuich
keiten des deutschen Auslands zum Versand zu bringen.
diermit war ein ideales Werbemittel geschaffen. Amerika—
dische Zeitungen insbesondere veggierten in erfreulichem
Maße auf das Ersuchen um Abdruck, aber auch andere
zeitungen, so in Jugoslawien und Rumänien, brächten in
hren deutschen Organen das Wichtigste aus der „SBR.
Durch Belegexemplare wurden die angeknüpften Be
ziehungen erweitert und vertieft.
Nachrichten über das Leben der Vereine im Ausland
verden dem D.S. B. ebenfalls laufend übermittelt. Na
türlich darf man von diesem Nachrichtendienst nicht erwarten,
daß er mit „Sensationen“ aufwartet. Das Leben der
deutschen Vereine im Ausland ist stark auf Geselligkeit
eingestellt, hat mit anderen Worten noch stark die ur
prüngliche Aufgabe, „zusammenfassend“ zu wirken, beibe
jalten. Hier wird meist noch „einfach gesungen“; Volks
lieder, eventuell auch kleine Chöre. Von musktalischen Be—
trebungen ist weniger oft die Rede. Dadurch wird der Weri
dieser Vereine in keiner Weise gemindert. Der Hauptzweck
die Erhaltung des Deutschtums, wird durch die
»etonte Geselligkeik kräftig gefördert. Daß manches zu ver
bessern ist, sei nur nebenbei erwähnt.
Mehr und mehr sehen Stadt und Staat die Bedeutung
des Chorwesens ein, größere Unterstützungen sind in Aus—
iicht gestellt, der 1. Kongreß für Chorgesangwesen in Essen
8. bis 10. Oktober 1988) hat zur Erkenntnis der Sach
sage viel beigetragen; eine der Forderungen für die Zu
kunft muß lauten: Unterstützung bei der Erfassung der
auslanddeutschen Gesangvereine. — Noch sind wir nicht so
weit, vorläufig gilt es noch, jede, und sei es die kleinste
Anregung, aufzufangen und einen Mosaikstein nach dem
ainderen zusammenzufügen zu diesem große Bilde: Der
Deutsche Sängerbund, die die deutschen Sänger der ganzen
Welt umfassende Organisation.
Sehr erwünscht ist natürlich, wenn die Vereine der ein
zelnen Länder sich zu einem Sängerbund zusammenschließen,
der als Einheit dann Mitglied des DS.B. wird. Nichit
überall ist dies möglich. Oft, sieht man diese Bünde ale
staatsgefährlich an und sucht sie mit allen Mitteln zu unter
drücken. In anderen Ländern, zum Beispiel an der West—
küste Nordamerikas, verhinderte die Ausdehnung des Landes
die großen Entfernungen, einen engeren Zusammenschluß
Der D. S. B. ist, soweit die Mittel reichen, tatkräftig
bei der Arbeit, Verbindungen mit dem Ausland herzu
stellen. Möge das Ziel, alle auslanddeutschen Gesang
vereine im D.S. B. zu vereinen, nicht mehr fern liegen,
getreu nach dem Grundsatze, den der Präsident des Bundes
bei seiner Rede in Wien gelegentlich des 10. Deutschen
Sängerbundesfestes zum Ausdruck brachte: „Liedgemeinschaf'
ist Volksgemeinschaft!“

Dr. F. J. Ewens, Berlin.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.