Full text : 7.1929-1930 (0007)

Aus der Masfikweltlt.

Jpulhh Saar-Sänger-Bund lIuen

Musiknüädagogilche Tagung in Köln.
Das Zentral-Institut für Erziehung und Unterricht,
zweigstelle Köln, veranstaltete am 183. und 14. Juli ge—
neinsam mit, dem Reichsverband Deutscher Tonkünstler und
Musiklehrer in Köln eine musikpädagogische Tagung, bei der
in einer Reihe von Vorträgen Probleme der Musikpflege
und besonders das Verhältnis von Schul- und Privat—-—
musiklehrer erörtert wurden. Ueber die weltgeschichtliche
Rolle des Musikerziehers sprach Professor K. Sachs, Berlin,
über die gesellschaftliche Bedingtheit der Musik Professor
donigsheim, Köln 7, über das Verhältnis von Musik
und Staat Professor Moser, Berlin. Arnold Ebel, Berlin,
der erste Vorsitzende des Reichsverbandes, beleuchtete die
inneren Zusammenhänge von Schul- und Privatmusikunter—
richt, und Professor J. Müller, Köln, faßte in seinem
Schlußwort die Werte der Musikkultur noch einmal zu—
sammen, die Gemeinsamkeit der Aufgabe und Arbeit von
Schul- und Privatmusiklehrer betonend.
Ein von Kölner Schulen veranstaltetes Schulmusik—
onzert im Gürzenich gab spdann einen Einblick in die
Ziele, die Arbeit und die Möglichkeiten des nach den neuen
Richtlinien durchgeführten Unkerrichts. Man hatte sich heute
»ewußt auf Werke beschränkt, die von Kölner Komponisten,
derausgebern und Bearbeitern und von Kölner Verlegern
n enger Zusammenarbeit mit dem Schulmusikunterricht
geschaffen worden sind. Professor Lemacher und Dr. Mies
zaben in dem Verlag Tonger in ausgezeichneten Ausgaben
zine Reihe von Instrumental- und Chorwerken für praktische
Schulzwecke und für die Hausmusik herausgegeben, Original—
verke und Bearbeitungen, und so ein Musikgut bereit—
gestellt, dem auch der Laie technisch und seelisch gewachsen ist.
Wie sehr der Spieltrieb im Gemeinschaftsmusizieren sich
entfaltet und welch erfreuliche Resultate erzielt werden
können, zeigte das Konzert, an dem sich fünf verschiedene
Anstalten mit ihren Chören und Orchestern beteiligten. Gute
Technik und saubere Arbeit waren die Grundlage für
ein unbefangenes Musizieren, das Ringen um die Ge—
staltung gaben den Darbietungen einen eigentümlichen Reiz
gegenüber der Ausgeglichenheit des vollendeten Werkes. Die
schöpferischen Kräfte des Werdens herrschten über die
ruhlgen Linien des Seins. Die durch Leine zusammen-—
fassende Idee gebundene Vortragsfolge ließ weiten Raum
für alle Arten des Spieltriebes.
Schulorchester und Chor des Oberlyzeums Köln-Mülheim
brachten Schuberts „Großes Halleluja“ und Ungers stim—
mungsvollen „Osterchor“ mit ruhiger Sicherheit zum Vor—
trag. Des Mannheimers Fr. X. Richter klangfreudige Sym—
ohonie in A-Dur und des berühmten Thebdretikers J. J.
Fux Ouvertüre mit ihrer typisch barocken Formgestaltung
spielte das von einem Schüler gewandt geleitete Orchester
des Staatlichen Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums mit schöner
Klanggebung. Eine überraschend gute, technisch fundierte und
tilistisch trefflich erfaßte Wiedergabe fand Mozarts Klavier—
sonzert in Es-Dur durch das Orchester des Deutzer Real—
yymnasiums. Der Oberprimaner F. Fag spielte das Klavier—
olo mit überlegener Sicherheit und freier Gestaltung, das
Werk mit persönlichem Ausdruck erfüllend, Das Orchester
der Kölner Musikseminare brachte mit, der Reife von Fach—
nusikern Rinkens Suite in drei Sätzen zu Gehör, ein
Werk, das Bachschen Suitengeist mit modernem Empfinden
oereinigt. Den Abschluß des Konzertes bildete K. Roeselings
„Hausmusik zu spielen und zu singen“. Vielleicht hätte man
das aus dem Geiste der modernen Polyphonie erwachsene
Werk besser an den Anfang des zweiten Teiles gestellt,
denn die gestellten Probleme traten zu unvermittelt an
ans heran, und die Umstellung nach der vorausgegangenen
durchaus anders gearteten Musik war zu groß. Vertvoll ist,
daß hier aus der Praris heraus ein Werk geschaffen wurde,
das fich das gemeinschaftliche Musizieren im inneren Sinne
zur Aufgabe stellt und das bewußt von allen modernen
Zestaltungsformen und Mitteln Gebrauch macht. Der
Schülerchör der Volksschule Loreleystraße und das Orchester
der Jugendschar Drolshagen brachten das Werk unter des
somponisten Leitung vollendet zur Darstellung. Besonders
prägte sich die mit feinem Klangsinn gespielte „Sonatine
für Klavier“ ein.
Mancherlei Probleme knüpfen sich an dieses mit gutem
VBesingen veranstaltefe Schulmusifk-GFonzert. unr allem das

Problem der Erschließung des musikalischen Gutes für
den praktischen Schulgebrauch. Dem Verlag Tonger ge—
ührt Dank, daß er in enger Zusammenarbeit mit den
Zzchulen durch seine Ausgaben mufsikalische Werte wieder
ebendig werden läßt, 3. nur durch Darbietungen, son—
»ern auch durch die Verlegung von Originalwerken. Zum
zchaffen von Werken für die Jugend- Und Hausmusik an—
uregen, erscheint als eine der vornehmsten und ver—
»eißungsvollsten Aufgaben eines auf die Musikpflege be
achten Verlages. Frau Dr. Karl Storck, Köln.
Der Wiener Schubertbund bei den Sudetendeutschen.
Die Fahrt des „Wiener Schubertbundes“, der von
einer an künstlerischen Ehren und Erfolgen reichen Deutsch—
andreise von Berlin über Leipzig und Dresden kommend,
im 4. Juli, die Grenze der sschechischen Republik betrat,
zlich im wahrsten Sinne des Wortes einem einzigen, hier
ioch nie erlebtem, von unerhörtem Enthusiasmus um—
auschten Triumphzuge auf sudetendeutschem Boden. In
illen Städten wiederholte sich immer wieder dasselbe Bild:
estliche Bewillkommnung, Triumphpforten, wehende Fahnen,
hirlanden, abends illuminierte Häuser, Anhöhen und Schiffe
ein besonders unvergeßliches, einzigartiges, wunder—
»olles Schauspiel war die Elbefahrt von Aussig strom—
ibwärts zu abendlicher Stunde — beim Empfange Böller—
chüsse, Musik, eine nach Tausenden zählende Menschen—
nenge, Chorvorträge und Absingung von Wahlsprüchen,
zegenseitige Begrüßungen durch Behörden und Körper—
chaften, beim Wege in die Stadt ein Blumenregen, der die
ßäste buchstäblich überschüttete und eine Gastfreundlichkeit.
die kaum mehr zu überbieten war. Die Konzerte, Be
zrüßungsabende, Schuberthuldigungen und sonstigen Ver—
instaltungen waren aus nah und fern mit Besuchern über—
lutet worden, so daß alle Säle stets ausverkauft waren.
das deutsche Lied hat wieder einmal seine
»olle Macht und Größe entfaltet und ist mit
»enktbar bestem Erfolge für sich selbst wer—
send eingetreten! Und wie beim Einlangen den
Zchubertbündlern endloser, freudiger Jubel entgegentönte,
v laut bewegt, nur etwas wehmutsvoll durchzittert, ging
ꝛs beim Abschiednehmen zu. Die Wogen der Begeisterung
verden lange nicht verebben, die Tage werden den
deutschen des Elbtales zeitlebens unvergeßlich bleiben.
Die Wiener besuchten, nachdem sie den Grenzort Herrens—
retschen erreicht hatten, die Städte Tetschen-Bodenbach,
Aussig, Teplitz und Leitmeritz, um schließlich in der Reichs—
zauptstadt in Prag ihre Reise zu beenden.
Im Mittelpunkte des Interesses standen selbstverständlich
die Konzerte des „Wiener Schuberthundes“. Die Leistungen
des Vereins waren schlechthin unübertrefflich. Viktor Kehl—
dorfer war Gegenstand minutenlang anhaltender, stürmischer
Ehrungen. Er darf heute mit Stolz von sich sagen, daß
»r der populärste Chorführer der deutschen Sängerschaft ist.
Dem Prager Besuche der Wiener kommt eine besondere
Bedeutung bei, weshalb hier kurz auf dieselbe hingewiesen
ei. Es war das erstemal, daß man einem deutschen
Lereine den Repräsentationssaal von Prag zur Verfügung
tellte, allerdings mit der für die chaubinistischen Ver—
hältnisse dieser Stadt bezeichnenden Bedingung, daß keine
zeutschen Programme verkauft werden durften! So mußte
ilso in einem deutschen Konzerte deutscher Sänger der
»eutsche Besucher aus tschechischen Programmen den Verlauf
»es Konzertes mitverfolgen. Ob das in einer anderen Stadt
vohl auch denkbar wäre? Aber nicht allein diese Tatsache
»erdient festgehalten und allgemein zur Kenntnis gebracht
zu werden, sondern auch der merkwürdige Umstand, daß zu
Beginn des Konzertes, das übrigens auch durch den Prager
Rundfunk übertragen wurde, ein Prager tschechischer
vbesangverein zwei Chöre vor den Wienern zu Geéehör brachte,
nuß als ein Zeichen nationaler Unverträglichkeit angesehen
verden und beweist klar und eindeutig, wie man nur
rwtgedrungen sich einer gewissen Deutschsreundlichkeit bemüht.
Dem „Wiener Schubertbund“ aber rufen wir zu, er
nöge nun, nachdem er Deutschböhmen mit seinem Besuche
zeehrt, auch nach Deutschmähren — Schlesien — kommen,
vo ebenso wie in Böhmen tausende deutscher Volks—
genossen und Sangersbrüder seines Kommens harren! Möge
dies recht. recht hald der Fall sein. 44n3 M. Kobel. Brüum.
            
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