Full text : 7.1929-1930 (0007)

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Monatitsschrift X
Ueber Z00 Vereine mit über Z0 Ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes ⸗
von Stadtschulrat Hans Bongard und Rektor Walther Stein. Saarbrücken. 8
Ddruck und Verlag der Buch, und Runstöruckerei Bebe. Hofer A. S. Saarbrücken. 7
Völklingen uud Leipzig. Bezugspreis Fr. 5.2 vierteljährlich. Einzeluummer Ar. 2. — 8
Dezember 1029 9. Jahrgang

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? Ar. 9
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arien —Lieceder.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Luck. 1, 84.
J ubelnd sang Maria, vom Geiste Gottes beseelt, vor Marienlyrik, wie eine spätere Zeit sie kaum noch zu
Bbeinahe zwei Jahrtausenden ihr Magnificat, und ingen vermochte.
was sie da ahnend schaute, ist in Erfüllung gegangen. Was den Inhalt der Lieder angeht, so schließen sie
Durch die Jahrhunderte hindurch erklang Marienlob sich zunächst eng an das Dogma an. Was das Volk
und Marienpreis in den Werken gottbegnadeter über die Gottesmutter glaubte, das sang es im
Künstler, die miteinander gewetteifert haben, das Lied. Das Geheimnis der Menschenwerdung des
ßild der Gottesmutter wür— Bottessohnes aus Maria, der
dig zu gestalten: Jungfrau, war der Kern
„Ich sehe dich in tausend der Mariendichtung. In spä—
[Bildern, terer Zeit bietet auch die
Maria, lieblich ausgedrückt.“ Legende, die sich um Mariens
Ganz besonders das Mittel— Leben zart gesponnen, Stoff
alter schuf uns in seiner tiefen zu Liedern. Mag nun das
Blaubensinnigkeit neben un— died sich streng an das Dogma
dergänglichen Werken der halten, mag es legendenhaft
Malerei, der Plastik Marien— sein, mag es in dankbar über—
ieder von wundersamer Voeste quellender Freude über die
und Kraft. Schönheit der hohen Fraue
Schon in alten lateinischen nur Lob- und Preislied der
dymnen der Kirche erklingt dimmelskönigin sein, immer
Mariens Lob. Es sind durch vieder schließt es mit einer
spätere Uebersetzungen all— Bitte an die Mutter, bei
bekannt gewordene Lieder. ihrem göttlichen Sohne Für—
Hierhin gehören das Ave bitterin zu sein, ein reines
maris stella, „Meerstern, ich Leben, Vergebung der Sünden
dich grüße“, das Salve regina, zu erflehen, Beistand zu sein
„Gegrüßet seist du, Königin“, zur „lesten hinevart“. Und
das Stabat mater, „Christi immer wieder findet der
Mutter stand mit Schmerzen“. Sänger neue Ehrentitel für
Als zu Beginn des Mittel— die Mutter des Herrn. Sie
alters das deutsche geistliche ist die Gottesmutter und
Lied sich allmählich aus dem Tochter und Braut, die Hohe
zei den Bittprozessionen gesungenen „Kyrieleison“ zu und Mächtige, wunderschön Prächtige, die Herrscherin,
entwickeln begann, entstand neben den Liedern zum Fürstin, Königinne und Kaiserinne, die Makellose,
Preise des Herrn auch manch tief frommes Marien- die Jungfrau der Jungfrauen, die Liliengleiche, die
lied, besonders seit dem 13. Jahrhundert. Da er- Rose unter Dornen, die Morgenröte, der Meeresstern,
zreift der religiss veranlagte Minnesänger, ange- die gütige Helferin in aller Not, die Zuflucht der Sün—
vidert von der oft sinnlichen Schwüle des Minne- der, die Himmelspforte, die gnadenreiche Gottesstadt
gesanges, seine Leier zum Preis der Gottesmutter. Zahlreich sind die Lieder, die die Verkündigungs—
da fordert er auf, der hohen himmlischen Fraue „spat zZene gestalten. Gabriels Sendung zu der reinsten
und vrü“ zu singen. Da erklingt bei Meistersingern Fungfrau, der demütigen Magd des Herrn, bietet
und Mystikern Mariens Lob. Da ruft der Kriegsknecht mmmer wieder neuen Stoff für den Sänger. So läßt
vor der blutigen Schlacht Maria um ihre Hilfe an: der Dichter in einem „Englischen Gruß“ aus dem
„Sant Mari, mouter und mait, Tonstantzer Gesangbüchlein (1600) den Engel Mario
all unsriu not si dir gekleit.“ (geklagt) seinen Gruß entbieten:
All diese Lieder sind manchmal noch unbeholfen Gegrüßt seist du, Maria rein,
u doer TFSorm oher es iftf eine so kraftynsse innige Voll Gnaden ist das Herze dein

der Mondsichel.
            
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