Full text : 7.1929-1930 (0007)

A

„IlIl Saar⸗Sänger⸗Bund ißl —IVVI
aber sehr bewußt und mit nicht geschlossenen Lippen), nock
bevor man an die gewünschte Tonart „herangeht“.
2. Wie geht es nun weiter? Hat jemand das Tonsystem nock
nicht im Kopfe, so muß er nun sämtliche Dur- und Mollton—
leitern, sowie sämtliche Dreiklänge aller Dur- und Mollton—
arten auf Notennamen langsam und sauber singen lernen
Hierzu empfehle ich noch folgende Uebungen:
Schlage einen beliebigen Ton an, zum Beispiel es, singe ihn
selbst zuerst und denke ihn dann:
1. als Grundton eines Durdreiklanges und singe diesen
Dreiklang und kontrolliere danach die Richtigkeit und
Reinheit der Töne am Klavier. Es müssen sein die
Töne es, g, b.
Singe nochmals den Ton „es“ und denke ihn als Ter;
eines Durdreiklanges und singe diesen (cèes, es, ges)
Singe den Ton „es“ und denke ihn als Quimte eines
Durdreiklanges und singe diesen (as, c, es).
Mache dasselbe mit Molldreiklängen, von „es“ aus (es ges b
ces g, as ces es).
Das ebbe mit verminderten Dreiklängen (es ges b-es, c es ges
a c esh).
Dasselbe mit übermäßigen Dreiklängen (es g h, ces esg
as⸗es ces es).
Dasselbe mit dem Dominantseptakkord (es geb des, ces es
ges b-es, as c es ges,f ac es).
Das Wesentliche all dieser Uebungen ist, daß man nur das
„es“ anschlägt, die anderen Töne auswendig findet und ihrt
Reinheit am Klavier sorgfältig kontrolliert.

And hier ist der Augenblick, wo er die Sänger mit iden
richtigen, schulgerechten Bewegungen des Taktstockes bekann!
macht. Die vielgestaltigen Taktierbewegungen will ich hier
natürlich nicht durchsprechen, aber ich muß ein paar Bemerkungen
darüber machen, weil man nämlich, so einfach die Sache ist
so selten in den Chören in Stadt und Land, in Kirche und
Konzertsaal, vernünftiges, einfach vernünftiges Taktieren sieht
Infolgedessen natürlich gibt es zaghafte, ungenaue Einsätze oder
sogar völlige Katastrophen. Alles nur, weil der Dirigent den
khor nicht oder nicht beizeiten an den Taktstock gewöhnt
hat. Und doch ist das mit ganz leichter Mühe gemacht. Lassen
Sie mich als Beispiel eine kleine Lektion veranstalten. Hier ist
das Lied: „Das ist der Tag des Herrn.“ Man sagt zu
den Sängern: Bitte, sehen Sie mal her, vier Viertel schlage
ich so: Und nun zeigt man es und sagt dabei: eins, zwei,
drei, vier. Unser Lied fängt auf „vier“ an. Damit Sie nun
auf den Anfang vorbereitet sind und keiner nachklappt, schlage
ich den Schlag „drei“ — diesen Schlag allerdings ohne Votr—
»ereitung — vor. Der Schlag „drei“ geht nach rechts. Sehen
Sie, so: Drei — „Das ist der Tag des Herrn.“ Nun aber
die Hauptsache: An diesem Schlag „drei“ können Sie das
Tempo, das heißt das Zeitmaß, erkennen. Ich mache näm
lich den Schlag nicht schneller als nachhéer die
anderen Schläge. Zweitens erkennen Sie an dem Schlag
„drei“ die Art und Weise des Einsatzes, des Vortrages. Das
Lied beginnt kräftig, feierlich, freudig; dementsprechend versuche
ich, den Vorbereitungsschlag „drei“ ausch schon mit solchem
Ausdruck zu geben.
Umgang mit der Stimmpfeife.
Steht zufällig ein Klavier auf dem Podium, so wird man gut
tun, sich zuerst davon zu überzeugen, ob es im Kammerton
steht, und dann ist gegen seine Benutzung zu einem decenten
Tonangeben nichts einzuwenden.
Im, andern Falle ist die Stimmpfeife gut angewendet (besser
als die Stimmgabel, weil leichter und oinfacher zu handhaben).
Die Benutzung von Stimmpfeifen mit einstellbaren ver—
schiedenen Tönen oder gar Akkorden ist vielleicht unpraktisch, weil
man sich beim Einstellen irren kann, so daß dann sofort
zin falscher Ton angegeben wird. Für einen Musiker ist das
Angeben eines beliebigen Tones oder Akkordes nach dem bloßen
reinen A eine so einfache und sichere Sache, daß er nach
keinem anderen Hilfsmittel verlangt. Ich hüte mich sogar vor
der Benutzung einer Stimmpfeife, die auf jedem Ende einen
andern Ton gibt, z. B. A und C. Wenn ich auch A und C
nicht leicht verwechseln werde, so habe ich doch erst, wenn
neine Stimmpfeife nur ein Al angibt, das Gefühl der ab—
loluten Sicherheit.
Nunmehr einige praktische Fingerzeige für etwaige Nichtmusiker
 unter den Chorleitern, für den Quartettgenossen, dem
das Tonangeben anvertraut ist, für den Verkreter des Diri—
zenten, der z. B. bei einer Beerdigung einfach aus dem Chor
heraustritt. Diesen Nichtmusikern pässieren große Fehler. Einen
zleich vorweggenommen: das Tonangeben vor dem Be—
treten des Podiums (aus Angst, daß der Ton nachher
nicht schnell genug gefunden wird) hat schon zu Katastrophen
jeführt. Eefahr droht auch vom' Organisten, dem man bei
Selegenheiten den Auftrag gibt, an einer bestimmten Stelle
vo der Chor singen soll, einen für den Aufang des Chores
passenden Abschluß zu machen. Ich will nicht behaupten, daß
»er Organist den Chordirigenten hereinlegen wollte, aber man
hat es eben erlebt, daß der Orgaänist einen micht passenden
Abschluß gemacht hat. Aber abgesehen von solchen speziellen
Unglücksfällen ist der Gebrauch der Stimmpeife wohl schwieriger,
als ihn manche Leute sich denken. Wie kommt es dann, daß man
die Genauigkeit der Aufangstonart so oft vermißt? Da soll
»s in As-Dur anfangen, es ist aber beinahe A-Dur.
Ein paar prinzipielle Dinge sollten beachtet werden:
. Eile mit Weile! Es ist nicht nötig, kaum daß das 4
aus der Stimmpfeife genommen ist, sofort einen womöglichen
entferntliegenden Akkord dem Chor zuzuwerfen. Man refpektiere
doch dies, daß Tonarten ich möchte sagen „Welten“ find
und daß auch diejenigen, die in gewissem Siune nahe bei⸗
einanderliegen, wie etwa F-Moll und Pis-Moll, „weltenfern“
»oneinander liegen. Sie ineinander zu verschmieren, ist Bar
darei, ist Mißachtung des kostbaren Materials, des Tonsystems
Man gebe die Tonart erst nachdem man selbst in ihr „lebt“,
an den Chor weiter: das geht bei dem Geübten schnell genug,
ind dauert es länger, nun so dauert es eben.
Man fange damit an, daß man sich das aus der Stimm—
ofeife genommene A selbst mit höchster Reinheit vorsingt (leise,

— 5 *

H. Sender Nachfolger
— Inhaber: A. Gernsheime
Saarbrücken 3
Bahnhofstrahße SSa/ Telephon 2749

Erstllassiges«

J

alhaus

für Betten / Bettfedern / Steppdecken
 / Daunendecken / Bettwasdche
 und Auflegematratzen
weihe Schlaf- u. Kinderzimmer
Grob; fes Lager in Kinder- u. Klappvagen

Hierher gehört noch das bekannte Kunststück mit den ver—
schiedenen Auflösungen des verminderten Septakkordes. Woh!
dem, der es fertigbringt! Es ist folgendes:
1. Schlage den Ton dis an, denke ihn als Grundton eines
verminderten Dreiklanges, singe ihn (dis fis a 6), fasse ihn
auf als VII. Stufe von E-Moll uͤnd singe nun den KMoll
Akkord, also: dis fis aà c hg e, wobei die letzten drei Tönr
ubwärts gesungen werden. Kontrolle am Klavier.
2. Schlage nochmals „dis“ an, singe wieder dis fis a c
fasse diesen Akkord aber diesmal auf als es fis ac, also als
VII. Stufe von G-Moll und singe nun den G-Moll-⸗Akkord, also
es fis à c buged; wieder die letzten drei Töne abwärts
sKontrolle.
3. „dis“ am Klavier, singe dis fis anc, fasse das auf als
es ges adc, also als VII. Stufe von B-Moll, singe also
es ges acc des bit, die letzten drei Töne abwärts. Kontrolle
4. „dis“ am Klavier, dis fis a c singen, als dis fis a his
auffassen, nach Cis-Moll, also dis fis a his cis gis e, die
letzten drei Töne abwärts. Kontrolle.
Nunmehr das besagte Kunststück: dis“ am Klavier, und dann
zlle vier Uebungen hintereinander, frei, Kontrolle erst nch denm
letzten Ton, also:
            
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