Nr. 9 Inlullueneze.t.n
Dem Saar-Sänger-Bund sende ich aus be—
nachbartem, nun schon elf lange Jahre von franzö—
sischen Truppen besetztem Gebiet einen Gruß, aus der
Gewißheit heraus, daß deutsche Tonkunst, deutsches Lied
am stärksten mit dem deutschen Vaterland verbindet
und niedergedrückten Seelen immer wieder neue
Schwungkraft verleiht. Darum habe ich einst, nach
Kriegsende, in befreundeten Arbeiterkreisen Verständnis
für die Großen unter unseren klassischen Meistern zu
wecken versucht, habe unter Arbeiterinnen einen Frauen—
chor gegründet, der gemeinsam mit Herren aus dem
Arbeitergesangverein edelste deutsche Tonkunst pflegte.
Darum durfte ich weiterhin für Jugend aller Kreise
neben erwachsenen Zuhörern) Beethoven- und Schubert-—
Gedächtnisfeiern mit gestalten, und erste deutsche Künstler
sKonrad Ansorge, Maria Philippi, Ludwig Wüllner,
Cuuiiishhhl Saar-Sänger-Bund sssphpophr iummhpph.nr,!
zhre 1901 in Bonn erschienenen Jugendgedichte, ihr
1921 von E. F. Amelang, Leipzig, verlegter Entwicklungs—
oman: „Von Sehnsucht und Reichtum“ sind ver—
zrifsen. Wertvoll sind auch heute noch ihre Werke er—
zieherischen und sozialpolirischen Inhatts: Die Frau in
der Familie, ebenfalis im Amecang-Verlag, Die Er—
ziehung des Kindes zur Gesundheist und Ar—
deritsfreudigkeit in der Union Deutschen Verlags—
gesellschaft, Stuttgart, Jugenderziehung und
Voltswohlfahrt bei J.C. B. Mohr (Gpaur Siebeck)
n Tübingen und Die Frauenbewegung, ihre Ziele
ind ihre Bedeutung, im gleichen Verlag. Ehe, Famirie und
Erziehung sind Gebiete, auf denen sie auch heute noch füh—
ꝛend mitarbeitet. So auf den sozial-ethischen Konferenzen
»er letzten Jahren, in Abderhaldens Ethik, im Türmer und
n den soeben bei Bertelsmann in Gütersloh erschienenen
ßzuche „FKFampf um die Ehe“.
Es ist sehr erfreulich, daß eine Reihe von Frauen, die
der Frauenbewegung Richtung, Ziel und Schwungtraft ge—
jeben haben, auch zur Aufzeichnung ihres eigenen, aufs
igste mit diesen Kämpfen verwurzelten Lebens geschritten
sind. So auch Elsbeth Krukenberg in dem oben genannten
Entwicklungsroman Von Sehnsucht und Reichtum,
der wahrlich wert wäre, neu aufgelegt zu werden. Denn in
hertha Wieser erkennen wir unschwer die Verfasserin selbst.
derzerhebend spiegelt der Roman wieder, wie die Dichterin
richt nur die Geschichte ihres Lebens, sondern auch die ihres
Volkes mit heißem Atem miterlebt hat; drei in unserer
heutigen Nummer wiedergegebene Stellen bezeugen es aufs
beste. Mit feinem Stift sind die Kulturbilder gezeichnet: das
Wien Kaiser Franz Josephs, das Berlin kurz nach der Zeit
der Reichsgründung, deutsches Leben in Groß- und Klein—
stadt, im Bürgertum, auf Universitäten, in Kunst und Kirche.
Der rote Faden des Romans ist natürlich Kritik und Auf—
bauplan des neudeutschen Bildungswesens oder deutdicher
die Darstellung des weiblichen Bildungsideals. So ist der
Roman Tendenzroman, aber ohne aufdringlich zu sein und
von durchaus reifen künstberischen Qualitäten.
„Ach, Gott. was soll denn aus mir werden? Ja, wenn ich
Robert wäre, der kann alles werden, was er will? Aber
ich? Ich bin dach nur ein Mädchen. Ich habe gar nichts vor
nir, was Zweck 5 — in zu engem Kreise wächst man
nicht, man übt nicht die Kräfte, man bekommt keine Lebens⸗
»rfahrung, man sieht nichts von Welt und Menschen“..
„Darauf kommt es auch nicht an für ein Mädchen. Es
oll lernen Rücksichten zu nehmen und sich zu bescheiden.
Zich in enge Grenzen fügen zu lernen ist die Hauptlebens—
ufgabe sos einer jeden Frau.“ ... Zu Hause sitzen, malen,
n den Gesangverein, das Kränzchen, zur Kaffeevisite, zum
Ball gehen, Klavier spielen, amüsieren, ... heiraten ...
Mit diesem Grundproblem beschäftigt sich der Roman, und
zie Verfasserin setzt sich nun mit warmer Beredsamkeit für
»as neue Frauenideal ein: Schulung des jungen Mädchens
im Leben und für das Leben, Gesinnungspflege und Er—
ziehung zum Verantwortungsbewußtsein, stark machen zur
Erfüllung von ernsten Lebensaufgaben, Erschließung der
»azu noswendigen Bildungsgelegenheiten, Ausrichtung auf
den Doppelberuf des Weibes, Beanspruchung der Frau für
»as öffentliche Leben in Schule, Kirche, Gemeinde und
Zztaat. Es muß doch beglückend sein, nun noch sehen und
rleben dürfen, wie piele dieser Forderungen im demokra—
ischen Deutschland längst Erfüllung geworden sind, be—
eiligt gewesen sein, Gedanken in die Welt zu bringen, die
rach Nietzsches Wort: „mit Taubenfüßen kommen und die
Welt lenten“.
Wer beglückende Stunden mit dieser feinen, herzenstiefen
Frau verleben will, greife zu „Die Frau in der Fami—
üe“, in der schlicht und gewinnend der ganze Kuturauf—
zabenkreis der deutschen Frau umschließen wird: die Egde,
—DD0——
Beist des Hauses, Haus und Familie in ihren Beziehungen
ur Außenwelt, Frauenpflicht und Außenwelt. Ein wahres
Brevier für die deutsche Frau, eine die gesamte Problematik
estlos aufhelende, richtungweisende Lebenskunde auf dem
‚errlichen Grunde reinsten Familienethos. Die niedrigen
VLinde frauenrechtlicher Plänkereien und Zänkerzien wehen
zier nicht: es ist Gottes Sturm, der über die Menschheits—
gipfel braust, der uns hier umweht. Von dieser hohen
Varte aus bleiben nicht unerhört: Brautstand, Ehe und
Ehescheidung, körperliche, seelische und sittliche Emporbil—
„ung des Kindes. Elternoflichten und Kindesrechte. Schule
»v pp Seite 187
Elsbeth Krukenberg⸗Konze.
Beorg Walter, Palma und Gisela von Paszthory
u. aim.) waren mir hilfreich, um große Tonschöpfer
der Vergangenheit und der Gegenwart auch solchen zu—
zänglich zu machen, die nur über geringe oder gar
keine Geldmittel verfügten.
Worin wurzelt deutsches Volkstum? in bodenstän—
digem Heimatbewußtsein. Aber darüber hinaus in
Wissen von deutscher Kultur, in festem Verbundensein
mit all den reichen Schätzen künstlerischer und geistiger
Werte, die das deutsche Volk nicht nur für sich selbst,
sondern für alle kulturempfänglichen Völker geschaffen
hat und noch heute schafft. Ueber alle Gegensätze im
eigenen Volk, aber auch über alles politische Verhetztsein
zwischen den Völkern hebt uns die Gottesgabe, die
Musik, hinaus, die in unserm geliebten deutschen Lande
boon jeher besondere Pflege gefunden und immer wieder
heanadete Neuschöpfer erstehen ließ.
Elsbeth Krukenberg⸗Conze.
Elsbeth Krukenberg-Consze wurde 1867 in Halle
a. d. Saale als Tochter des bekannten Berliner Archäologen
Alexander Conze geboren, besuchte die Privatmädchenschulen
in Wien, Berlin und Charlottenburg, verheiratete sich mit
dem Bonner Frauenarzt Universitäts-Professor G. H. P.
Krubenberg und zog später nach dem Tode ihres Mannes
nach Kreuznach — stets neben ihrer Arbeit im Dienste der
Frauenbewegung und des sozialen Hilfswerkes mit ethisch—
beligibsen 8der duch künstlerischen Problemen beschäftigt