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Beethovenwoche in Bad Mergentheim.
Mergentheim hat besonderen Anlaß, alljährlich ein
Beethovenfest zu feiern, da Beethoven hier als 211ähriger
eine Zeitlang gewirkt hat. Diesmal nahm man, das Pro—
zramm eines Hofkonzerts“ zum Ausgaängspunkt, das in
senem Jahr, 1781, unter Beethovens Mitwirkung von der
Kapelle des Deutschordensmeisters Maximilian Franz hier
gespielt wurde und vermittelte dadurch ein anschauliches
Bild von dem musikalischen Nährboden, dem bald das
Henie entwachsen ssollte. Die typische Gesellschaftsmusik des
ausgehenden 18. Jahrhunderts war in einer Symphonie des
damaligen Modekomponisten Ignaz Pleyel, in einer Bläser—
Parthia von 1786 des Oettingen-Wallensteinschen Jagd—
und Tafelmusikdirektors P. Winneberger, in B. Rombergs
zweitem Cellokonzert, das Louis Schuyer mit blendender
Technik spielte, güt vertreten; an dramaätischer Musik hörte
man Mozarts Konzertarie „Misero o sogno“ und, eine
Bravourarie aus Righinis „Enea nel Lazio“, die K. E.
Jaroschek sehr ansprechend sang. Beethoven selbst kam dann
n einem Kammermusikabend zu Worte, der von der Stutt—
zjarter Vereinigung der Konzertmeister Beerwald, Künst—
rer, Heß und Schuyer mit Walter Rehberg zusammen
estritten wurden. Zuletzt brachte ein Symphonie-Konzert
inter der tiefschürfenden Leitung Dr. Julius Maurers
»ie Ouvertüre Leonore II, das Tripelkonzert und die
Froica. Frau Dr. K. St.
Eine musikpädagogische Arbeitswoche des Tonika⸗Do⸗
Zundes (Verein für musikalische Erziehung) findet vom 30.
Zzeptember bis 5. Oktober 1929 in Dresden statt. Sie wird
eigen, wie sich die Grundgedanken der Tonika-Do-Lehre
n“allen Gebieten der Musikpädagogik, besonders auch in
»er Chorerziehung und Instrumentktalmethodik verwirklichen.
sähere Auskunft erteilen Maria Leo, Berlin W. 37, Pallas—
vaere * und Alfred Stier, Dresden-Blasewitz, Thielau—
traße 8.
Das Eröbild der Gegenwart.
Geit vor 100 Jahren Alexander von Humboldt und Karl
ARitter die Geographie als Wissenschaft aus—
Fauten, hat ihre Darstellung mancherlei Wandlungen er—
fahren. Besonders wollte man sich die Berichte von Reise—
schriftstellern zu eigen machen, um einer auf lebendiger
Anschauung gegründeten und künstlerischen Gestaltung der
Stoffe zu gelaängen. Ohne Zweifel ist durch dieses Beginnen
eine Popularisierung der erdkundlichen Wissenschaft erreicht
vorden, die ihr manchen Freund gewonnen hat, der sicher
sonst ferngeblieben wäre. Aber dieser geographische Expres—⸗
ionismus schließt naturgemäß die Gefahr in sich, von den
usalen Gegebenheiten, der wissenschaftlichen Grundlage der
Beographie, je nach Phantasie und Temperament des Dar—
stellers mehr oder weniger weit abzurücken. Auch di galt
es, den goldenen Mittelweg zu suchen und zu finden.
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Daß dies möghstch ist, konnte nicht besser unter Beweis ge—
stellt werden, als durch ein kürzlich erschienenes zweibän—
diges Werk: Das Erdbild der Gegenwart, eine
Schilderung der Erde und ihrer Länder für das deutsche
Volk, hergusgegeben von Dr. Walter Gerbing, mit einigen
hundert Textkarten, Tafeln in Doppeltondruck und Kunst⸗
zeilagen, 11 Band: Die Länder Europas, 2. Band: Die
außereuropäischen Erdteile. Verlag List und von Bressen—
dorf, Leipzig. Hier ist in wahrhaft vorbildlicher Weise die
vlastische Anschaulichkeit der Darstellung mit wissenschaft—
lich kausaler Verknüpfung und Begründung verbunden, also
sowohl der erklärenden, als auch der schildernden Pflicht
des Geographen Genüge geschehen. Das forderte natur—
zgemäß die Gewinnung einer größeren Zahl zuständiger Mit—
arbeiter, die der Schilderung auf Grund eigener Landes—
'enntnis fähig waren. Auch hier hat der Herausgeber offen—
sichtlich die richtige Wahl getroffen, wenn er Federn in
seinen Dienst stellte wie die der Gelehrten: Biermann,
Bluntschli, Braun, Burchard, Carnier, Dietzel, Distel, von
Fckard, Fels, Flückiger, Halbfaß, Hambruch, Pamtton
hdaushofer. Herzba. getn Kaiser, Kakrner. Kinzl. Klute.
doegel, Lebling, Leiter, Leyden, Mauer, Niedermayer,
Rathjiens, Seler-Sachs, Staub, Struck, Stützer, Termer,
Trinkler, Zahn! Und auch der bildliche Teil — instruktive
ßilder und ndiesn isnufnghen — wie endlich das
tatistische Material und der statistische Zahlenanhang stam—
nen aus erster Hand.
Der erste Band erörtert Europa als Erdteil und dann
ncEinzeldarstellungen: die spanische Halbinsel, Frankreich,
ßelgien und Luxemburg, die Niederlande, die britischen
Inseln, Dänemark, Deutschland, die Ostalpen und Oester—
reich, die Zentral- und Westalpen und die Schweiz, die
Apenninenhalbinsel, das Dinarische Gebirgsland mit Jugo—
lawien und Albanien, die Sudeten- und Karpathenländer,
Bulgarien, Iee Griechenland, Polen, Baltland und
ditauen, Rußland, Finnland, Skandinavien, die nordischen
Inseln. Der zweite Band bringt die Länder Asiens, Afrikas,
Amerikas, Antarktis, Australiens und der Südsee in fach—
und sachkundigen Einzeldarstellungen.
Mit gutem Recht nennt der Herausgeber sein Werk eine
„Känderkunde für das deutsche Haus“, ein geo—
raphisces Hausbuch. Obwohl von führenden Geographen
er Gegenwärt verfaßt, wirkt es in keiner Weise lehrhaft
oder auch nur gelehrt, es kann vielmehr von jedermann
mit Genuß und Verständnis gelesen werden. Die Dar—
stellung ist beileibe nicht trocken. Sie ist vielmehr in
höchstem Grade interessant, fesselnd, spannend. Man mag
das Werk nicht aus der Hand legen, man hat vielmehr das
Bedürfnis, sich immer tiefer hineinzulesen. Das liegt offen—
bhar an der Weite, aus der heraus die Länderbetrachtung
erfolgt ist, letzten Endes die Deutung der Kulturaus
den erdkundlichen ge — aus Lage,
slima, Gliederung, Umwelt, Vegetation, Tierwelt, Boden—
chätzen. Hohes Interesse beanspruchen aus dieser Perspek—
ive ganz ede die Untersuchungen über die Be—
Rölkerung? die psologisce Erfassung der Rassen,
VBölker und Stämme, die Aufzeigung ihrer Abstoßungen
ind Anziehungen in der Geschichte, ihrer Abhängigkeiten
n der Kultur-, Religions- und Geistesgeschichte. Wer diesen
Fäden folgt, wird die Bedeutsamkeit gegenseitiger Be—
ruchtung erkennen und die Stärke der Kulturleistungen,
zie darauf beruhen. Ja, gerade den bedeutendsten Führern
der Menschheit strömte oft genug der Genius aus den
Quellen verschiedenen Volkstums zu. die Seele vertiefend.
den Horizont weitend.
Es ist ne weiteres erkennbar, daß diese tiefschürfende,
zuchtechnisch und illustrativ glänzend ausgestattete Länder—
unde für das deutsche Haus eine Fundgrube wertvollster
rdkundlicher Kenntnisse und Erkenntnifse darstellt, ein
thuch von Heimat, Vaterland und Welt, das uns Eigenes
ind Fremdes in rechtem Lichte, in rechten Verhältnissen
eigt, unsern Anteil am Ganzen, des Ganzen Bedeutung
ür uns. Jedem Gebildeten wird es darüber hinaus zu
inem Quell des Genusses. Es verdient deshalb nicht nur
inen bevorzugten Platz in allen öffentlichen Gemeinde—,
3chul⸗ und Vereinsbibliotheken, sondern — und darauf sei
iufs nachdrücklichste hingewiesen — in jeder Eigenbücherei!
Malther Stein