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Saar⸗Sänger⸗Bund
Seite 9
Helene Böhlau.
Wir selbst erlösen und befreien uns schwer, aber
zdie Güte eines einzigen Menschen ist imstande, uns
zu befreien und zu erlösen, und stände die Welt
zgegen uns. Helene Böhlau.
iberall auf ihre Art vergnügen mußten, rückwärts wie
die Krebse, Hand in Hand geschickt und munter plaudernd
uuf den breiten Wegen des Schloßparkes daherliefen. Und
so erfolgte der Zusammenstoß, der mit einem vergnügten
Frühstück der drei im Schloß endete. Aber auch würdig
und wohlerzogen konnten sie sein, die beiden Ratsmädel,
und mit gebührender Ehrfurcht und in festlichen Kleidern
Boethe im Hause Schopenhauers empfangen und ihn an—
nutig die Treppe hinaufgeleiten.
Und dann vergehen viele, viele Jahre. Man hört von
hren Streichen und der Nähschule bei der Krumnier—
elden; und dann sind unsere Ratsmädel alte Mütterchen
zeworden. Beide Schwestern sind miteinander alt ge—
vorden, beide sind glücklich verheiratet gewesen, beide
hatten Kinder und Enkel. Marie starb früher, nur Röse
erlebte es noch, daß die Urenkel zu ihr in die sonnige
Stube kamen und gespannt den Erzählungen der Groß—
mutter lauschten. Und später schreibt eine der Enkelinnen
das alles auf, und so sind die „Ratsmädelgeschichten“ ent—
standen, die mit den Worten der Großmutter schließen:
„Das Einzige, was auf Erden das Herz ruhig und glück—
lich macht ist: Gut miteinander sein.“
Etwa 10 Jahre später schließen sich die Meuen Ratsmädel-
und Weimarischen Geschichten“ an—
Hier greift sie mehr das Schicksal einzelner heraus. Sei
2s das der schlichten, gesunden Landbevölkerung oder das
des „spießigen“ Kleinstadtbürgers, dessen Dumpfheit und
Enge sie in ergreifender Weise in ihren „Verspielten
deuten“ zeichnet, immer zeugen ihre Worte von dem
iebevollen Hineinvertiefen ihres Denkens in die Seele des
Bolkes und in das mit kleinen Alltäglichkeiten ausgefüllte
deben eines einzelnen.
In ihrem Roman „Die kleine Goethemutter“,
deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, Berlin und Leipzig,
zeichnet Helene Böhlau in feinen Zügen das reiche Kinder—
eben „Frau Ajas“, Im harmonischen Familienkreis wächst
zdie kleine Elisabeth als älteste der 5 Kinder unter der
reusorgenden Liebe ihrer Eltern auf. Neben ihrem Eltern—
jaus und neben ihren Gespielen, mit denen sie abenteuer—
ustig alle Winkel ihrer Heimatstadt durchzieht, ist es das
Zaus ihrer Base, in dem ihr reiches Innenleben, kindlicher
Frohsinn, gepaart mit feinem, seelischen Verstehen, zur
zollen Entfaltung kommt, ein köstliches Buch voll kurioser
Bestalten, Altweimarer Originale! E. K.
Agnes Sapper.
Helene Böhlau.
Zur bekannten Dichterin wurde Helene Böhlau durch
ihre frischen, munteren „EFrzähluüngen aus Alte
Weimar“. Sie erschienen in 4 Bänden als Erste Ab—
eilung ihrer „Gesammelten Werke“ bei Hermann Böhlaus
Rachf. Gm. b. H. Weimar. Preis 20 RM. Die Zweite
Abteilung: Moderne Romane in 5, Bänden wird von
ans demnächst noch besprochen werden. ö, führt
die Dichterin uns in ihren ‚,Katsmädelgeschichten“
die mit dem Namen Weimars untrennbar verbundenen
Bestalten als lebenswahre Typen vor Augen. Fließend
und unkompliziert ist ihr Stil, dem leicht beschwingten
Rhythmus der beiden kleinen Ratsmädel aängepaßt.
deéeun Röse und Marie sind es ja, die uns durch Alt—
Weimar führen. Und sie führen uns auf munteren Wegen;
mmer stecken fie „bis über die Ohren in Wohlbehagen“
und sind voller luftiger harmloser Streiche. Immer gibt es
etwas zu lachen und auszuhecken. Aus jeder Zeile spricht
der köstlich-originelle Humor —* Böhlaus, dessen frische,
erquickende Art man als Poesie empfindet, die es vermag,
auch den heutigen Menschen den Alltag vergessen Zu
machen und in die gesunde lebensfreudige ünd harmonische
Welt des Alten Weimar hinüberzuziehen.
„Mitten im großen Deutschen Reich“ — so beginnt sie
— „liegt ein weit und breit berühmtes Städtchen. Da
regierte, als meine Großmutter noch ein Kind war, ein
sehr kluger und guter Fürst, der durch seine Güte und
Weisheit große Dichter, die zu seiner Zeit lebten, dazu
»ermocht hatte, bei ihm in seinem Städschen zu wohnem—
Und däner ein so überaus weiser Herr war, den jedermann
liebte und verehrte, so kamen Dichter und Gelehrte gerne
von allen Seiten, lebten in der Stadt des Fürsten und
schrieben so herrliche Dinge, daß alle Welt darüber in
Staunen geriét. Und noch jetzt ist das, was diese Männer
damals gedacht und gedichtet haben, das Schönste, was
wir kennen und wird noch langé, lange Zeit das Schönste
bleiben.“
Aber in der Erzählung stehen die großen Männer
Weimars nur im Hintergrund und schauen hin und wieder
kreundlich lächelnd in das Getriebe der Welt der Kleinen,
all der — und liebenswürdigen Gestalten, hinab.
Mit Röse und Marie erlebt man die Franzosenzeit, der
auch sie Schönes und Humorvolles abzugewinnen ver—
tanden. Durch sie lernt man den Tygringer Landesherrm
derzog Karl-August kennen, dem sie auf einem ihrer
Morgenspaziergäünge geradewegs in die offenen Arme
liefen. Und das kam daher, weil sie wieder einmal, da
4nen aoredo vwichte shkotfsores einfios und fie sich immer und
Einen Wunsch, der aus dem Saargebiet kommt, an
das ich immer mit Teilnahme denke, möchte ich gerne
erfüllen .... Die Wahrhaftigkeit schafft feste, über—
zeugungstreue, edle Persönlichkeiten; sie bringt das
innerste Wesen des Menschen zu seiner höchsten Voll—
endung und verleiht ihm die Kraft, seine Bestimmung
in der menschlichen Gesellschaft zu erfüllen .....
Agnes Sapper.
Agnes Sapper, diese echt deutsche, mütterliche Frau
mit den großen, ernsten Augen ist leider für viele noch
eine Fremde. Wir sollten uns verantwortlich fühlen, ihre
Erzählungen zum Allgemeingut unseres Volkes zu machen.
Mit ineisterhaftem Griff hat sie das Kinderleben zu packen
derstanden und uns dichterisch vor Augen geführt, daß
auuch der Erwachsene im Banne bleibt und dankbar lauscht.
Fesselndes Leben, durchdrungen vom Grundton verklä—
render Liebe — das ist Agnes Sappers Dichtung. Gesunde
Kost fürs deutsche Haus. Geistiges Edelgut!
Keines dürfte es an Beliebtheit bei Jugend und Alter
nit den beiden Pfäfflingsbüchern aufnehmen
sönnen. Die Familie Pfäffling, Preis 4,20 M.; Werden
und Wachsen, 4,80 M. D. Gunderts Verlag, Stuttgart.
Jeder Lefer fühlt sich da heimisch, denn, diese Gestalten
nd aus Fleisch und Blut geschaffen und sind uns so ver—
raut wie unsere Wohnstube. Und wie es wimmelt und
sottelt da drinnen von den neuen Menschen! Eng ist's
iber heimelig, keiner steht abseits, auch Frieder der Träumer
Dd zur Harmonie dieses Familienklanges, in der jeder
Mißton von selbst sich aufhebt, weil für ihn die Daseins—
sedingungen fehlen. Dabei fehlen durchaus nicht einige
Schattenstriche, die uns die ganze Natürlichkeit dieser Ge—
aften irnd Szenen vwoarraten Soyn die omino Syrae um