Full text : 7.1929-1930 (0007)

Nr. 9 Inie

»IIll Saar⸗Sänger⸗VBund ———

doch auch unsere arme veräußerlichte Welt wieder
etwas von dieser Glut empfinden, daß auch ihr
Mariens Bild als Ideal vorschweben möchte. Mariens
holde Mütterlichkeit, Mariens zarte Reinheit sollten
gerade unseren Tagen wieder Richtung gebend und
Ziel weisend werden. Der reichen Liebesfülle ihres
Mutterherzens wollen wir unsrer Herzen Freude und
deid schenken.

usppti Seite 183
„Von Dir singen,
Nach Dir ringen,
Soll die Welt, Maria,
Wen hie zwinget,
Wen hie dringet,
derzenleid, der schrie:
dilf, milde Magd, Maria!“

Else Schütz.

Deutsche Frau, deutsches Lied.

— gehören unlösbar zusammen: die deutsche
2Frau, das deutsche Mädchen und das
deutsche Lied! Wie die Frau durch ihre natürliche
Berufung Mittlerin zwischen Vergangenheit und Zu—
kunft der Menschen und Völker ist und aus dieser
Berufung heraus stets am
tveuesten festgehalten hat an
Märchen und Sage, an
Sitten und Gebräuchen, an
Trachten und Schmuck, an
Spiel und Festen, an Heim
und Lebensgestaltung, an
Blauben und Beten, — so
ist sie auch bis in unsere
Tage hinein Mittlerin ge—
bͤlieben von Sprache und
died! Wie warm hat Fried—
rich Hegar es vertont, das
dohelied Max von Schen—
fendorfs: Muttersprache,
Mutterlaut, wie so wonne⸗
sam, so traut!
Ueberall weht Gottes
Hauch;
Heilig ist wohl mancher
[Brauch:
Aber soll ich beten, danken,
Geb' ich meine Liebe kund,
Meine seligsten Gedanken,
Sprech ich wie der Mutter
sMund!“

2 7—

— —E No

Und so haben sie sich
durch den Mund der Mutter
und der mit der Wartung
leiner Kinder, betrauten
Mädchen weiter vererbt von
eenie zu Generation,
ie köstlichen Kinder—
und Wiegenlieder mit Ludwig Richter, Kling klang aloria
ihrer einprägsamen Melodie, ihrem holden, ins Blut
springenden Rhythmus und ihrem herzwarmen, glau—
bensstarken Wort. Wiegenlieder an Millionen deutscher
Wiegen in Schlössern und Hütten gleich zukunftsfroh
gesungen, zu allen Zeiten und in allen deutschen Gauen
oft zersungen, aber doch nie abgeklungen, nie ausge—
sungen! Himmelsgeleite für ungezählte arme schwache
Erdenkinder für tausend frohe und bittere Lebensstraßen!
Wie hat sich die schöpferische Phantasie der
glücklichen Mütter nie genug tun können an den
Wiegen ihrer Kleinen. Schlaf, mein liebes Kindelein,
tu die Auglein zu. denn Gott. der will dein Vater

sein, drum schlaf in guter Ruh! Oder: Schlaf, mein
Kindlein süße, die Englein lassen dich grüßen, die
Englein lassen dir sagen, sie werden in den Himmel
dich tragen! Oder: Kindlein mein, schlaf doch ein,
weil die Sternlein kommen, und der Mond kommt
auch schon wieder ange—
schwommen. Eia, Wieglein,
Wieglein mein, schlaf doch
Kindlein, schlaf doch ein!
Oder das neckische west—
rälische Wiegenlied:

Eia, Kindchen, ich wiege dich
Hätt' ich ein Stöckchen, so
sschlüge ich dich,
Tät dir das weh, das
ljammerte mich,
Darum sei ruhig, dann
lfreue ich mich.
Eia, Kindchen, ich wiege dich
Wäre ich müd' nicht, dann
strüge ich dich.
Wäre ich du, und du
lwiegtest mich,
Schlief ich schon lang und
sträumete ich.

Und so hat es von
Mähren her seine Rosen—
pur gezogen durch alle
deutschen Gaue:
Ich hab' mein Kindlein fein
[schlafen gelegt,
Ich hab's mit roten Rosen
kbesteckt,
Mit schönen Röslein und
JVeigelein,
Mein Kind soll schweigen
sund schlafen ein!

Und wieviel Spielreime, Schoßverschen,
Scherzlieder, Kreis- und Reigenlieder hat die deutsche
Mutter bereit für ihre Kleinen! Unerschöpflich ist sie
in ihren Erfindungen. Wie köstlich begleitet sie mit
hnen das erste Lachen, die stolzen Ausfahrten im
Wägelein, die ersten Schritte, das Strampeln mit
händchen und Füßen, das Spiel mit Löffel und Sand,
mit Ball und Puppe, mit Katze und Hund!
Fahr, fahr, fahr mit der Post,
Frag, frag, frag nicht, was kost?
Spann, spann vier Schimmel an.
Fahr. fahr den Bera hinan!
            
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