Full text : 7.1929-1930 (0007)

tand, beschämt vor sich niederblickend und seine Mütze in den
zänden drehend.
„Nunu Franzl, willst du mir nicht noch mehr vorsingen?“
vagte die Dame und setzte schnell hinzu, als sie sah, wie er
zxschrocken errötete, „du brauchst dich nicht zu fürchten, nur
ür mich ganz allein sollst du singen, und ich werde mich sehr
iber deine Lieder freuen.“
Da nickte der Franzl schüchtern, aber seine blauen Augen
trahlten zu der Dame empor, die ihn bei der Hand ergriff
ind hinter einer weißlackierten Tür mit ihm verschwand.
Die übrigen Buben sahen ihnen verdutzt nach, machten sich
hre Gedanken und waren nicht wenig neidisch auf den Franzl,
zer ein solches unverschämtes Glück hatte. Als sie dann aber
vieder ebenso schöne Geschenke von der freundlichen Mamsell
»rhielten wie im vorigen Jahr und Aepfel und Nüsse noch
bendrein, da trotteten sie ganz zufrieden ab mit ihrem reichen
Zegen. Der Franzl war eben immer ein Besonderer, und
veun sie's sich recht überlegten, gern hätten sie nicht einmal
drin bei der gnädigen Frau stehen mögen, sie hätten doch
—— vor Verlegenheit keinen Ton über die Lippen ge—
zracht.
Dem Franzl war es ähnlich zumute, als er nun in dem
vunderschönen Zimmer mit den vielen Polstermöbeln auf dem
veichen Teppich stand, auf dem er keinen Schritt vorwärts zu
un wagte. Die Gutsherrin aber fragte ihn, wer er sei und
wo er wohne. Und es ging dem Franzl ganz merkwürdig,
als die freundliche Stimme zu ihm sprach, vergaß er ganz,
daß er der arme Schneiderbibb war, der in dem vrächtigen
zimmer des vornehmen Hauses, in dem er auf einem Stuhle
aß, wie es anderswo überhaupt keine gab, doch gar nichts
zu suchen hatte, nein, er sah nur die lieben Augen, die ihn
fütig anlächelten, und da wurde es ihm ganz warm ums
derz, und voll Zutrauen erzählte er seine Lebensgeschichte.
uͤnd so hörte die freundliche Dame, daß der Franzh ein armes
Waisenkind war, sie hörte vom guten Schneideronkel und von
der Tante Meisterin, Franzls Schneiderkunststücke erstanden vor
hren Augen, und mit liebevoller Teilnahme stellte sie Zwischen
ragen, so daß Franzl schließlich auch mit seiner Sehnsucht
ind seinen Träumen herausrückte.
„Das Singen,“ brachte er hervor, und sein begeistertes Ge⸗
ichtchen glühle über nud über, „das Singen ist das schönste!“
„Nun, so sing mir noch etwas,“ bat die Dame, setzte sich
in den Flügel und spielte einen Choral. Franzl kannte ihn
jenau, und da war auch alle Scheu überwunden, er fiel mit
einer silberklaren Stimme ein und gab sich noch extra Mühe,
im die liebe Dame recht zu erfreuen. Wie eine Engelsstimme.
o schwebte der Gesang durch den, Raum. Ein stilles Leuchten
und Freuen lag auf' dem Gesicht der Gutsherrin. „Gott⸗
begnadet!“ murmelte sie vor sich hin. Noch ein paar andere
dieder sang Franzl, und seine helle, junge Stimme jubelte
zurch das Haus, daß auf dem Flur alles Dienstpersonal lauschte
ind verwundert einander fragte: „Welch prächtiger Singe
vogel ist da ins Haus geflogen?“
„Ein Singvogel?“ sagte die Wirtschaftsmamsell und rieb sich
die Augen, ein Englein vom Himmel, meint ihr wohl!“
Liebkosend strich die Herrin über den blonden Scheitel, als
Frauzl seinen Gesang veendet hatte. „Was willst du denn
inmaͤl werden, mein Kind?“ fragte sie.
Ueber Franzls Gesicht glitt ein Schatten. „Gar zu gern
nöcht ich Kantor werden,“ fuhrs ihm heraus, „Sonntags in
er Kirche die Orgel spielen und die Schülkinder singen lehren.
Aber da müßt ich aufs Seminar gehen und Musikstunde nehmen,
agt der Herr Kantor, und das kostet viel Geld, das kann der
ODnkel nicht bezahlen. Und so muß ich wohl Schneider werden
vie er“ schloß er betrübt. Aber dann, besann er sich, daß
er damit vielleicht dem guten Onkel ein Unrecht zugefügt hätte,
ind schnell setzte er hinzu: „Doch singen känn ich dann ja
auch, ich finge schon jetzt immer bei der Arbeit, da geht es
toch einmal so schön“
Gerührt schaute die Dame den kleinen zarten Buben an,
mit den strahlenden blauen Augen, in denen so viel Sonnen⸗
schein lag, und sie sagte zu ihm: „Nun Franzl, ich danke dir
recht sehr für deinen schönen, Gesang. Geh jetzt nach Hause
inbe sage deinem HOnkel, ich ließe, ihn bitten, einmal zu mir
sun kommen, ich möchte etwbas mit ihm besprechen. Und zur
helohnung dafür, daß du mich so erfreut hast, will ich dir
etwas für deine Sparbüchse schenken, vielleicht wirds der An⸗—
ang zum Herrn Kantar“

—AVoo-»o,n

—Ahithl SaareSänger-Bund sIIllPhnurzunur—

Allsu Seite 199
Die Menschen mögen in ihrem Wahn ihre Kämpfe
im Macht und Besitz ewig fortführen. Weit über
hrem kleinen Treiben steht das wahrhaft Schöne, Edle
und Große.
Deutsche Kunst und Wissenschaft werden unberührt
veiter leuchten wie Sterne am Himmel. Die Helden
der Ton- und Dichtkunst, ringend um die Ideale der
Menschheit, werden stets das höchste und reinste Deutsch—
um verkörpern, das die Welt immer von neuem be—
seelen und begeistern wird.
Elisabeth Huhyper.

Komponistin Elisabeth Kuyper, Gründerin des Frauen⸗GSinfonie—
Orchesters in Europa und Amerika.

Ihren deutschen Sängergruß erwidere ich von ganzem
derzen. Sie tün dasjenige, was fehlt in unserer Zeit.
Sie wenden sich an die Seele des Volkes und auch an
die Seele der Frau! Ich wünsche Ihnen vielen Erfolg
uind werde gern tatkräftig mithelfen bei Ihrem Streben.
Elisabeth Kuyper.
Festkantate von Elisabeth Kuyper. Es wird
ioch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Festkantate
ür Chor (Frauen- oder Männerchor) Orchester (ev. Klavier),
deklamation und Soli erschienen ist beim Verlag Ernst
Fulenburg, Leipzig. Das Werk ist in unserer 1. Frauen—
ummer äusführlich besprochen worden. Die Partitur, der
Tlavierauszug und die Chorstimmen sind gedruckt. Das
Irchester-Material ist leihweise zu haben.
Die Komponistin dieser Festkantate für Chor, Soli,
deklamation und Orchester wird demnächst einige Chöre
— auf die nachdrücklichst hingewiesen werden
oll:
„Die Hymne an die Arbeit“ ist nach klassischen
Zprüchen zusammengestellt, eine feierlich, ernste Kompo—
ition für Chor und, Solo mit Orchester⸗ oder Klavier⸗
»egleitung. Das Werk wird für Männer- sowohl wie für
Frauenchor und gemischten Chor herausgegeben werden. Es
jt sehr dankbar und melodiös, dabei einmal ein modernes
Werkt, welches nicht eine zu schwierige Aufgabe an die
S„timmen stellt.
„Erinnerung“ ist der Titel eines andern Chores,
vozu die Komponistin selbst den Text verfaßt hat. Es ist
insern lieben Verstorbenen gewidmet. Auch dieses Werk
vird für Männer⸗, sowie für Frauen- und gemischten
chor erscheinen. Tiefernst unnd ergreifend drückt es in
Tdönen aus, was in manchen Herzen verborgen ist, und
nanche Seele wird beim Hören mitklingen.
Es sei weiter aufmerksam gemacht auf ein Trio für
Klavier, Violine und Violoncell, welches bei Eulenburg,
—RV
            
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