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Jahren statt der Förderung eine arge Zurücksetzung. oder leitet?) ein Unterrichtsministerium! Da können
Mit rühmlichen Ausnahmen natürlich.) Die intellek- vir uns die Finger wund schreiben und die Lunge aus
tuelle Ausbildung ist die Hauptsache. Wissenschaftlich! dem Hals reden, schade um jedes Wort. Ich meine
Wissenschaftlich! Die nolens volens auf dem Stunden— mmer, die sogenannten Volkshochschulen würden sich
plane stehende Musik — nein „Singen“ steht nur n richtiger Erkenntnis der Sache großzügig annehmen
drauf — ist höchstens zur Ausstattung der vorgeschrie— ind eine Fortsetzung der von der Volksschule begon—
zenen republikanischen Schulfeiern zu gebrauchen. Du senen Pflege des Volksliedes bewirken, aber die haben
virst Dich wundern, lieber Freund, mich hier gar sar- vohl andere Interessen. Nun, laß uns nicht ver—
rastisch zu finden, was Du an mir ja gar nicht ge- wweifeln. Solange wir atmen, wollen wir an die Macht
vöhnt bist; aber man muß als Musikant und Poet, des Guten und Schönen glauben und daran, daß sie
der sein Volk lieb hat und an seinem Teile es fördern ccließlich, wenn auch nicht im ganzen Volke, so doch
helfen möchte, bitter werden, wenn man die Herzens- im Leben einzelner den Krämergeist besiegt.
trägheit und Verblendung der Schulleitungen und Be— Ich muß schließen, wenn auch in dem Bewußtsein,
hörden sieht. Du solltest nur mal die Musiklehrer der dieles besser und andres mehr gesagt haben zu wollen.
abgebauten Lehrerseminare jammern hören. Zum alten Aber Du und Deine Leser werdet mich bonas voluntatis
Eisen wird die Musik geworfen bei der Heranbildung derstehen. Ich möchte, wie ich selbst glücklich bin, meine
der deutschen Jugend. Ja, auf den Programmen stehen Mitmenschen glücklich machen durch
vohl hochtönende Phrasen, aber in Wirklichkeit ist die Goldnes Leben im Gesang.
Musik, der Gesang an den höheren Schulen Aschen— Leb wohl! Laß Dich grüßen! Und wenn Du wieder
brödel. Ich kenne eine Realschule in Sachsen, die hat einmal den Wunsch hast, mich über ein „Lieblings—
seit zehn Jahren keinen Musiklehrer! Das thema“ schwaäatzen zu hören, so schreib
bißchen Gesang können andere zufällig musikalische Deinem alten
Herren nebenbei mitversorgen. Und so etwas leidet Franciscus Naaler.
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ODi Zeit ist noch nicht fern, da man in gewissen Kreisen
die Sache der Männergesangvereine als eine musikalisch
eicht angehauchte Bierphilisterei belächelte. Man nimmt fie
auch wohl heute noch nicht allenthalben ernst. Wenn das der
Fall ist, dann sind die lieben Sangesbrüder selber schuld,
die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sich
hören lassen zu müssen glauben, am Biertische, im Garten—
lokal, daheim und in der Fremde, und nicht eher ruhen,
als bis sie den ganzen Liedervorrat abgesungen haben, meist
mehr laut als schön und richtig. Da kann man dem Witz—
bold schließlich nicht unrecht geben, der seinerzeit dichtete:
„Ein Wäldchen liegt in guter Ruh',
gleich singt's Quartett: — Wer hat dich, du ... —“
Täe deutsche Singfreudigkeit ist ein Volksschatz, der
nimmermehr verloren gehen darf. Aber singen und singen
ist eben ein Unterschied. Gewiß kann auch ein ungeschulter
Besang von Natur sehr schön sein, so schön, daß viel Daran—
herumbilden ihm nur seine Ursprünglichkeit und erquickende
Naivität nehmen würde, aber im ällgemeinen ist es doch
vünschenswert, das Singen ein wenig künstlerisch zu be—
einflussen, und zwar von Kind auf. Was die deutsche
Volksschule dank der vorzüglichen Seminarbildung ihrer
dehrer in dieser Hinsicht geleistet hat, ist bewundernswert.
In dem Aufblühen der Männergesangvereine zeigt sich jetzt
zganz gewiß ein Teil des Erfolges dieser Arbeit. Volksgesang
und Kunstgesang haben zu allen Zeiten nebeneinander be—
standen und werden ferner zugleich bestehen. Das ist durch—
aus kein Hindernis für eine glückliche Verquickung, wie sie
gerade in gutgeleiteten Männerchören gepflegt wird. Es
geht heute ein verständlicher starker Zug nach tieferem und
ernsterem Erfassen aller Dinge durch unser Volk, der sich
auch in erhöhter Kunstbetätigung äußert. Man strebt nach
stunstleistungen und steigert die Forderungen immer mehr,
zumal das Können dem Wollen immer näher gekommen ist.
DTas zeigt sich in ganz besonderem Maße auf musikali—
schem Gebiete. Tie Gesangvereine nicht ausgenommen.
Nicht nur in Woben sondern auch in kleinen Städten, jo
sogar in ländlichen Verhältnissen, rückt man, wenn auch
zunächst vielleicht nur aus lächerlichen ehrgeizigen Gründen,
o doch bewußt von der Volkstümlichkeit ab. Eine be—
sonders für die Männergesangvereine bedenkliche Er—
scheinung; denn bei solchen Bestrebungen müssen natürlicher—
weise die verstandesmäßigen Wünsche in den Vordergrund
treten, während die bessere Seite des Innenlebens leidet:
das Gemüt! Und wos ist alle Kunst, alle Musik, aller
echnisch noch so vollendete Gesang ohne eine starke Anteil—
rahme des Gemüfes? Jqe meonschliche Simme 0 bae
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amnmn!
Zänger selbst, wird zum Instrument, das gesungene Wort
Phrase. . Nein, laßt uns bei der echten aufrichtigen
Lolkstümlichkeit bleiben!
Eine Ausnahmestellung nehmen allerdings die stimmlich
ind geistig hervorragend ausgestatteten Männergesang—
ereine der Großstädte ein. Sie sind berufen, auf durchaus
ünstlerischer Höhenlinie zu wandeln und besondere Ziele
zu haben; ihnen hört ja auch ein verwöhnte Ansprüche
nachendes Publikum zu, und eine hohe Kunstkritik sorgt
für dauernde Anspannung der Leistungsfähigkeit.
Man muß nur einmal einen solchen Großstadtchor gehört
haben wie etwa den „Berliner Lehrergesangverein“ unter
dem als Chorerzieher und Chorleiter fast unerreicht da—
tehenden Professor Rüdel oder die „Berliner Liedertafel“
inter Wiedemann, den „Kölner Männergesangverein“ unter
Zzchwarz, den „Leipziger Männerchor“ unter Gustav Wohl—
zemuth, um zu wissen und zu bewundern, welcher Wirkun—
jen ein solcher Gesang fähig ist. Freilich kann sich dabei
»er ein wenig nüchtern Beobachtende des Gefühls nicht
xrwehren, als sei die Grenze des Möglichen erreicht, deren
leberschreitung in Unnatur ausartet. Ein Teil der Be—
ufslritik hat bis in unsere Tage herein den Männerchor—
sesang als Kunstgattung ablehnen zu müssen geglauübt.
bwohl ihm Richard Wagner schon 1843 als Dirigent der
Dresdener Liedertafel“ mit dem „Liebesmahl der Apostel“
uind Johannes Brahms mit seinem, dem Wiener „Akademi—
chen Gesangverein“ gewidmeten „Rinaldo“ den Platz an
»er Sonne verschafft haben. Diesem Verhalten liegt viel—
eicht das richtige, wenn auch unklare Gefühl zugrunde,
»aß die gesunde ernd des Männerchorgesanges auf
»en, Boden der Volkstümüchkeit gehört. Dört ist sein
ireigenstes Gebiet, auf dem er groß geworden ist.
Zwar war die Absicht des als Goethefreund bekannten
Berliner Musikdirektors Karl Zelter bei der Gründung der
„Berliner Liedertafel“ im Jähre 1809 als des ersten
eutschen Männergesangvereins eine fast ausschließlich künst—
erische und literarische, doch wurde seine Tat für den deut—
chen Biedermann die begeistert begrüßte Veranlassung, sich
ur Zeit der Befreiungskriege und besonders nachher im
ziede zusammenzuschließen und das vaterländische Bewußt—
ein vor allem zu stärken. Dem deutschen Mänuerchor hat
Larl Maria von Weber das „Schwertlied“ und „Lützows
zagd“ in den Mund gelegt; vom Männerchor wollte Carl
Vilhelm seine „Wacht am Rhein“ zuerst gesungen haben;
den Männerchor lehrte Friedrich Silcher zuerst seine innigen
Beisen von Natur und Heimat, vonr Deben und Meiden;
ür den Männorchnr schrieh Garf Zässue däG