Full text : 7.1929-1930 (0007)

Jp Nr. 1

Die Grundlagen der Chargesangskunst.

Von Felix Schmidt,
bisher Organist und Kantor an St. Peter in Riga.
Von den 333 der einzelnen imm enaeupuen ailt etwa dn endseenh sehr wines enpindenit ein geincre⸗
dasselbe wie vom Anfange. Einsätze, die mit Bedeutung kom- noch vielleicht als für die Tonhöhen. Man sollte daher dem
nen sollen, müssen mit Bedentung gegeben werden, wobei Rhythmus alle Sorgfalt zuwenden, er ist ja eins von der
zie betreffende Stimmengruppe, ähnlich wie am Anfange, zum ganz großen Ausdrucksmitteln in der Musik, der Pulsschlag
Empfang des Zeichens sich in Bereitschaft halten muß. Mit das Leben. Man soll deshalb auch auf sogenannte Kleinigkritca
Bedeutung geben: wenn es dem Dirigenten passiert, daß achten, zum Beispiel daß bei gebundenen Noten jede, auch die
h von e S g gern in Einage egeben mard Aucn peic rem gichtigen Wert bekommt und nicht ein Stück davor
er ihn ni mehr zu „geben“, im Gegenteil, er unterlä bgezwickt wird.
8 denn * sigt komisch aus gen Strophe ahe Auch das fürchterliche Eilen, das Immerschnellerwerden! Es
aß man den Beginn einer etwaigen zweiten Strophe als ntsteht dadurch, daß die weniger betonten Taktteile verkürz
ine kleine Klippe zu betrachten habe, bei der allerhand amü— nhent auch ode daß die —— wozu auch die ——
—233337 snen igum gaeahet warden aausen gehören, Ieni nirigenton w vollwertig ausdirigier
— n jed ne— verden, eine entsetzliche Gewohnheit!
deben schon einmal „umgeschmissen“ haben. 3 69i iftöse ß lich
Es ist gut, wenn man den Chor auch darin übt, daß er auf das E⸗ „Iibt Mittel Den R ynthmus zu Itegen, dat freitich
me — Dirigent kein starkes rhythmisches Gefühl, was überaus of
»loße Angeben der Tonart, also etwa durch Angeben des Drei— — i643
— —5353 9 DpQ; , — virklich der Fall ist, so ist gar nichts zu machen. Der Chor
langs, falls es ein solcher ist, in beliebiger Lage, schon richtig ein— 9 8 —c 2 ——
h kann niemals mehr als der Dirigent. So, wie der Satz gilt
etzt. Es gibt aber Fälle, wo das schwer und unzuverlässig ist. Ein —
45* — daß der Chor immer so unrein singt, wie es die Ohren des
Tonangeben, bevor man das Podium betritt, hat keinen Zweck. ; 66 * 6
p en Dirigenten erlauben, so gilt auch der Satz, daß der Chor imme—
Zwischen Tonangeben und Anfangen muß eben nichts dazwischen so unrhyihmisch singt, die ks der Ditgent“ ertragen kaun
liegen. Auch der Dirigent darf dann nichts mehr sprechen. dus 3
Er selber singt auch nie mit, auch nicht, um den Sängern ein— vFa⸗ rhythmische Empfinden läßt sich in jedem Falle Negen
uhelfen, das darf eben nur im“ äußersten Noffalle intreten, Wir gehen von den Taktierbewegungen aus. DZas erste war
um Beispiel in den Kirchenchören, wo die Herren bekanntlich wie gesagt, nicht. Silben und Rhythmen dirigieren. Iin Zweites
Line Proben mitmachen WMianche Dirigenten“ fingen aus purer iß daß man sich zu Haufe, Fanz allein, ja elbst ohne ar
daune mit oder aus Nervositaͤt. Ime Männerchor fällt das Wusik dabei zu denken, hinstellt, eytl. vor einen Zpiegel, und
veniger auf, wenn aber der Dirigent die Sopranftimme, mit, nun einfache Taktierübungen macht. Mir wird woehl ieder
ingt, — ichthan bei einem ausgezeichneten Chor einmal — ⏑ — iet Ih haub⸗
zehört habe, klingt es natürlich eine Oktave tiefer, ist zu 8 80 en,
hören und stört empfindlich. Vor allem aber stört der Dirigent Es kommt nicht allein darauf an, zwei Viertel richtig zu
dn Fie v An ege on ne Arenpidt sauieren edeng ee en — 4 zu
vo er mitsingt, verliert er entschieden die Fähigkeit, zu hören, unser ni ü abei erwacht. Man bewege
zu beobachten, zu lenken, gefährdet also den Zusammenklang. auf „eins“ den Arm langsam abwärts und bleibe unten, man
Fin guter Sänger übrigens empfindet es als Unhöflichkeit, dewege auf „zwei“ den Arm langsam aufwärts und bleibe oben
venn der Dirigent ihm seine Stimme zubrüllt. das Oben und Untenbleiben ist schwierig, die meisten Dirigenten
Die Art, wn man died pien sutem Tausten magt. in A noch — ipr I dan wsartnrin 33
immer von direktem Einfluß auf die Ausübenden, ob e nun aber oben und unten keine Pausen machen. Die Be—
aee 53 A n — en ane Vnnd eee —X dgufhren— deeePonhenuden ant
Ein aben, so darf man mit dem Taktstock keinen Säbelhie i ig sind. Man kann, wenn es sehr langsam geh
machen. Die nötige Energie kann dennoch hineingelegt werden ben und unten eine ganz kleine, aber nicht zuckende Neben—
Man tann guit uͤnangemessenen Taktierbewegungen zuͤletzt über gwegung machen, eine tein Shhlei zum Ausfüllen der Zeit
aupt vielerlei verderben, auch den Rhythmus, das heißt die die oben und unten übrig bleiben könnte. Das Ganze geschiehl
ürt und Weise der Verteilung von langen und kurzen, betonten n einer sehr gleichmäßigen und harmonischen Vent, es mufsß
und unbetonten Tönen. Der Rhythmus soll deutlich und charakte das Gefühl des Wiegens entstehen, wie wenn man in einen
ristisch herausgebracht werden, er darf aber auch nicht übertrieben angsam schwingenden Schaukel sitzt, oder wie wenn man eine
und Dhont SFF Di dnnt d Siege dazu⸗ ee mit ae leichten, aleichmäßigen Armbewegungen ir
wie man es ni macht: an darf ihnen ni en Rhyth— Schwingung erhält.
nus, auch nicht die Silben, mit dem Taktstock schlagen, weil erstenẽ Das Ziel dieser Uebung ist das Gefühl der rhythmischer
der Vortrag dadurch etwas Abgehacktes und Stockendes bekommt Ruhe, wie man es nennen könnte. Mancher hat sie sofort
Zweitens bleiben die Sänger unselbständig, und drittens geht das aum daß er es versucht. Der andere erlernt es. Daß dit
nicht mehr, wenn ein Orchester hinzukommt, der Orchestermusiker ist meisten Dirigenten im, höheren Sinne unrhythmisch sind, lieg
daran icht gewoöhnt Inbne pen Einwandz Wa * e —5 daran, daß sie die Sache nicht erkennen oder sie zu
n das Wort „der“ in „Das i— er Tag ei nehmen.
des Herrn“ kommen soll“, selbst erlebt; es war in einem Männer- Die rhythmische Ruhe des Dirigenten teilt sich dem Chor
hor, der schon über 70 Jahre existierte, und die Frage stellte eins mit, so daß es nicht nötig, ja sogar zweckwidrig ist, wenn
oon den ältesten Mitgliedern, und dieser Chor hatte immer, die Sänger selbst Taktierbewegungen machen; ich habe ge
gen Ae sagte, gd ——* Dirigenten gehabt. ehen — die 88 dazu angehalten wurden
Zur Beantwortung dieser Frage ma man wenig oder gar Das ist schon deshalb verwerflich, weil der Sänger mit dem
keine theoretischen Auseinandersetzungen, sondern man singt und Singen zu tun hat und deshalb für ein eigenes Taktieren kein
aert a enlen — di Sqhluß d —3 dureeien sollte; pädagogische Spie
V ß es für nötig, am Schlu er i; „Methodik des Schulgesanges“.
einzelnen Zeile den Sängern jedesmal beim letzten Ton noch Praktische Anwendung: * —* nach streng taktmäßigem
———— —
i 3 2 m zum Vorschein. Denn er
— —— venae eine mie I5. s gon gerter Natur. Er kommt bei untaktmäßigem Musizieren
snnhiin sondern zu früh oder zu spät. So wird das Lied in Taktmäßiges Musizieren ist erst die rohe Vorbedingung für
auter einzelne Stückchen zerrissen. Das menschliche Ohr hat rhythmisches Musizieten.

(For setzung)

S·EAU- FEEMVADRANV SAARBRDCEBM
            
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