Full text : 7.1929-1930 (0007)

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»iuslsll Saar⸗Sänger⸗Bund II

Appun Nr. 15

ausgezeichneten Lehrer.“ Ich faßte Mut und spielte zu—
erst eine Fuge von Bach, dann von Liszt mit lautem
Bravoruf unterbrochen, mein Rondo. Der Meister
klopfte mir auf die Schulter: Famos! Den zufällig
anwesenden Prinzessinnen Marie Alexandrine und
Elisabeth stellte mich F. Liszt vor. Ein thüringer
Landkind. Ein famoses Talent! Später nannte mich
der Meister den „thüringer Brahms“. Ich spielte das
Rondo, und sah wie Liszt die Hoheiten bedeutungs—
voll ansah. Als ich den Vortrag meiner Komposition
beendigt hatte, gab Liszt mir die Hand, und die
Prinzessin Alexandrine (sie blieb während ihres ganzen
Lebens, wie der Meister sagte, Hofrat Meyer-Olbers—
leben gewogen und namentlich ihr Briefwechsel mil
ihm zeigt, wie innig diese musikalisch hochbegabte
Frau am Schaffen des Meisters teilnahm) — sagte mit
einem kleinen Seitenblick auf Franz Liszt „Ja, er wird
es weit bringen in der Kunst“, dann zu mir: „Sie
müssen unbedingt Musik studieren.“ Sie wies mir aus
ihrer Privatschatulle jährlich 900 Mark an.
Noch erinnere ich mich, daß Meyer-Olbersleben als
Kuriosum beifügte, daß er im Sinne Liszt's und seiner
Gönnern nach München zu Cornelius ging und diesen
in armseligen Verhältnissen in Bogenhausen antraf
Er wiegte gerade sein Kind und zeigte sich derart ver—
schüchtert, daß er es ablehnte, Unterricht zu geben und
sagte: Ich kann Sie nichts mehr lehren ... gehen Sie
zu Rheinberger.
Die weiteren Lebensschicksale des Meisters hat er
mir später, darunter viel Intimes aus seinem Tage—
buch in den letzten Jahren seines Lebens mitgeteilt.
In einer Festschrift zum 70. Geburtstag des verehrten
Meisters habe ich das Interessanteste schon wiederge—
geben.
M. O. wurde bald in der Schule „Rheinbergers“ auf—
genommen, kam in die Kontrapunktklasse, um dort
sein „Gesellenstück“, eine Fuge für östimmiges Streich—
orchester, zu machen. Es war die beste Leistung der
ganzen Klasse. Nach zweijährigem Studium kehrte er
nach Weimar zurück. Dort trat er bereits bei fest—⸗
lichen Hofveranstaltungen in glänzendster Weise her—
vor. Zur Vermählungsfeier des Erbgroßherzogs trug
er seine Franz Liszt gewidmete Ballade vor, die später

A

treffen mit „Liszt“ jedenfalls das unvergeßlichste, viel—
leicht größte Ereignis meines ganzen Lebens war. Es
war im Mai 1867; ich war damals 17 Jahre alt und
Primaner am GEymnasium. Meine Eltern, die in
Olbersleben bei Weimar wohnten (mein Vater war
Lehrer), wollten, daß ich evangelische Theologie studiere,
während ich ganz andere Ideen hatte. Ich war zwar
am GEymnasium der beste in der Klasse, aber höher
als Cicero und Plato stand mir die Musik. Ich hatte
das Glück einen ausgezeichneten Lehrer für Klavier
und Theorie zu haben, Müllerhartung, später Geheim—
rat in Weimar, und dieser befestigte in mir den Ent—⸗
schluß, die Musik als Lebensberuf zu ergreifen. Eines
Tages sagte er zu mir: „Das Rondo, das Sie mir
vorgelegt haben, ist sehr gut gelungen. Ich möchte mit
Ihnen zu Franz Liszt gehen. Sie sollen es dem Meister
dorspielen.“ Ich sank fast zusammen und sagte nur:
„Das ist ja nicht möglich. Das wage ich nicht.“
Mein Lehrer lächelte und sagte nur: „Franz
diszt ist gerade als Gast des Großherzogs Karl
Alexander in Weimar und wohnt in der Hof—
zärtnerei. Morgen gehen wir zusammen hin.“
Noch unterwegs wollte ich umkehren. Würde
Liszt, der von Bewunderern, Schülern, Kom—
ponisten, Literaten, Neugierigen aus allen
Ldändern überlaufene, mich anhören? Müller—
hartung sagte nur in seinem kurzen, trockenen
Ton: „Ihr Rondo ist gut. Liszt wird es an—
hören. Er ist gütig, namentlich gegen junge
Anfänger und wird ihnen den Weg zu ihrem
Beruf zeigen.“ Gegen 3 Uhr nachmittags stan⸗
den wir vor dem großen Hexenmeister des
Klaviers, dem Abbé Franz Liszt. Er gab uns
lächelnd die Hand und sagte in seinem Wiener
Dialekt etwas Ermutigendes, Freundliches.
Aber es ging doch etwas Magisches von ihm
aus, ich zitterte und es überlief mich kalt. Liszt
forderte mich auf, ihm etwas vorzuspielen:.
„Von wem Sie wollen! Sie haben ja einen

Letzte Ehrung.
            
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