Full text : 7.1929-1930 (0007)

Eine Sängerkahrt an den Badensee.

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Dei Felrn des S. S. B. getreu, über den Rahmen der
Lied-Pflege hinaus allgemein hildend zu wirken,
arbeitete der Vorstand des M.G.V. „Flora“
seit Jahresfrist eifrig an der Durchführung des Gedankens,
seine Milglieder zum Erleben alt-historischer Denkmäler des
VBaterlandes zu führen. Ziel war Konstanz mit dem Boden—
ee und die Vorberge der Schweiz (St. Gallen). Was die
Fahrtteilnehmer in 5 Tagen genießen durften, das waren
Eindrücke, die ein Menschenleben beglücken und zu durch—
seuchten geeignet sind. Am 10. August trat eine 120köpfige
Zängerschar die Fahrt an, bei Kehl den Rhein passierend,
hinein in den Schwarzwald mit seinen entzückenden Land—
schaftsbildern. Vom satten Bergwald heben sich schmucke
leine Siedelungen ab, leider zu flüchtig den Reisenden
grüßend. Verstreut an den Hängen träumen die idyllischen
Schwarzwaldhöfe mit ihren fast zum Boden reichenden
Dächern in den Tag hinein; patriarchalische Holzbauten,
oft noch mit dickem altem Strohdach und der typischen, an
der ganzen Stirnseite des Hauses entlang laufenden
Veranda; die Fenster klein, aber dafür zahlreich. Immer

in dem Auge des Beschauers vorüber, dazu spricht der
ilte, wie für die Ewigkeit errichtete Holzbau seine eigene
Zprache. Hier grüßte auch die Stadt durch Herrn Stadtrat
5tump die Gäste als deutsche Brüder. Und (so berichtet
zie „Konstanzer Zeitung“ vom 13. 8.) „als die „Flora“-Zänger
 das Podium betraten, da malte sich Spannung auf
Alen Gesichtern im Saal. Gemütlich lächelnd gab der
Dirigent seine Anweisungen. Dann erklang aus über 100
Zängerkehlen das Lied „Vaterland“ von Wohlgemuth in
nachtvoller Resonanz. Kompakter Guß, unaufhaltsam in
Drang und Klang, durch den Saal rollend und wogend —
ürwahr, der „Liederkranz“ kann stolz sein auf seine Gäste.“
stur zu schnell verflossen die Abendstunden unter gegen—
eitigen Freundschaftsbezeugungen.
Der Sonntag sah den Verein am Vormittag die Denk—
obürdigkeiten der Stadt besichtigen: Rathaus mit pracht—
»oller Gemäldesammlung, Münster, Huß-Erinnerungen, alte
Kheinbrücke mit Turm u. v. a. Am Nachmittage war er
ziner Einladung zur Teilnahme am „Konstanzer Tag“ ge—
tolgt, einer jährlüchen Werbeveranstaltung, wobei sich Ge—

Flora“ Fischbach in Ueberlingen (Bodensee). Empbfang durch die Stadt und den dortigen „Sängerverein“.
legenheit bot, dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt
im Lied zu danken, der seinerseits herzliche Worte dem
Verein widmete.
Der 3. Reisetag wurde zu einem seltenen Erlebnis.
xingesenkt zwischen Bergrücken kräuseln sich leicht weit hin,
teils gen Osten ünabsehbar, die grünen Wellen des „Schwä—
hischen Meeres“. In einen strahlenden Tag hinein ging
zie Fahrt hinaus auf den Bodensee in einem 800 Personen
assenden Staatsdampfer, dem 214 Stunden entfernt lie—
genden Friedrichshafen zu. Zutrauliche Möpen um—
reisen das Schiff, lassen sich mit vorgestreckten Füßen aufs
Vafser nieder, um bald wiederum dem Schiff zu folgen.
Mit blanken Augen streifen sie an den an Deck Stehenden
»orüber, als geschickte Flieger die ihnen zugeworfenen
Futterbissen aus der Luft erhaschend. So geht die Fahrt
in Meersburg, als Weinort bekannt, vorüber, links
die deutschen, rechts die Schweizer Berge. Leider verhin—
ert leichter Dunst eine größere Fernsicht. Friedrichshafen
ommt in Sicht, und alles sucht den Horizont nach dem
Wahrzeichen der Stadt ab, der Luftschiff-Werft. Soeben
zleiten wir an einer Art Schuppen vorüber, der uns als
zie Heimstätte des ersten „Zeppelin“ erklärt wird, als in
der Ferne Eisengerippe hoch in die Luft ragend die Bau—
telle der neuen Luftschiffhälle weist, und jetzt taucht auch
sinfke dahinter das Schuükhaus des in alser Munde ho

schroffer erheben sich die Bergwände, und enger werden die
Täler; die Bergkuüppen gekrönt von Ruinen, 38 znal durch⸗
hricht die Bahnlinie das Bergmassiv. Am Hohentwiel
oorüber erreicht dann der Schienenweg bereits fast eine
Stunde vor Konstanz den Bodensee. Begierig wird das
neue Landschaftsbild aufgenommen. Weit draußen wiegen
sich auf leicht bewegtem Wasser an hohen Stangen be—
estigt die Segelboote, dazwischen gleiten wenige Ruder⸗
»oote hinaus auf den Sees Ber Himmel macht ein wenig
freundliches Gesicht, und so ist der Badestrand nur matt
»evölkert. In Radolfzell grüßt der erste große Dampfer,
und an der Insel Reichenau vorüber strebt, die Bahn
somnstanz zu, schnell noch einen Blick auf den aus—
fließenden Rhein gewährend. Konstanz, ein Zentralpunkt
des Fremdenverkehrs, empfing jubelnd die Saax-Bergleute,
in der Spitze der rührige Gastgeber, der K. Liederkranz.
die herzliche Freude und klingendes Spiel, dazu die die
Straßen säumende Menschenmenge, ließ den leis sprühen—
den Regen unbeachtet, der die feierlich-festliche Stimmung
teineswegs zu trüben vermochte. Mit einem, Wort „man
var hier daͤheim!“ — und dieses Wort verlor auch die
folgenden Tage seinen Inhalt nicht. Der Samstag abend
hraͤchte Gafigeber und Gäste im historischen „Konzil“Saal
inander näher. Von den Wänden grüßen Bilder, erzäh—
—8 vbon alfer dauticher Goschiihte Rahrhunderte ziehen
            
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