Seite 242 IInu rungzuepet ruhc Saar⸗Sänger-Bund IIIIsIIUftfun
agte: Seine Stimme gehöre allein Gott und dem König von
Preußen.
IIIE IpiII—III
spielen und war sogar auf Zuspruch seines Herrn nicht dazu
zu bewegen.
König Friedrich, nicht Teilnehmer des Festes, hatte von den
Skandal gehört. Er betrachtete den Vorfall als eine Beleidi
gung gegen seine Gemahlin und diktierte dem Rücksichlsloser
eine Bestrafung zu, die Heinrich von ihm abwandte.
Nach seiner Rückkehr aus Paris spielte Mara mit neuer
Leidenschaft vor seinem Herrn und wurde von ihm reichlich be
lohnt: sein Etat wurde verdoppelt, er durfte ein größeres und
ornehmes Quartier im Schloß beziehen, wo ihm eigene
Dienerschaft, Lüche und Keller, Equipage, sogar Garderobe zur
Verfügung standen.
War Elisabeth bereits eingenommen durch Maras galantes
Wesen, entzückte sie die ganze Haltung dieses wahrhaft schöner
Mannes, „den ihre Augen je gesehen“, so geriet sie voll—
ständig in seinen Bann, als sie ihn spielen hörte. Die Liebe
war nun doch über sie gekommen. — — —
Schloß Rheinsberg hatte Friedrich seinem jüngsten Bruder,
dem Prinzen Heinrich von Preußen, zum Geschenk gemacht. Er
ebte dort seit 1763 ständig. An diesem Musenhofe wurde jetzt
ziel über die erstaunliche Gesangstechnik der neuen Primadonna
»es Königs gesprochen.
Des Prinzen Lieblingsmusiker, Mitglied seiner kleinen Ka—
»elle, ein hervorragender Violoncellist von stattlichem Wuchs,
jorchte bei diesem Gespräch verwundert gauf. Er war kürzlich
ius Paris zurückgekehrt, wohin ihn sein fürstlicher Freund
ind Beschützer geschickt hatte, um bei einem berühmten Künstler
Deklamationsunterricht zu nehmen. Er hatte bis dahin von der
deutschen Sängerin an der königlichen Oper nichts gehört. Aber
er mußte sie kennenlernen. Er reiste sofort nach Potsdam und
tellte sich der Künstlerin, nachdem sie eine ihrer großen Arien
gesungen hatte, vor.
Es war Johann Baptist Mara.
Elisabeth, die Kaltherzige, Gefühllose, wie sie von einigen
um sie werbenden Männern genannt wurde, fühlte, daß ihr
derz diesem schönen kemperamentvollen Manne entgegenschlug
Fast schweigend schieden sie nach dieser ersten kurzen Begeg
nung voneinander, wußten aber beide, daß sie sich suchen und
inden würden.
Hatten die Freunde in Potsdam diese Begegnung mit miß—
rauischen Augen beobachtet? Ahnten sie, daß in diesen beiden
»om Schicksal über Tausende hinweggetragenen Künstlernaturen
die Sehnsucht geboren war, einen gemeinsamen Lebensweg zu
vandeln?
Jedenfalls drückten sie rückhaltslos ihre Befürchtungen vor
klisabeth aus und warnten sie vor dem verwöhnten Günstling
des Prinzen. Man scheute sich auch nicht, ihr zu erklären,
daß Maras glattes, bezauberndes Wesen, seine vollendeten
höfischen Formen, die er sich in einem nahezu fünfzehnjährigen
Umgang mit dem Prinzen angeeignet haätte, einen wilden,
zügellosen Charakter verbargen, ein haltloses, leichtsinniges
Wesen. Man verheimlichte ihr nicht, daß der Mignon des
Prinzen ein Trinker war, ein störrischer, gewalttätiger Mensch,
urz ein Ausbund schlechter Gewohnheiten. Ueber seine Unge—
zogenheit, seine Habsucht und Hinterlist waren in Berlin viele
Geschichten verbreitet. Vieles blieb seinem prinzlichen Gönner
»erborgen, vieles wußte er, und doch gab er ihn nicht preis,
denn Mara war der talentvollste Musiker seiner kleinen Kapelle.
Er spielte nach Ausspruch seines Prinzen wie „ein Gott“. Des⸗
halb entschuldigte Prinz Heinrich ihn, schütze ihn sogar in
peinlichen Lagen, in die beispielloser Leichtsinn ihn oft genug
brachten.
Es war eine besondere Gunst, Baptist Mara öffentlich spielen
zu hören. Einmal im Jahr, in der Karnevalszeit, siedelte
Prinz Heinrich mit seinem Hof nach Berlin über, wo er große
Maskenfeste veranstaltete und auch den königlichen Hof dazu
einlud. Der berühmte Mara sollte wieder einmal spielen. Er
hatte sich aber heimlich entfernt, die angesetzte Stunde ver—
säumt, und die Gäste warteten lange auf ihn. Die vom
Prinzen ausgeschickten Boten fanden ihn in einem Wirtshaus
Als er vor der Hofgesellschaft erschien, weigerte er sich zu
—
Während die Mitwelt Anteil an ihrem Schicksal nahm, fühlt
ich die bemitleidete junge Frau in der Vergötterung ihres
ungen Gatten glücklich. Mit ganzer Freude ergab sie sich
jetzt wieder ihrer Kunst. Sie söhnte sich sogar mit dem Ge—
danken aus, für immer in Berlin bleiben zu müssen, und ließ
ceine Gelegenheit vorübergehen, sich weiterzubilden, besonders
in dem allen Stil des Adägto. „Denn obgleich ich eine außer—
ordentliche Fertigkeit besaß, so liebte ich doch mehr meine Zu—
hörer zu rühren als zu erstaunen.“ Konzertmeister Benda trug
hr die Arien auf der Violine vor, die vor ihr die berühmte
Astrua in Berlin gesungen hatte. Benda, der ihr erster Für
precher bei Frieorich dem Großen gewesen war, blieb ihr jetzt
ind in den nächstfolgenden Jahren ein väterlicher Freund, der
nit vornehmer Sachlichkeit manche Uneinigkeit unter dem Opern—
oversonal beilegte.
Als Frau Mara trug ihr das immer tiefer in die Kunsi
hineinwachsende friederizianische Berlin neue Dank- und Bei—
fallsbezeugungen entgegen. Bäld hieß es: die Mara sing:
vie noch keine Frau gesungen hat. Ein Klang läcç
in ihrer Stimme, der nach zeitgenössischem Urteil sich ver—
Jleichen ließ mit dem einer ausgezeichneten Cremoneser Geige
Es gelang ihr durch alle Stärkegrade „ein dem Geisterhauche
ihnliches Pianissimo“ zu erreichen, das noch in großer Fernt
zu hören war. Wenngleich der feine Kenner Zelter von zwei
gefährlichen Registertönen erzählte, die sich mikunter „zwischer
hr Wollen und Vollbringen“ legten, er mußte dennoch rühmen
zrößeres als ihre Königin Rodelinda nie vernommen zu
—* „In allen tragischen Rollen schien sie einen Kopf höhe,
zu sein.“
Als einige wenige mit ihrer ruhigen Haltung in leidenschaft
lichen Rollen nicht einverstanden waren, antwortete sie: „Sol'
ich mit Händen und Beinen singen? Ich bin eine Sängerin:
vas ich mit der Stimme nicht kann, will ich nicht.“
Außer der Rodelinda sang sie nun in folgenden Karnevals
Opern: Arminio, Demofoonte, Europa galante, Partenope
Attilio Regolo, Orfeo, Angelica e Medoro, Cleofide, Artemisia
Wer damals ihre Glanzarien gehört hatte, behielt die Erin
nerung daran für ein ganzes Leben.
R. Kaulitz-Niedeck.
«ohlen 9.
*
Saargenostentchaftibank
S6
— —
liefern frei Haus
Veilla lie.ca
h D. H.
ssaarbrücken3
Bũro u. Lager: St. Johannerstraße
67, Telephon 4A40 u. 441
Niederlass ungen: Gersweiler, Saarbrücken, Völklingen, Saarlouis,
Merzig, Dillingen, Dudweiler, Sulzbach, Friedridsthal, Neunkirchen.
St. Wendel. Burbach, Lebach, und Agenturen.
annahmne von S227niagen aller v'änrrungen.
Ausgabe von Heim-Sparbüchsen. Erledigung aller bankm. Geschäfte