Full text : 7.1929-1930 (0007)

nphh Saar⸗Sänger⸗Bundss

Vuppphh Seite 2028

Kinder, darunter Cosima, schenkt. Einsam durchzieht Liszt
vieder auf Konzertreisen, die dauernde Triumphe sind, als
Virtuose die Welt, während er den tiefsten Sinn seines
Lebens nur noch in eigenen Tonschöpfungen sieht. Weimar
hietet ihm eine Stätte; die Liebe der Fürstin Sayn-Wittgen
soll ihn zu höchstem Schaffen beflügeln. Da erschüttert ihn
die Tannhäuser-Partitur des noch unbekannten Richard
Wagner aufs tiefste, denn was hier Ausdruck erhalten,
das hat er selbst gestatten wollen — den Kampf des gött—
ichen Elementes in uns mit irdischer Begier und, Liebe.
Dennoch wird er der Förderer, Prophet und Freund Richard
Wagners, dessen Dämon ihn immer wieder anzieht und
abstöößt. Wie sich zugleich Liszts Seele mehr und mehr der
himmlischen Liebe, seine Musik religiösen Klängen zu—
vendet, bis er als Abbé die Weihen empfängt, Alle diese
rebensschicksale des großen ungarischen Virtuosen und
Komponisten sind in diesem von starker Handlung durch—
zulsten Roman mit reifer Kunst ergreifend dargestellt.
Sranziska von Altenhausen, Roman aus dem Leben
ꝛines berühmten Mannes in Briefen aus den Jahren
1898 -1903. Aus einem echten Briefwechsel gestaltet von
Johannes Werner. Koehler K Amelang, Leipzig. Ganz⸗
einenband 5,50 M. Kein erdichteter Roman, sondern
erlebte Wirklichkeit; die späte Liebe eines berühmten Ge—
lehrtren zu einer jungen Freundin aus altem Geschlecht,
— ein Gegenstück zu Goethe und Frau v. Stein. Wie
diese Liebe aus den Anfängen eines wissenschaftlichen Ver—
sehrs zu einer unbezwingbaren Leidenschaft heranwuchs,
die sein Schaffen im Jahrfünft höchsten Weltruhms ent—⸗
scheidend beeinflußte uünd an ihre menschlichen und
zgeistigen Eigenschaften die höchsten Anforderungen stellte,
ist in einem reéizvoll intimen Briefwechsel festgehalten.
Das Auf- und Niederwogen der Gefühle und Stimmungen,
der Widerklang persönlichen Zusammenseins in den Briefen
berleiht dem Ganzen einen bestrickenden Zauber und
läßt die Spannung bis zum traägischen Ende nicht ab—
reißen. Ueber die Persönlichkeit der „Freundin“ ist ein
undurchsichtiger Schleier gebreitet, doch wird es vielen
möglich sein, die harakteristische Persönlichkeit des welt—
berühmten Gelehrten trotz des Pseudonyms zu erkennen,
so daß das Buch über den literarischen Wert hinaus noch
einen besonderen sensationellen Reiz erhält. Darum soll
mehr auch nicht verraten werden!
Charlotte von Zastrow-Loeben Maria Fee. Koehler & Ame—
ang, Leipzig. Ganzleinenband 7 RM. — Schon nach dem
desen weniger Seiten erkennt man, daß Maria Fee keine all⸗
ägliche Neuerscheinung, sondern ein Werk von ganz eigenartigem
Reiz und Zauber ist. Die formschöne Sprache und der oft
fast legendäre Stil — ein wenig auch die Umwelt — exrinnern
in Agnes Günthers „Heilige und ihr Narr“, doch sind die
ßrobseme ganz andere.Charlotte von Zastrow-Loeben ist eine
Jeborene Dichterin, sie hat den uralten Exrlösungsgedanken der
sjebenden Frau und den ebenso alten Glauben an die Kraft
eines Fluches, der sich von Geschlecht zu Geschlecht forterbt,
osycholoͤgisch ungewöhnlich fein vertieft, sie rührt an die ge—
eimsten Regungen der Seele, an die innigsten Beziehungen
wischen Mann und Frau. Wie der vom Schicksal geschlagene
etzte Erbe von Herrenklingen und Maria Fee ihren schweren
Weg unter Verzicht auf herkömmliches Glück zu Ende gehen,
wird jeder Leser, bezwungen von der Schönheit der Sprache und
im Banne stets neuer unerwarteter Konflikte und Lösungen in
nie ermüdender Spannung miterleben. Zweifellos ist das Werk
Aines der eigenartigsten und lesenswertesten, die in letzter Zeit
erschienen sind, und dürfte nicht, nur das Frauenbuch des
Jaͤhres werden, sondern überhaupt jeden Gebildelen interessieren.
Frauenleben und Frauenschaffen.
Wir brachten bereits in unserer ersten Frauennummer Bild und
Würdigung von Dentschlands größter Dichterin, der Freiin
Annette von Droste-Hülshoff. All denen, die sich
n Leben und Schaffen der gottbegnadeten Frau versenken möch—

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len, ist soeben eine treffliche Handreiche geboten durch das im
Ernte⸗Verlag Gem.b. H., Hamburg, erschienene, liebevoll aus—
gestattete Werk: „Von der getrosten Verzweiflung“, Welt, Mensch
uünd Gott in den Dichtungen der Annette von Droste-Hülshoff
oon E. Hollweg. Der mit feinstem psychologischen Fingerspitzen—
zefühl, begabte, Autor erschließt uns hier die innere Welt
her Dichterin, ihre Weltabgeschiedenheit und ihre Sehnsucht nach
Stille und Frieden, ihre unlösliche Verwurzelung mit den ge—
jeimnisvollen, nebelverschleierten Heiden und stillen Heidemenschen
hrer westfälischen Heimat, ihre menschliche und künstlerische
Zelbstgewißheit, ihre Bereitschaft für das Leid und ihr Verstehen
ür Schuld, ihren erschütternden Glauben an die Solidarität
»er Sünder, ihren unbeugsamen Wahrhaftigkeitssinn, ihr
'austisches Grüblertum, ihr Ringen um Gott und ihre rührende
dingabe an den Deus éaritatis! Uns begegnen die Menschen
vieder, die ihren Lebensweg kreuzten: Professor Schlüter, Levin
Schücking, aber auch Vikar Wilmsen und die brave Webersfrau
Maria Katharina Pettendorf. Aber vor allem Annette selbst
zegegnet uns in diesem freisinnigen Werk, das die Rätse!
hres Dichtens geist- und gemütvoll beleuchtet und löst, na—
nentlich wird der Leser dankbar sein müssen für die Erklärung
des Epos „Die Schlacht im Loener Bruch“ und für di—e
deutung des „Geistlichen Jahres“.
Wie Gott mich rief, von Maria Rafaela Brentano. Mein
VWeg vom Protestantismus in die Schule St. Benedikts. Mit
»inem Titelbild. Herder, Freiburg i. Br. Leinwand 6,60 RM
Fingefügt in die Schilderung eines nicht gerade alltäglichen
Frauenschicksals und in die Geschichte einer nach Wahrheit
uchenden Seele finden wir in diesem Buche ganz unvermutet
ein farbenreiches Bild des sozialen Lebens in Deutschland
uind Oesterreich, einen Ausschnitt aus der katholischen Frauen—
»ewegung unserer Zeit, wie die meisten von uns sie selbst
toch müserlebt haben. Und da erinnern wir uns, daß sich
zinier dem Klosternamen der Verfasserin eine Frau birgt,
zie noch vor kaum einem Jahrzehnt mitten im sozialen Leben
ind Arbeiten Wiens stand, um dann, den meisten ihrer Mit—
irbeiterinnen völlig unerwartet, vom Schauplatze des öffent
ichen Wirkens zu verschwinden — wohin, ersehen wir ersi
aus diesem Buche. Was sie dazu veranlaßt und wie — man
möchte sagen — fühlbar und sichtbar die Hand Gottes sie
dabei geleitet hat, erzählt die Verfasserin ebenso offenherzig
vie lebenswahr. Katholische Frauenbünde und vwereine sollten
hre Mitglieder auf dieses Buch aufmerksam machen.
„Dem Andenken unserer gefallenen Brüder“ widmet Else
5hrödl ihr bei Englert & Schlosser, Frankfurt a. M. in
chöner Ausftattung erschienenes, von hohem vaterländischen
—„chwung beseeltes Werk: „Aus dem Tagebuch einer deutschen
Frau'.. Die Gattin des bekannten Malers Robert Schrödl läß!
ins in ihren lebendigen Aufzeichnungen die Kriegs- ünd Nach—
riegszeit vortrefflich miterleben, Die, so tief in jedes Leben
inschneidenden Geschehnisse des Weltkrieges und der Revolution
assen bei Else Schrödldas reiche gesellschaftliche und künstlerische
deben, in dem sie mit starker Anteilnahme stand, verblassen.
Sie ift eine der Frauen, die aus den Tiefen ihres Frauentums
seraus Krüfte schöpfen kann, um sie für das Vaterland ein⸗
usetzen. Wir ersehen aus ihren Tagebuchblättern, wie sie sich
n der Heimat aufopfert für Verwundete und Kriegshinter
liebene.“ Alle Erfahrungen dieser sturmbewegten Zeit lassen
toch heute jeden Deutschen viel Leid empfinden: So auch Else
Schrööͤl. Uüd doch sagt sie von sich, daß ihre Seele gerade
zurch dieses Leid reifer geworden, daß sich ihr auf rauhen
pfaden höhere Sphären offenbart haben. Das hofft sie auch
hon unseremn Volk und Vaterland. Ihre Aufzeichnungen klingen
deshalb in dem Gedanken, aus, daß der feste Glaube jedes
deulschen Herzens lauten soll: „Per aspera ad at
In der sozialen Tätigkeit kommen die pflegerischen Kräfte der
Frau zu besonders wertvboller Entfaltung. Deutlich wahrnehmbar
spricht es aus dem „Tageönch einer Fürsorgerin“ von Hedwieg
Stieve, Verlag F. MA. Herbig Gimib.H., Berlin (reis

BrMM'* —ILL
— —— von vorzüglicher Bekömmlimkeil.
            
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