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Monafusschrift
Ueber Z00 Vereine mit uber Zo ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes
von Stndtschulrat Hans Bongard und Rektor Walther Stein, Saarbrücken.
Ddruck und Verlag der Buch—- und Kunstöoruckerei Bebr. Hofer A. G. Saarbrücken.
Völklingen und Leinzig. Bezugsnreis Er. 5.— vierteliährlich. Einzelnummer Er. 2.
Januar 1030
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Zur Jahreswende.
J n Hast und Unrast der flutenden Zeit und des bewegten
uLebens bringt der Klang der Silvesterglocken eine Stunde
stiller Besinnung. Eine Stunde stiller Besinnung sowohl
für den Einzelnen als auch für Kulturgemeinschaften, wie
Bund, Gaue und Vereine sie
darstellen. Es gilt Klarheit zu
zewinnen über das Verhält⸗
ais des Gewollten zu dem
Erreichten. Zu dieser Selbst⸗
besinnung und Selbstprüfung
müssen wir den Mut der
Wahrhaftigkeit aufbringen.
Stehen in Bund, Gauen und
Vereinen noch Männer in
führenden Stellen, die ein
zanzes Jahr lang nichts be—⸗
sonderes geleistet haben oder
die gar den eigenen Vorteil
oder die persönliche Ehre im
Auge hatten? Hoffen wir, daß
die kommende Jahresgeneral⸗
versammlung sie wegfegt!
Bringt man Euch Nachricht
von jeder Bundesvorstands⸗
itzung, von jedem Gautag, von
allen Musikausschuß⸗Sitzungen
— oder lebt Ihr mitten im
Saargebiet wie Robinson ver⸗
schlagen auf einer einsamen
Insel? Haben wir Ordnung
im Haushaltsplan, in den
Finanzen? Gibt das Kas—
senbuch von Gauen und Ver—
einen jeden Augenblick den ge⸗
wünschten Aufschluß, wie es
bei der Finanzverwaltung des
Saar⸗Sänger⸗Bundes der Fall
ist? Geld wird heute so sauer
exworben, daß der Arbeiter wohl
fragen darf, wo seine Beiträge
bleiben. Regiert bei Euch
der Vergnügungs⸗- oder der Musikausschuß? Werden
die Proben pünktlich und gewissenhaft besucht? Klebt der
Verein an musikalischen „Ladenhütern“ oder unterstützt Ihr
alle Euren Chormeister in dem Bestreben, wertvolle Männer⸗
chorliteratur zum Klingen zu bringen? Das neue Bundes⸗
buch gibt der Fingerzeige genug, und im Sängerheim Ludwigs⸗
berg wartet das Partituren⸗Archipv, um das andere Bünde
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uns beneiden, auf den Besuch der Chormeister des Bundes
damit sie vor Zusammenstellung ihrer Liedfolgen dort neuste
und beste Literatur einsehenzkönnen. Gibt es noch Vereine,
in denen man Chöre einpaukt, wie man Hunde dressiert, über
Stöcke zu springen, oder be⸗
reichert jede Probe Deine musi—
kalischen Kenntnisse, so—
daß Dir allgemach die Noten
wirklich Führung bedeuten?
Veranstaltet Ihr alle Jahre
eine Reihe von Konzerten
oder sammelt Ihr alle Kräfte —
je nach Leistungsfähigkeit —
auf ein oder zwei, aber aufs
allersorgfältigste vorbereitete
Konzerte? Finden sie vor Stuhl ⸗
reihen statt, oder steht noch der
Eifer des Chormeisters im Wett⸗
bewerb mit dem der Kellner
und Schankmädchen? Wundert
Euch nicht, wenn dann der
Dirigent eines Tages den Takt⸗
stock niederlegt. Gehört Euer
Verein zu den Lebenden und
Strebenden bei Wertungs—
singen, bei dem bevorstehenden
Bundessingen? Oder be—
gnügt Ihr Euch mit unfrucht⸗
barer, weil tatenloser, negativer
Kritik an dem, was die an⸗
dern alle, nach Eurer Meinung
so schlecht machen? Wißt Ihr,
daß Euch der Bund kostenfrei
Redner für Vorträge zur
Verfügung stellt, oder bescheidet
Ihr Euch bei Bier, Ball, kitschi⸗
gen Theaterstücken und soge⸗
nannten Operetten? Weißt Du,
daß wir eine eigene Bundes—
Zeitschrift haben, der man an
literarischem Wert kaum eine
andere an die Seite stellen kann? Kannst Du Dir vorstellen
daß sie nur Sinn hat, wenn sie auch gelesen wird? Wißt Ihr,
daß es in Saarbrücken auf dem Ludwigsberg ein Sänger⸗
heim des Bundes gibt, einen mit den Fahnen deutscher
Städte geschmückten Festsaal, verschiedene kleinere Nebenräume?
Alles vortrefflich geeignet für Proben, Konzerte, Feste und
Ausflüge.