Full text : 7.1929-1930 (0007)

Nr. 11 Iperunfrnzenenepuntienninn

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geschaffen, in der in idealer Weise sich die Klangsarben
in enger und weiter Lage zeigen können. (Siehe Roten⸗
zeispiel 3.). Im Männerchor würde dieses Beispiel von
deo Hasler ziemlich langweilig und trocken, vielleicht so—
zar plump klingen, im gemischten Chor wirkt es durch
die leichte Uebergangsmöglichkeit aus der engen in die
weite Lage (bei N.B.) herrlich. Die Individualität der
Stimmen, die im Männerchor in den Mittelstimmen völlig
oerloren geht, bringt auch die schönen sogenannten „stim—

zlick führende Rolle spielt und die Klangfarbe entschei—
dend beeinflußt. (Er liegt dicht neben dem Sopran. Der
Satz ist aus Isaacs: Innsbruck, ich muß dich lassen.) Und
oon dieser Art könnfe man eine Menge der herrlichsten
Beispiele Aus Meisterwerken aufführen. Die Klang—
wirkungen werden hier, wo die Stimmen weit mehr Be—
vegungsfreiheit haben als im Männerchor, vor allem
durch Intervallsprünge, Kreuzen der Stimmen, also
hauptsächlich durch me lodische Wirkung der Einzel—
—

Notenbeispiel IV. — ß

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nigen“, d. h. polyphonen Wirkungen des gemischten Chores
hervor. Davon äbgesehen, ist der Männerchor durch den
eingen Klang der öoberen drei Stimmen, die zunächst wie
die Spatzen an Telegraphendrähten beieinander hocken, in
seiner Bewegungsfreiheit sehr gehemmt. Auch das sogen.
„Kreuzen“ der Stimmen, d. h. die Aenderung in der
Bruppierung entgegen der natürlichen Anordnung, also
. B. die Situation, in der der J. Baß höher steht als
der II. Tenor, bedeutet im Männerchor selten irgend—
eine entscheidende Klangänderung. Ganz anders im ge—
mischten Chor. (Siehe Beispiel 4.) Hier steigt bei NB.
der Tenor über den Alt, wodurch er eine für den Augen—

timmoe hervorgebracht, deren kleinster Sprung (sogar in
Mittelstimmen) fofort die Klangfarbe ändert, während im
Männerchor gewöhnlich der J. Tenor unbedingt führt, höch—
tens der J. Baß noch für einen Augenblick eine Spur
Zelbständigkeit besitzt, und sich die anderen Stimmen
jauptsächlich auf 7üͤhythmische und dynamische Be—
zleitungswirkungen beschränken, müssen. Selbständigkeit
der Melodik, Wegfall der absoluten Vorherrschaft einer
Stimme, das verschafft dem gemischten Chor unbedingt die
größere Wirkung, ganz abgesehen noch von dem viel größeren
Reichtum der Klangfarben, der immer wieder den Kom
oonisten anzieht. (Fortsetzung folgt.)
Erich Werner, Saarbrücken.

Die Primadonna Friedrichs des Großzen.

Wo immer in der Oeffentlichkeit Tatkraft, Erfolg
Nund Genie des modernen Frauengeschlechts be—
tont werden, sei nicht vergessen, daß es schließlich die
Männer waren, die Streben und Emporwollen der
Frauen anerkannten, ihnen halfen und die Bahn ihnen
ebneten. Daran sollten die Frauen denken in jedem
schweren Existenzkampf zwischen beiden Geschlechtern,
indem sie Rücksicht, Takt und Nächstenliebe beweisen.
R. Kaulitz⸗Niedeck.

R. Kaulitz⸗Niedeck.
Rosa Anderson, geborene Kaulitz-Niedeck,
rblickte 1881 in Niedeck i. H. das Licht der Welt. Meine

Aufforderung an die Dichterin, die jetzt in Hapfal in
Estland wohnt, sich an der Frauennummer unserer Bundes—
zeitschrift zu heteiligen, fand freundliches Echo. Mein
Schreiben, das in ihre „stille kleine Welt am baltischen
Meer flatterte“, wurde als „echt deutscher Gruß“ emp—
unden. Sie schreibt: „Wieder wach gerufen wurden damit
Frinnerungen an das Saarland, das mir dus politisch
schwerer Zeit gut bekannt ist.“
Ihre dichterische Begabung folgte gern den Lebens— und
Schicksalswegen bedeutender Persbönlichkeiten, denen sie in
sterar⸗historischen Arbeiten, in Novellen und Romanen
ein Denkmal setzte. Auf den Spuren Goethes schrieb sie:
Ddas Urbild von Goethes Werther, ferner Goethe und
Jerusalem, endlich für den Verlag F. Fontane K Co.
Berlin, „Die geele Box“, Goethes Erlebnisse in Trier.
Wir fehen, wie Goethe gewissermaßen als Kriegsbericht—
erstatter 1792 seinen Herzog Karl August von Weimar
in' die „Kampagne in Frankreich“ begleitet und dabei
mehrere Monate in Trier als Gast des Kanonikus in einem
Patais am Domfreihof logiert, Fühlung nimmt zu Land
unde Leuten und dabei einen Mann wie den um die
Heimatforschung hochverdienten Schullehrer Hugo Johann
VWyttenbach, nachmaligen Gymnasialdirektor in Trier ge—
piunt, der ihm bei der Erschließung namentlich des
flaffischen Altertums der altberühmten römischen Kaiser⸗
stadt behilflich ist. Namentlich erstreckte sich Goethes In—
lerefse auf die Igeler Säule, das Amphithegater, die Kaiser—
chermen, die Romerbrücke, und er läßt sich voll stärksten
Interesses von dem in Trier gewonnenen Freunde Bericht
über neuere Forschungsergebnisse und Ausgrabungen er—
statten. Die Dichterin hat diese Denkwürdigkeiten fesselnd
auf dem Hintergrunde des kriegerischen Zeitbildes dar⸗
zufstellen verstanden; dabei folgt sie getreu den auch im
Auhang angegebenen historischen Quellen.
Und wieder finden wir sie auf den Spuren eines deutschen
Dichters in dem von Eugen Salzer, Heilbronn, verlegten
Werkchen: Das Dichtergrabauf, Oesel. Unter Dar—
dietung eines wundervollen Feldbriefes von Walter Flex
childeuͤt sie mit starker innerer Anteilnahme die letzten
Schicksale, Tod und Bestattung des bei der Verteidigung
Zefels gegen die Russen vor dem Feind gebliebenen jungen
deldenfaängers. Wir machen unter ihrer Führung den Weg
dach Peude zu der weißen kleinen Kirche, wo über dunklem
            
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