Full text : 7.1929-1930 (0007)

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ushh Saar⸗Säuger⸗Bunde

Juln Seite 205

Aus der Musikwelt.

Zum Kapitel „Gesangswettstreit“ bringt die „Süddeutsche
Zängerzeitung“, Heidelberg, eine sehr beachtenswerte Be—
rachrung von Wilheim Vaniel. der wir solgende Zeilen
ntnehmen:
„Ist es reiner Zufall, daß sehr viele Sänger, die ehe—
dem eifrige Verfechter des Wettstreitgedankens waren, jetzt
abseits stehen und um keinen Lohn mehr zum Preissingen
zu bewegen wären? Ist es Zufall, daß fast alle ernstlich
trebenden Musiter, Dikigenten und Führer gegen den Wett
sttreit predigen? Ist es Zufall, daß gerade die guten Chor—
bereinigungen unserer Bunde und Gaue absolute Gegner
sind? Ist es Zufall, daß der Deutsche Sängerbund als Trä
gzer des Gemeinschaftsgeistes in seiner Ablehnung gegen
den „Woettstreit“ jederzeit klar und unzweideutig zu er—
ennen gab, daß in dieser Form „kein wirksames Mittel
der Kunst- und Kulturarbeit“ für die Männergesangvereine
zu erblicken sei?
Wie kam die scharfe Gegenstellung nach einem Zeitraum
bon kaum 30 Jahren? Wie war es möglich, daß von vorn—
herein so überraschende Erfolge sich zu gut schreiben konnte,
auf einmal mehr Haß und Fluch heraufbeschwor, als sie
rüher Enthusiasmus ernten konnte?
Es ist nicht schwer, bei einigem Nachdenken auf die rich—
ige Fährte zu kommen: Das „Licht“ stieg in die „Niederun—
gen“ herab und verblaßte. Was zu Anfang auf hoher Warte
n reinem Kunststreben begonnen, das endete undten in der
Bafse gemeinsten Geschäftsgebahrens. Winkelvereine, die nie
o weit gedacht hatten, ihre Liedarbeit in den Dienst ehr—
icher Kuülturarbeit zu stellen, konnten es wagen, „große
rationale Gesangswettstreite“ auszuschreiben, die Ver—
zeißungen hoher und höchster Ehrenpreise überboten sich
»on Jahr zu Jahr, Geld- und Dirigentenpreise mußten die
Zzugkraft erhöhen. Dann kamen die Auswüchse gemeinster
Arkt, die den Weg des guten Tones verließen.
Hat das so kommen müssen? Wenn der B. S. B. von An—
sang an sich der Sache bemächtigt, ihr Form und Richtung
zewiesen hätte, wenn seine musikalischen Führer vor 360
zahren schon die Entwickelung überwächt, die Auswüchse
ibgeschnürt und die erprobten Vorteile ausgebaut hätten,
dann hätten wir heute in den Bünden und Gauen nich
das zerfahrene Bild. Ich kann mir ganz gut denken, daß
der heutige „Wettstreit“ dem ehemaligen durchaus nicht mehr
ihnlich zu sehen und doch das Wort „Wettstreit“ nicht ver—
önt zu sein vbrauchte. Vielleicht wäre man dann auf
ꝛinem friedlichen für albe Vereine verständigen Weg all—
nählich — nach dem Gesetz der Entwicklung — zum Wer—
tungssingen gekommen. Wie die Dinge aber jetzt liegen,
assen viebe Vereine das Wertungssingen als eine Maßnahme
ruf, die von „oben“ diktiert wird, um dem Wettstreit den
Baraus zu maächen. Sie können nicht einsehen, daß bei der
diedarbeit vorwiegend seelische Werte zum Problem stehen,
die nicht zu messen und in keine Formel zu zwängen sind.“
Gegner des Wettgesangs! Der Schweizerische Arbeiter⸗
ängerbund hat in seiner am 12. Mai stattgehabten außer⸗
ordentlichen Delegiertenversammlung mit 112 gegen 25
Stimmen beschlossen, den Wettgesang abzuschaffen.
Deber die betrüblichen Vorgänge im Deutschen Sänger⸗
Bund schreibt soeben die bekannte Großdeutsche Sänger- und
Dirigentenzeitung, zugleich Frankfurter Sängerzeütung: „Go—
warnt. Daß der Hauptausschuß des D. S. B. wenigstens von
eineem Mitglied des Gesamtausschusses gewarnt wurde, ist
ein lichter Moment in der dunklen Affäre List-Redlin
Dieses Mitglied ist Stadtschulrat Bongard in Saarbrücken
gewesen, weshalb wir diesen Namen uns für die Zukunf!
zesonders merken wollen. Am 10. November 1928 übte
Bongard in seinem Brief an den Hauptausschuß energische
Kritik an Redlins Filmprojekt, wie er dies auch schon in der
Besamtausschußsitzung vor der Wiener Tagung tat. Weiter
zeanstandete er das Finanzgebahren des Bundes, die lotter
hafte Geschäfts- und Bücherführung und die unklare geld—
iche Gesamtlage. In dem Brief findet sich folgender Satz:
„Ich bin weder in der Lage noch Willens, die Verantwor—
ung für Pläne und Schritte mitzutvagen, bei deren Erörte—
zung und Durchführung mir nacht die Möglichkeit der
Ztellungnahme gegeben wird. Ich muß und werde meinen
Zitz im Gesamtausschuß niederlegen und mich dafür einsetzen,

daß der Saar-Sänger-Bund auf jede Vertretung verzichtet.“
Damit sprach endsfich einmal auch ein Gesamtausschußmit
glied kernhaft und beschleunigte die Aufdectung der Korrup
kiort.“

Verlag und Redaktion Deutsche Sängerwarte, Trier, tei
len uns mit: „Unsere nun seit 24 Jahren erscheinende Zeit
chrift erscheint nicht mehr weiter. Die Ungunst der wirt—
schaftlichen Verhältnisse im allgemeinen und fuür uns hier
m Westen, im vesetzten Gebiete noch im besonderen, ließen
zine Rentabilität nicht aufkommen. Große Opser brachten
vir schon eine Reihe von Jahren aus Idealismus zur
Zache, die wir aber nicht mehr tragen können. Die erhoffte
Unterstützung blieb aus, und so mussen wir es der Zutunft
iberlassen, ob es uns wieder möglich wird, den Verlag
der Zeitschrift später wieder aAufzunehmen. Unseren Ge
reuen nochmals herzlichsten Dank.“

Ein nenes Werk von Kaun. Hugo Kaun steht vor der
Vollendung einer dreisätzigen Orchestersuite „Alt-Heidel—
derg“, deren eingelne Sätze auf landschaftriche Stimmungs—
»ilder Heidelbergs Bezug nehmen. Der dritte Satz, betitelr
„Alt Heidelberg, du Feine“, findet seinen Höhepunkt durch
Yitwirtkung eines Männerchors.

Der Allgemeine Deutsche Masikverein hat beschlossen, das
Tonkünstlerfest im Jahre 1930 in Königsberg zu veran—
talten. Es ist damit zu rechnen, daß das Fest zugleich in
Bemeinschaft mit der 700-Jahr-Feier der Stadt Königs
herg stattfinden wird.

Ein neuer Partiturenkatalog. Der Chorverlag Karl Hoch—
stein, Heidelberg. versendet zur Zeit seinen Partituren—
atalog „W“ für Männerchor und zwar stellt er diese 21.
Ausbese seines umfangreichen Chorverlags den Dirigenten
vollständig kostenlos zur Verfügung. Der Katalog enthält
auch diesmal nur durchwegs wertvolle und brauchbare
Chorliteratur. Die 23 vollständigen Partituren weisen Na
nen auf wie Waldemar von Baußnern, Armin Knab,
Walter Moldenhauer, Hans Wagner-Schönkirch, Paul Ot—
denheimer, Robert Keldorfer, Bruno Stürmer u. a. Inter—
essenden mögen sofort bestellen, da die Auflagen dieser Par
tituren-Kataloge erfahrensgemäß stets schnell vergriffen find

Die Uraufführung des Männerchorwerkes „Deutsche Kan—
tate“ von Paul Gracner findet am 29. November durch
den Berliner Lehrer-Gesangverein unter Prof. Rüdel, die—
jenige des heiteren Chorwerkes „Die Gesellenwoche“ von
dem gleichen Komponisten am 30. November durch den
Leipziger Lehrer-Gesangverein unter Günter Ramin statt.
— Beide Werke sind im Verlage von Ernst Eulenderg,
Ldeipzig, erschienen.

Adols Fürstners Musikverlag, Berlin, teilt uns mit: Die
Erstaufführung des Werkes „Der Bürger als Edelmann“,
Komödie mit Tänzen von Molière, freie Bühnenbearbei—
tung in drei Aufzügen, Musik von Richard Strauß, in
bulgarischer Sprache wird im Laufe dieser Spielzeit auf
der Bühne des Nationaltheaters in Sofia stattfinden. Fer—
ner gelangt demnächst im Théätre Royal de la Monnaie in
Brüssel düe „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauß erst—
nalig in französischer Sprache zur Aufführung. Die Erst—
aufführung von Richard Strauß' „Intermezzo“ in Ungarn
and am 12. November d. J. im Hpernhaus zu Budapest
als Gastspiel des Nürnberger Stadttheaters unter Leitung
;es Dirigenten Wetzelberger statt; die Regie führt Ober—
cegisseur Rudolf Otto Hartmann. Ferner erhalte ich aus
Buenos Aires die Nachricht, daß die Erstaufführung der
hei meiner Firma erscheinenden Vier Sinfonischen Zwi—
chenspiele aus „Intermezzo“ von Richard Strauß im Teatro
Colon in Buenos Aires unter Leitung des Generalmusik—
eBꝛ Erich Kleiber mit großem Erfolge stattgefunden
at.
Genossenschaft Denutscher Tonsetzer. In der am 13. Ok
ober stattgefundenen Hauptversammlung der Genossen
schaft Deutscher Tonsetzer wurde nach gründlicher Aus
prache ein neuer Vorstand gebildet, der die Tonsetzer Dr.
stichard Strauß, Max Butting, Hugo Rasch, Arnold Ebel
und Heinz Tiessen umfaßt.
            
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