KAr.
Saar⸗Sãñuger⸗Bund
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ohne Noten gewann sie den Aufstieg, nahm die Laute wie
einen Menschen, den man durch Zufall kennen lernt, von
dessen tiefftem Wesen man dann täglich neu überrascht
vird und dem man in glücklichen Augenblicken Geheimstes
ablauscht. Heute steht Elsa Laura von Wolzogen auf
der Höhe der Kunst. Aber der blauen Wunderblume des
Volksliedes hat sie ihre Liebe erhalten, es ist ihr oft wie
ein Glockenläuten. Sie sagt mit Recht: „Man kann den
Lautenton nicht verstärken, die Begleitung wird immer
etwas dünn klingen, aber ist die Laute darum in ihrem
Charakter minderwertig? Das Klavier übertönt die Zart—
heit des Volksliedes allzu sehr. Allzu überladene Be—
jleitungen machen sich breit und verkünstelte Harmonien,
die dem schlichten Wesen des Volksgesangs widersprechen;
die Laute bleibt die einzige richtige Begleitung für das
Volkslied.“
Als Künstlerin hat Freifrau von Wolzogen erfolgreich
zie ganze Welt durchmessen, aber aus ihrem feinen Ver—
ständnis für Schlichtheit und Tiefe des Volksliedes heraus
ist sie auch zur Schöpferin zahlreicher Bearbeitungen und
zigener Kompositionen geworden. Im vorigen Jahr er—
schien dann ein kleines Chorwerk, auf das hier aufs nach—
drücklichste hingewiesen sein soll: Wanderung am
Rhein, ein Sinn- und Singgedicht für Männerchor und
Sopransoli, das vom Grazer Schübertbund uraufgeführt
wurde und am 6. Februar dieses Jahres durch den
Münchener Rundfunk unter eigener solistischer Mitwirkung
weitesten Kreisen bekannt geworden ist. St.
VNanny Lambrecht.
Sie wollen Ihrer Bundeszeitschrift eine Sonder—
nummer über die Frau in der volkstümlichen Kunst—
oflege beifügen. Ein schöner und zeitgemäßer Ge—
danke. Und es ist auch ein bahnbrechender Gedanke.
Die Frau hat sich heute in fast allen Berufen durch—
zesetzt, oder doch gezeigt, daß es ihr Ernst damit ist,
aus ihrem bisherigen Konservatismus herauszugehen.
Nur in der Musik hält sie sich unsicher zurück. Hier
schafft es nicht nur der Fleiß und der Wille, sondern
die Begnadung. Darum sehe ich mit warmem In—
teresse dem Sonderabdruck entgegen und begrüße Sie
herzlich als „Auch-Musikerin“.
In ihren Kriegsromanen „Die eiserne Freude“
ind „Die Fahne der Wallonen'“, erschienen im
Verlag von Egon Fleischel K Co., Berlin, schildert Nanny
Lambrecht die Begeisterung, mit der Deutschlands Jugend
in den Kampf zog. Sie zeigt darin, wie Einzelschicksal ver—
chwindet vor dem einen großen Gedanken an das Vater—
and, der die Allgemeinheit erfüllt. Sie schildert die
S„chrecken und Greuel der Kämpfe in Belgien, aber mit
einem Verständnis auch für die Empfindungen des Geg—
rers. In dem Buche „Der Gefangene von Belle—
zJeannette“ — Verlag August Scherl, G. m. b. H.,
Berlin — wird dem Leser in erschütternden Bildern das
Nanuny Lambrecht.
Das Rätsel der Frau! Immer wieder hört mans,
schreibt mans, singt mans, lobt mans, verwünscht mans.
Und noch heutigentags hat männiglich das Rätsel noch
nicht gelöst.
Wenn du verliebt bist, glaubst du, daß die Ehe ein
lebenslanges Picknick ist. Oder: Hand in Hand mit ihr
lihm) im Kind sitzen. (In früheren Zeiten war es der
Mondschein.) Gemeinhin denkt sich der Mann die Sache
so wie bei der Elektrischen: erst läuft er besessen hinter
ihr her, um sie einzuholen, und hat er sie erreicht und
sitzt drinnen, dann maächt er es sich bequem und ruht
aus von den Strapazen. Bei diesein Ausruhen verblassen
dann allgemach die Illusionen. Der Mann bleibt bei
diesen Enttäuschungen immer der Philosoph. Philosophie
nämlich, die — nach Shakespeare für alles gut ist — so—
gar gegen Zahnschmerz. Er hat weder Zeit noch Lust,
seine Frau zum Gegenstand einer philosophischen Studie
zu machen. Er findet sich schlechtweg damit ab. daß die
Frau eben ein Rätsel ist.
Nein, meine Herren, die Frau ist kein Rätsel. Die
Frau ist in der Partitur des Lebens der Violinschlüssel
er muß immer mit der rechten, d. h. richtigen Hand
gespielt werden . Nannn Lambrecht.
Nanny Lambrecht mit ihrer Gefährtin in ihrem Heim.
Treiben und Schaffen des Feindes hinter der Front ge—
eigt, fesselnde Bilder von ungeheurer Tragik. Nanny
dambrecht führt uns in dem Roman „Der heimliche
ßast“ — Verlag August Scherl, G. m. b. H., Berlin, —
n die französischen Verhältnisse zur Zeit Napoleons III.
in. Das prunkvolle Leben am Hofe und den dazu ge—
zörenden Kreisen, vor allem auch in den Kreisen der Hoch—
inanz, wird glänzend geschildert. Aber hinter allem
ßrunk und Glanz zeigen sich Hohlheit und Intrige in
rassester Nacktheit. Der Roman „Die Kinder Kains“
— erschienen im Verlag Augufst Scherl, G. m. b. H.,
erlin — führt den Leser über das Meer zu den Stämmen
er Eingeborenen, die in stiller Zurückgezogenheit in ihren
ilten Sitten und Gebräuchen dahinleben. Es ist ein
Bolksstamm, auf dem der Fluch ruht. Die Kinder Kains,
ie Kinder der Brudermörder, die ewig unter diesem Fluche
zu leiden haben. Ein neuer Kampf beginnt für sie, als
zie Weißen mit Missions-- und Kolonisationsgedanken zu
hnen kommen. Nanny Lanbrecht schildert in einer leb—
aften Sprache die bittere Not, den Zorn und die Qualen,
hie dieser Volksstamm erdulden muß, und wie er schließ—
ich doch erliegt. Der Fluch erfüllt sich. Doch aus dem
ilten, schuldbeladenen Königsstamm erwächst ein neuer
zweig, der, beim Untergang gerettet, ein schuldloses Ge—
chlecht aufbauen soll. Mit feinem Verständnis charakteri—
iert die Schriftstellerin uns in dem Werk Overstolz“.
— Verlag Koehler K Amelang, Leipzig — den unter—
gehenden“ Adel. Typisch zeichnet sie die beiden alten
—„chwestern des Barons, die an der Tradition haften und
ich über das frohe, frische, dem Zeitgeist folgende Mädchen,
damilla, nicht genug entrüsten können. In diesem Buche
ehrt sie uns Fden fiefen sittsichen Mort dor Nyrhoeit or—
Nanny Lambrecht ist ein Kind unserer Heimat,
des Rheinkandes. In dem Hunsrückstädtchen Kirchberg ge—
zoren, verlebte sie den groͤßten Teil ihrer Jugend im
Rheinland und in der Wallonie. In ihren fesselnden Ro—
maͤnen vergegenwärtigt uns die Dichterin Landschaft,
Menschen und heimische Menschen- und Volksschicksale und
zeichnet mit treffenden Strichen den lebenslustigen Rhein—
änder, das frische, lebensprühende rheinische Maädchen, den
hwersalligen Huͤnsrückbauern und neben ihm die Bäuerin
nit gsJ ißron GSoroen. Neiden UuUnd Mühen