Full text : 7.1929-1930 (0007)

Seite 184 III »ph Saar⸗Sänger⸗-Bund!
Oder durch ganz Deutschland bekannt: Backe, backe Kuchen, der
Bäcker hat gerufen! Wer will guten Kuchen backen, der muß
haben sieben Sachen: Eier und Schmalz, Butter und Salz,
Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gehl. Schieb, schieb
in Ofen nein! Oder: Das ist der Daumen, der schüttelt die
Pflaumen, der liest sie auf, der ißt sie, und der sagt: wart, ich
will's der Mutter sagen! Oder das Kniereitliedchen: Hopp,
hopp, hopp, hopp Reiter, Schimmel will nicht weiter, Schimmel
vill nach Schwaben, wirft den Jungen in den Graben. Maria
kühn hat sie alle gesammelt in dem gemütvollen bei Robert
Langewiesche erschienenen Blauen Buch: Macht auf das Tor,
alte deutsche Kinderlieder, Reime, Scherze und Singspiele, zum
Teil mit Melodien.
So haben die Mädchen und Frauen es immer verstanden, das
Notwendige und Nützliche mit dem Zauber des Schönen zu ver—
veben, die Arbeit des Alltags mit festtägigem
died zu begleiten. Nimmer wäre die Spinnstube, diese
Stätte unermüdlicher Arbeit, nach dem alle Tagesarbeit schon
geschafft war, so tief und innig mit dem Volksgemüt verwachsen,
wenn sie nicht abend für abend wiedergehallt hätte von einem
schier unerschöpflichen Reichtum von Spinnliedern und anderen
Volksliedern. So hat das Lied aber nicht nur die Arbeit in
der Spinnstube geadelt, sondern auch den Verkehr der jungen

upphj Nr. —

Mono uno eprearage J
Jauchzen Gott bei skillek Nacht.

Ludwig Richter, Der Mond ist aufgegangen.

*
—

Ludwig Richter. Der Tanz

Mädchen und Burschen miteinander. Ihr
Liebesfrühling erhielt von hier aus erst
die rechte Weihe.
Ist es darum verwunderlich, wenn sich
wahre Volksfreunde auch heute in einer
Zeit der Selbstsucht, des Materialismus und
der Verflachung unserer Vergnügungen
und unseres ganzen Volkslebens wieder
an unsere Mädchen und Frauen mit der
Bitte wenden: helft uns doch durch
das Lied wieder unser armes
Volk veredeln! Macht das deutsche
Volkslied wieder lebendig in
unseren Kinderstuben, am Werk—
tisch bei der Arbeit, auf Spazier—
gängen in Gottes bunte Welt und
bei unseren Familien-und Volks—
festen! Auch in diesem Sinne ist
das Schicksal unserer Jugend und
unseres ganzen Volkes in die
Hände der deutschen Frauen ge
legt.

Walther Stein.

* uIn
SFAALBAUV-RESTAVRANILSMARBRUCREN
—LLEAAEEXE—

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