Full text : 7.1929-1930 (0007)

Nr. 11 II“

JIII Saar⸗Sãnger⸗Bund

„Jv00 Seite 251

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üchertissch.

Zeitschrift für Musik, Monatsschrift für eine geistige Er—
neuerung der deutschen Musik, Hauptschriftleiter Dr.
Alfred Heuß, Verlag Gustav Bosse, Regensburg, viertel⸗
jährlich 4 Mtk., Einzelheft 1,60 M. Auch das Januarheft
bringt wieder wertvolle Aufsätze: Prof. ig Klose,
Die Entstehung der dramatischen Symphonie Ilsebill; Hans
Teßmer, Ber Niedergang des Ensembles — und seine
Wiedergeburt; Dr. Konrad Huschke, Hans von Bülow und
die Meininger Hofkapelle; Hans von Bülow, Drei unbe—
kannte Briefe; Dr. Alfred Heuß, Gegen die Verdunkelung
der Opernhäuser; Otto Ernst, Hans im Glück — ein
musikalisches Märchen. Berichte aus der Musikwelt, über
Musik, Musiker, Aufführungen, Konzerte, Neuerscheinungen,
dazu Bilder und Notenbeilage vermehren den Wert dieser
ausgezeichneten Musik-Zeitung, die aufs trefflichste ge—
eignet ist, unsere Chormeister und Sänger über Leben
und Streben in der musikalischen Welt sachkundig und
interessant auf dem laufenden zu halten.
Das erschütternde Buch Dr. Filchners über seine aben⸗
beuerliche Reise. m mani padme hum“. Verlag Brock⸗
zaus, Leipzig. Während im chinesischen Riesenreich der
gewaltige Buͤrgerkrieg tobt, Räuberbanden das Land un—
sicher machen und die Wellen der großen Erregung, wenn
auch sanfter, selbst in Tibet plätschern, zieht ein deutscher
Wissenschaftler mutterseelenallein in diesen unruhigen Ge—
bdieten seines Weges. Wo er hinkommt, hat er meist gegen
Verständnislosigkeit und Mißtrauen zu kämpfen, nur selben
einmal findet er Freundschaft und Hilfe. Was hat der
Mann, Dr. Wilhelm Filchner, in diesem Hexenkessel zu
suchen? Fern von allen politischen Streitigkeiten, strebt
er unbeirrbar seinen Zielen zu, die der Wissenschaft und

tudien treibt, ernährungswissenschaftlich bedeutsame Be—
bachtungen macht und noch andere Disziplinen bereichert
Das klingt unglaublich und rührt schon an Ungeklärtes.
Es hört sich so wunderbar an wie seine märchenhafte Er—
cettung aus allem Elend; F. kann jedoch seine mannigaltigen
 Entdeckungen und Arbeiten dokumentarisch be—
veisen, und auch bedeutende Wissenschaftler haben ja in—⸗
wischen ihren Wert anerkannt. In dem Buch „Im mani
adme hum. Meine China- und Tibeterpedition 1925/289*
zerichtet er nun einmalig volkstümlich über das gefahrvolle
Anternehmen, in einer vorbildlich einfachen, zu Herzen
zgehenden Sprache. Ja, wohl niemand dürfte dieses kost—
zare Geschenk aus der Hand legen, ohne von der Vor—
tellung ergriffen zu sein, wie der Märthrer seiner Wissen—
schaft sich gebrochenen Leibes, unter der Last schwerer In—
trumente mühsam durch die riesigen Weiten Tibets
schleppt, auch in tiefster Erniedrigung ein großer und be—
wunderungswürdiger Mensch. B. R. F.
Aus der Werkstatt eines großen Lexikons. (56 Seiten
mit 43 Abbildungen. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig.
Die zahlreichen Bezieher des Großen Brockhaus“,
werden gern einmal einen Blick in den vielgestal—
tigen Betrieb des Leipziger Verlags tun und den Werde—
zang dieses „Handbuchs des Wissens“, das für den
nodernen Menschen zu einem unentbehrlichen Ratgeber
zgeworden ist, vom Plan und ersten Buchstaben des
Manuskripts bis zum fertigen Band verfolgen. Die inter—
essante Broschüre, die in jeder gut geleiteten Buchhand—
ung solange die Vorräte eg kostenlos abgegeben
vird, bietet zugleich eine für viele willkommene Dar—
stellung der Herstellung eines Buches überhaupt.

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friedlichen Wohlfahrt gelten. Seine hauptsächlichste Ab—
sicht ist, eine Strecke von rund 3500 Kilomeber (eine Ent⸗
sernung etwa von Madrid bis Moskau) genau zu karto—
graphieren. Entlang der riesig langen Route —
sschauü—Leh macht er in Abständen von 40 Kilometer Halt,
baut seine Instrumente auf und führt seine in den Augen
der Eingeborenen „teuflischen“ Messungen aus. Es gelingt
ihm laut dem späteren Urteil bekannter Fachleute, den
Grund für ein Kartenmaterial zu schaffen, das „die, An⸗
forderungen, welche im allgemeinen an die kartographischen
Ergebnisse von Forschungsreisen in unbekannte Gebiete
gestellt werden, weit übertrifft und für die weitere wissen—
schaftliche Erschließung der so schwer zugänglichen tibetischen
Hochebene von größter Bedeutung ist. Das alles bringt
ein Mann zuwege, dessen äußere und innere Gesundheit
von den sich vor ihm auftürmenden außerordentlichen
Hindernissen im tiefsten angegrifsen ist. Nur noch ein
ßaar armselige Silberlinge klappern in der Tasche seines
zerrissenen Kleides, die erhoffte Unterstützung bleibt aus,
aus den Schuhen lugen die Zehen, Regierungen und Be—
amte, das Volk bedrohen ihn in seiner Arbeit und da—
mit sein Leben, die Kälte erdrosselt den mangelhaft Be—
kleideten schließlich fast, Durst doͤrrt ihn, im eisigen Ge—
birge bricht er eine Hand und erfriert sich die Füße,
Gallensteinanfälle schütteln ihn beinahe zu Tode. „Der
Menschheit ganzer Jammer paäckt mich an!“ Dieses Wrack
zines Körpers verrichtet nur noch mühsam seine Dienste.
Jedoch — ein unbeugsamer Geist leuchtet in ihm und hält
hn aufrecht. Er ist freilich vom Knochenmann geseichnet,
scheu betrachten ihn die Eingeborenen, geben dem Hun—
gernden wohl auch zu essen. Der Leser ist erschüttert, um
v mehr, als dieser Held sich mit seinen kartographischen
Zielen nicht zufreden gibt, sondern Tausende von ethno—
fraphisch wertvollen Filmmetern außerdem dreht, Religions—

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Der Große Brockhaus, Bd. 4 (Chi -Dob). 824 Seiten,
Preis in Ganzleinen GM. 26,2, bei Umtausch eines alten
Lerikons GM. 23,50. Die Gesamtzahl der Zeichen in der
heütigen chinesischen Schrift beträgt etwa 50 900, für den
käglichen Bedarf kommt man mit „nur“ 324000 aus. Die
rechte Vorstellung über die Schwierigkeiten dieser Sprache
zrhalten wir aber erst, wenn die Tafel „Chinesische Schrift“
n dem soeben erschienenen 4. Band des „Großen
Brockha'us betrachten, und wir empfinden rechtes Mit—
eid mit den kleinen chinesischen Abe-Schützen, die fich
durch diesen Urwald von Zeichen dineren müfsen.
Die mit China zusammenhängenden Artikel dieses Bandes
imfassen 90 Spalten; 86 Abbildungen und 10 Karten
ragen willkommenes Material zusammen. Der Kunst—
reünd wird bei diesem Band besonders auf seine Kosten
'ommen, er schlage nur die bunten und einfarbigen Tafel—
seiten nach: chinesische Kunst (6 Tafeln mit 43 Abb.),
dänische Kunst, Christusbilder, Deckenmalerei. Der neue
Band ist dadurch bemerkenswert, daß er das Stichwort
Deutsch“ enthält, das mit allen seinen Zusammensetzungen
1i180 Druckseiten umfaßt und so eine übersichtliche Mono—
zraphie des Deutschtums mit einigen hundert Abbildungen
uͤnd 45 Karten und Statistiken darstellt. Daß dabei auch
die allerjüngste Zeit Berücksichtigung gefunden hat, zeigen
— um nur einige Beispiele zu nennen — die Abbildung
der Stahlkirche auf der Pressa“ in Köln und Hugo Lederers
„Läufergruppe“, die erst vor kurzem an der Heerstraße
in Berlin aufgestellt worden ist. Beachtenswert ist die
Zeittafel zur deutschen Literaturgeschichte, die vom Hilde—

*Mit 362 Seiten Text, vielen Abbildungen nach Hand—
zeichnungen des Verfassers, 48 Kunstdrucktaseln sowie einer
Uebersichtskarte. Geheftet 13 Mark, Ganzleinen 15 Me.
Brockhaus, Leipzig.
            
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