Full text : 7.1929-1930 (0007)

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Die August-Nummer der bekannten Zeitschrift für Musik,
Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen
Musik, Hauptschriftleiter Dr. Aelfred Heuß, Verlag Gustav
Bosse, Regensburg und Leipzig, ist wieder von hoher Ak—
ualität. Geistvoll erörtert Dr. Heuß das Leipziger Bachfest,
Dr. Fritz Stege das 59. Tonkünstlerfest in Duisburg, Dr.
Fritz, Jahn die zweite Nürnberger Sängerwoche. Aber auch
die übrigen Aufsätze sind von hohem musikhistorischen oder
musikpädagogischen Interesse: Gärtners „Der Stimmum—
fang der Kinder im volksschulpflichtigen Alter“, Firnbachers
„Bach auf dem Lande“, Göhlers „Fündundzwanzig Jahre
Volkskonzerte in Hamburg“, Max Hasses „Stabat mater“
don Cornelius. Wie stets folgen Berichte über Oper und
Konzert, Musit und Musiker und Neuerscheinungen. Be—
merkt sei noch, daß die Zeitschrift für Musik auch über Saar—
brücker Musikverhältnisse und die Tätigkeit des Saar-Sän—
ger-Bundes alljährlich Bericht erstattet.
Eine Zeitschrift für Gemischten Chor, Frauenchor und
Schulmusik. Am 15. September erschien im Verlage von
Karl Hochstein, Heidelberg, die erste Nummer
der neuen Zeitschrift „Der deutsche Chorgesang“
Zeitschrift zur Pflege des gemischten Chores, des Frauen—
chors und der Schulmusik). Der neuen Zeitschrift, die sich
die Mitarbeit einer großen Reihe namhafter Theoretiker
und Praktiker aus den Kreisen dieser Kunstgattungen ge—
sichert hat, wird das denkbar größte Interesse entgegen—
gebracht, in Chormeister-, Lehrer- und Organistenkreisen
das Erscheinen der neuen Zeitfchrift lebhaft begrüßt. „Der
deutsche Chorgesang“ erscheint zunächst als Monatsschrift,
Bezugspreis Mk. 4— jährlich, Probenummer kostenlos.
Tandaradei, ein Buch deutscher Lieder mit ihren Weisen
aus acht Jahrhunderten, bearbeitet und herausgegeben von
Johannes Hatzfeld. Im Volksvereinsverlag zu München—
GBladbach. „Das Buch gehört der deutschen Jugend und
dem deutschen Hause. Es soll Freude bringen, das ist sein
erster Beruf. Helle, klingende Sonne soll aus ihm scheinen,
sedem, wie er sie braucht. Lachend solls mit den harmlos
Frohen auf allen Straßen und Gassen singen und mit
den Stillen und Tiefen versonnen in traulichen, welt—
berlorenen Winkeln träumen.“ Der bekannte Herausgeber
berbürgt die kritisch aufs sorgfältigste getroffene Auswahl
der 23 Naturlieder, 37 Wanderlieder, 15 Ständelieder, 20
Gesellschaftslieder, 31 lustige Lieder, 17 Tanzlieder, 28
Lieder von Liebesfreud, 34 von Liebesleid, 34 Soldaten-—
ieder, 15 Vaterlandslieder, 46 Balladen und Mären, 21
Abendlieder, 21 Weihnachtslieder und 26 geistliche Lieder.
Die gewissenhafte Nachweisung der Quellen bilden eine
Bereicherung des sehr wertvollen und empfehlenswerten
Werkes, dem der Verlag eine freundliche Ausstattung ge—
geben hat. Vom gleichen Hergausgeber und im gleichen
Verlag erschien ferner das köstliche Susani, ein Weih—
nachtsbuch für das deutsche Haus. Wie in obigem Tandaradei
einstimmige Lieder mit Klavierbegleitung. Es ist eine
klassisch zu nennende Sammlung des schönften Weihnachts—
iedergutes, Volkslieder und mehr oder weniger volkslied—
artige, jedenfalls aber volkstümliche Sätze von Cornelius,
Schnippering, Othegraven, Haas, Rüdinger, Lubrich, Gir—
natis. Der ganze Zauber der Weihnacht tut sich in diesen
Liedern auf, und bei allen Weihnachtsveranstaltungen, die
man auf einem würdigen Niveau halten will, wird man auf
dieses Werk als auf eine Fundgrube des Schönsten und
Weihevollsten zurückgreifen! Endlich nennen wir noch mit
empfehlender Hervorhebung aus dem gleichen Verlag Vom
schönsten Kindlein., vier Gesänge für eine Singstimme mit

Klavierbegleitung von Heinrich Lemacher, vortreffliche Sätze
aus frühem Mittelalter.
Band 111 des „Großen Brockhaus“ erscheint Ende dieses
Monats! Es wird die zahlreichen Bezieher des im Verlag
F. A. Brockhaus, Leipzig, erscheinenden zwanzigbändigeñ
Großen Brockhaus“ interessieren zu erfahren, daß der
3. Band des Werks Ende dieses Monats vorliegen wird. Alb
Erscheinungstermin war ursprünglich Ende Juli in Aussicht
zjenommen, doch hat — wie der Verlag mitteilt — der
iber alles Erwarbten große Eingang an Bestellungen eine
berlegung des Termins notwendig gemacht. Es ist Vor—
orge getroffen, daß diese kleine Verzogerung beim nächsten
ßand wieder eingeholt wird. Gerade die allmähliche Er—
cheinungsweise macht ja die Anschaffung dieses Werkes,
dessen Unentbehrlichkeit für den modernen Menschen von
der gesamten deutschen Kritik anerkannt worden ist, durch
zünstige Zahlungsbedingungen für jedermann möglich. Auch
verden — und zwar nur noch beschränkte Zeit — alte Lexika
n Zahlung genommen. Auskunft hierüber erteiblt jede Buch—
zjandlung.
Peter Lippert, Aus dem Engadin, Briefe zum
Frohmachen, mit 11 Tiefdruckbildern, Halbleder 4,60 RM.
Verlag „Ars Sacra“ Joseph Müller, München 23. Briefe
zum Frohmachen? JIa, die können wir brauchen. Faäst
zesser als einen Menschen, der uns trösten will. Tröster
uind zuweilen etwas zudringlich, etwas zu geschwätzig.
Zie sind da zu einer Zeit, wo wir ihrer nicht bedürfen,
und fehlen uns, wenn wir fast vergehen vor Verlangen
iach einem tröstlichen Zuspruch. Briefe zum Frohmachen
iber, die können wir gerade, wenn es uns paßt, aus der
Z„chatulle oder der Schublade nehmen und zu uns sprechen
assen. Die Briefe, die Peter Lippert an uns gerichtet hat,
vurden in einem Tal des Heils, an einem Ort der Heilung,
m Engadin, niedergeschrieben. Was wunders alsoöͤ, wenn
iber den Briesen die heilende Atmosphäre des Engadiner
dochlandes liegt! Der Duft, die Würze, das Aroma dieses
gzesegneten Erdenfleckes strömen von LSipperts Briefen aus.
stun sind diese Briefe nicht etwa so gehalten, daß sie
ins die Leiden vergessen machen wollen. Lippert reicht
ins keine Betäubungsmittel. Aber er läutert die Ansicht,
die wir vom Leiden haben, und läutert damit uns selbst.
rippert lehrt uns die Schönheit, die Fruchtbarkeit und
»en Sinn des Leidens sehen. Nicht wie ein pedantischer
Lehrer, mit Geboten und Verboten, sondern als ein mit—
eidender Freund, mit Bekenntnissen und Erkenntnissen:
Als ein Mensch, der uns sein Innerstes erschließt, seine Ge—
anken und Stimmungen offenbart, damit auch wir uns
iuftun, und nicht uns im Leiden verkapseln und verhärten.
die Sprache Lipperts ist an sich eine zarte Liebkosung, ein
aktvolles Vertraulichwerden. Aber ihren eigentlichen Wert
rhält sie dadurch, daß sie im Dienste eines Menschen
teht, der der leidenden Menschheit dient. Der Adel dieser
vesinnung adelt das Buch. Ohne diese Gesinnung wären
die Briese hübsche, literarisch tadellose, den Tagesbedarf
deckende Plaudereien eines besinnlichen Gastes des schönen
Engadins. Was Lippert uns in die Hände legt, ist jedoch
nehr: Ein frisches und fröhliches Buch, darüber hinaus
iber noch ein Werk, das um den ernsten Hintergrund
nenschlichen Schicksals weiß und diesen in Gleichnissen
ichtbar macht. Für Suchende, für Ringende, für Rei—
sende, für Menschen, die nach einem Ziele Ausschau halten,
und für Menschen, denen ein Ziel zu entgleiten droht, ist
dies Buch geschrieben, also kurz: für uns alle.
Dr. Fritz Flüeler.

Zigarren, Tabas
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