Full text : 7.1929-1930 (0007)

Seite 204 IB

UIIll Saar⸗-Sänger-Bund peet

77 Nr.

3 RMe). Wir gewinnen einen klaren Einblick in den ganzen
Umkreis der Berufsarbeit, die ungeheuren sozialen Nöte und die
Versuche zu ihrer Behebung. „Man möchte eine zaubermächtige
Gewalt im Herzen haben, um alle diese Armen mit einem
Schlage in ein klares, notbefreites Sein zu heben.“ Oft kann man
nur die Hände hinhalten, um das Leid zu teilen, alle Kraft
der Fürsorge ist dann in diesem Mitdabeisein beschlossen. In
Akten kann diese Fürsorgetätigkeit allerdings nicht gebucht
werden. Es ist eine feine Frau, die ihren Herzschlag für ihre
Arbeit eingesetzt hat, die uns hier von ihren oft dornenvollen
Wegen durch menschliches Elend berichtet, die uns aber auch
Finblick tun läßt in die Nöte des eigenen Herzens, aus denen
hr oft kein anderer Weg bleibt als in die — Musik! Das
zemütvolle Buch wiro gewiß besinnliche Leser finden.
Marianne Wolff, geb. Niemeyer, die Witwe Karl
Immermanns, „Leben und Briefe“. Herausgegeben in Ver—
bindung mit W. Birnbaum und D. Felir Wolff. Mit
fünf Kupfertiefdrucken, Ganzleinen 5,80 RM. Ernte-Verlag
G. m. b. H., Hamburg 26. — Die vorliegende Briefsammlung
ist eins der besten Bücher, die in den letzten Jahren erschienen
sind. Marianne Wolff ist 1819 geboren. Sie stammt aus dem
Geschlecht der Niemehyer in Halle und ist ein Nachkomme
August Hermann Franckes. Mit 20 Jahren heiratet sie Karl
Immermann und lebt als die gefeierte Gattin des Dichters
n glücklichster Ehe, tritt mit Tieck in Dresden, dem Weimarer
Treis sowie dem Düsseldorfer in Fühlung. Aber schon ein
Jahr später, wenige Tage nach der Geburt des ersten
Töchterchens, erliegt Immermann einer Lungenentzündung. Nach
sieben öden Winvenjahren findet Marianne ein neues Lebens
ziel in ihrer Ehe mit dem Eisenbahndirektor Guido Wolff
in Hamburg, in der die veichen Anlagen der einzigartigen Frau
zur vollen Reife kommen. Das ist der äußere Rahmen dieses
bielseitigen Lebens. Was die Briefe so anziehend macht, ist
die Sinnigkeit und die Klarheit des Urteils, wie die Tiefe und
Echtheit der Empfindung. Ob sie in den Reisebriefen an die
Kinder diesen einen Eindruck von den gewaltigen Bergen der
Schweiz oder von den Wunderlichkeiten Londons zu verschaffen
sucht, ob sie mit ihren Freunden von Büchern spricht oder
pon Menschen und Schicksalen, ob sie Gedanken über die
tiefsten Fragen des Lebens zum Ausdruck bringt, immer sind
die Worte in der Form vollendet, im Inhalt lebendig. Sie
zehören, wie schon Gutzkow urteilt, zu dem Schönsten, was
ziner deutschen Frau in dieser Form gelungen ist. Das Wert—
bollste aber ist, daß diese Briefe die mnere Entwicklung
Mariannes klar zeichnen. Hatte sie zuerst, zumal durch ihre Ehe
mit Karl Immermann, die Liebe zu allem Schönen mit Leiden—
schaft erfaßt, und versuchte, darin ihr Leben ganz aufgehen
zu lassen, so wird sie doch von Jahr zu Jahr weiter geführt,
bis sie dahin kommt, „nichts mehr anders als im Lichte des
Thristentums zu betrachten“. Aber das Wunderbare ist, daß sie
nach ihrer klaren Wendung die Welt des Schönen nicht ver—
läßt, sondern von dem neu gewonnenen Standpunkt aus le—
bendig alles durchdringt. So zeigen diese Briefe in ihrer
Hesamtheit das Schönste, was es auf Erden gibt: den Aufbau
eines Lebens, wie es von Gott durch Anlagen und Führungen
gestaltet wird. Und was aus Gottes Hand kommt, ist immer
etwas Wunderbares.
Marianne Wolff, eine deutsche Frau. Briefe an einen eng—
ischen Freund. Herausgegeben in Verbindung mit W. Birn⸗
baum von Dr. Felix Wolff. Mit dre Kupfertiefdrucken.
Sanzleinen 5,20 RM. Ernte-Verlag, Hamburg 26. — Das
röstliche Lebensbild seiner Mutter Marianne Wolff, der Gattin
und Witwe Karl Immermanns, das Hofrat De. Wolff vor
zwei Jahren der deutschen Frauenwelt schenkte, hat diese geistig
hochstehende Frau weiten Kreisen bekannt gemacht. In dem
»orliegenden Briefwechsel nun, den Marianne mit einem ihr
zeistig ebenbürtigen englischen Freund, Henry Sharpe, in den
Jahren 1850 bis 1873 geführt hat, vermittelt sie wertvolle
kinblicke in die Geschichte und das Geistesleben jener außer—
ardentlich interessanten Epoche. Ohne große Probleme zu be—
jandeln, spricht sie sich in diesen Briefen inm höchst anziehender

Form über Fragen und Erlebnisse aus, die beider Leben
ind Völker bewegen. Die in wundervoller Sprache geschriebener
Briefe spiegeln das Bild einer wahrhaft deutschen Frau wider
die trotz ihrer großen Lebensaufgaben als Mutter und Haus—
rau, als Wohltäterin der Armen und ihrer Freunde, sich den
köstlichen Besitz des Reichtums geistiger Schätze bewahrt hat
Fin Buch von großer Schönheit und besonderem Wert für die
deutsche Frauenwelt!

H. H.
Meister Frauenlobs Begräbnis.
n — Einer der ersten und berühmtesten Meister—
singer war Heinrich in Mainz, ein ernster und sinniger
Mann, welcher den Namen Frauenlob erhielt, weil er
in seinen Gedichten die Herrlichkeit der Frauen bries und
deren Krone. die gnadenreiche Himmelskönigin, die jung—

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endwig Richter, Frauenlobs Begräbnis.

räuliche Mutter Maria. Frauenlob starb zu Mainz im
Jahre 1317; da trugen die dankbaren Frauen wehklagent
seine Leiche von seiner Herberge bis zuür Grabstätte und
gossen süßen Wein auf sein Grab, daß dessen Fülle im
Umgang der Kirche floß.“

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