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Monatfutsschrift
bleder 3Z00 Vereine mit über Zo0 ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes
von Stadtschulrat Haus Bongard und Vektor Walther Stein, Saarbrücken.
druch und Berlag der Buch- und Kunstorucherei Bebr. Hofer A. SBG. Saarbrücken
Völklingen und Leinzig. Bezugsnreis Er. 5.— vierteljährlich. Einzeluummer Ar. 2. —
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* jJahrgam ⸗
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Oktober 1020
Goldnes Leben im Besang.
Lieber Freund!
ODa habe ich Dir leichten Herzens und Sinnes —
immer noch heute wie einst — versprochen, einen
Beitrag zu liefern, der
meine Gedanken über den
Gesang, seine Pflege und
seine Literatur darlegen
soll, und nun, da es mir
auf die Nähte brennt, merke
ich, daß die Sache gar nicht
so einfach ist. Ja, die Ge—
danken überstürzen sich ge—
radezu, so kommen sie auf
mich zugelaufen, aber in
der Nähe besehen, sind es
alte, schon längst ver—
brauchte und allen wohl—
bekannte, und ich möchte
doch gern etwas neues,
——
es drum. Etwas gutes,
wenn es auch alt ist, kann
nicht oft genug gesagt wer—
den. Also will ich frisch
don der Leber weg schrei—
den, was mir in die Feder
ommt. Wer das warme
Herz für die Sache und
aunser liebes deutsches Volk
darin spürt, wird mir ver—
zeihen.
Singen muß unser Volk.
Das Muß nicht bloß in dem
Sinne, daß es ihm von
Nutzen ist, sondern in dem,
daß es gar nicht anders kann.
Wie dem Vogel im Wald,
geht es ihm, der da jauchzt:
„Ich singe mir mein Leben
lang,
aicht dies und das ist mein
Gesang.
Ich muß nun einmal KRirchenmußkdirektor Franciscus Naaler
singen.“
Unser Volk. Wen meine ich da? Nun zunächst die
Gesamtheit, deren ganzer musikalischer Zuschnitt, ihr
Behabe am Alltag und zu Festzeiten, deren Literatur
das Vorhandensein des katedorischen Amperativs vom
Singen beweisen. Schaut man allerdings näher zu,
kümmert man sich um Einzelheiten, dann bekommt die
Sache freilich ein anderes Bild. Bitte, gehe einmal
die Reihe Deiner Dir am
nächsten Bekannten aller
Gesellschaftsklassen durch,
etwa wie sie als Nachbarn
in Deiner Umgebung woh—
nen und versuche festzu—
stellen, wer auf irgend eine
Weise Gesang pflegt, da—
heim oder in irgendwelchen
Vereinigungen (Berufssän—
ger jeder Art ausgeschlossen)
und Du wirst die eigentüm—
liche Beobachtung machen,
daß unter zehn weiblichen
Erwachsenen etwa 223,
unter 10 männlichen Er—
wachsenen etwa einer zu
finden sind, die gesang—
musikalisch beeinflußt wer—
den. Das Städtchen, in dem
ich wohne, hat 8000 Ein—
wohner. Davon sind 5000
Wahlberechtigte, wenns Dich
interessiert 2350 männ—
liche, 2650 weibliche. 1800
Nichtwahlberechtigte sind
Schüler der Volks-, Real⸗,
handels- und Gewerbe—
schule. In 5 Gesang—
obereinen (2 Männerchöre,
1 Frauenchor, 2 Gemischte
Chöre) nehmen rund 400,
in Turn- und anderen
Sportvereinen auch etwa
100 und in kirchlichen
Vereinigungen bei Gemein—
schaftsabenden und Gottes—
diensten etwa 1000 Per—
sonen regelmäßige Gelegen—
heit zum Singen. Dabei ist
zu bedenken, daß manche
zwei⸗- und dreimal gezählt worden sind. Wollen wir
die ganz kleinen Kinder und die Greise noch weg—
rechnen und auch sonst großzügig sein, so bleibt doch
immerhin weit mehr als die Hälfte der Einwohner