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einer ist der Thüringer Heinrich Schütz (1585251672).
In seinen Passionen setzt er sich für den neuen Stil ein
und schafft in seiner Matthäuspassion einen neuen Typ von
Thorwerk, den man kurz den Chor-Orchestertyp
nennen kann. Aber eigentümlich: als gereifter Künstler
kehrt Schütz wieder zu dem alten Kunstideal des poly—
vhonen Satzes zurück.
Der schöne alte Kontrapunkt des gemischten Chores hatte
mittlerweile in Deutschland abermals eine schwere Schule
zu durchlaufen. Er wird ein ganz anderer. Seine Stimmen
sind keine gefungenen mehr, sondern gespielte. Der
Kanon entwickelt sich zur Fuge, deren Form Händel
und vor allem Joh. Seb. Bach zu unerhörten Dimensionen
steigern. Es ist gleich, ob Bach für Klavier, Violine, Orgel
oder gemischten Chor komponiert. Er schreibt immerzu
Fugen und reiht neben harmonisch überreich gearbeitete
CThoräle die großen Fugen seiner Kantaten, Passionen
und der H-Moll-Messe, die an formaler Schönheit von
den A-cappella-Sätzen seiner Motetten nicht übertroffen
verden. Die Chöre, die sein gleichalteriger Landsmann
Händel (geb. 1685) seinen unzählig vielen Oratorien
Messias, Josua, Jephta, Saul, Judas Maccabäus usw.)
beifügt, stehen hinter den Bach'schen in keiner Weise zurück.
Auf dem sicheren Fundament, das Schütz, Bach und
händel geschaffen haben, arbeiten die großen Klassiker
Haydn Echöpfung, Jahreszeiten), Mozart (Requiem),
Beethoven (Missa solemnis), Cherubini (Requim), die Ro—
mantiker Schubert (Messen), Schumann (Paradies und Peri),
Mendelssohn (Oratorien), Brahms (Deutsches Requiem),
Bruckner (Messen und Tedeum), Verdi (Requiem), Draeseke
Messen, Oratorien), Berlioz und Liszt mit immer raffi—
nierter werdendem Orchester und reichen harmonischen und
osychologischen Mitteln weiter. Der Stil ihrer Werke ist
zum großen Teil noch für unsere Zeitgenossen Reger,
Brabner, Braunfels u. a. m. maßgebend ..
Abseits aber von dieser großen Straße hat sich parallel zur
schlichten Romantik des deutschen Liedes ein einfacher Chor—
stil, das Chorlhied, entwickelt und hat, von Mendelssohn,
Tornelius, Brahms u. a. liebevoll gepflegt, manche schöne
Blüte gezeitigt. Als Franz Liszt in der zweiten Hälfte des
ergangenen Jahrhunderts es unternahm, Palestriͤnas Har—
nonik seiner Kunst dienstbar zu mächen, da regte sich
ruf seiten der katholischen Kirchenmusik ein energischer Geist,
Franz Witt in Regensburg. Er rief eine große Be—
vegung ins Leben, den Caecilianismus, dessen
dauptaufgabe die Pflege des Palestrinastils war. Auf
zrotestantischer Seite steht dieser Bewegung die immer
Irößer werdende Organisationsarbeit der deutschen Bach—
gesellschaft und der Kirchenchöbre gegenüber. Der Caeeci—
ianismus ist tot. Als einer seiner besten Erfolge darf aber
die immer zunehmende Pflege der alten Chormusik be—
zeichnet werden, für die heute schon eine große Welt ge—
vonnen ist.
Unsere Zeit drängt zu Vereinfachung, Sparsamkeit und Ab—
rüstung. Der Chor wird allmählich wieder vom Orchester und
all dem Begleitapparat freigemacht. Anstelle der Harmonik,
die sich längst erfüllt hat, tritt die Melodie. Unsere Zeit
trebt einem neuen Zeitalter der ppkalen Polyphonie
zu. Wir stehen am Wendepunkt einer Zeit und scheinen uns
reaktionär der alten wieder nähern zu wollen. Die modernen
Programme der A-cappella-Chöre, die Singbewegung der
zugend, die neuen Methoden in der Schulmusik, dies alles
PpPricht dafür, daß es auf dem Gebiete der Chormusik anders
verden soll. Hochbegabte junge Tonsetzer treten schon mäch—
tig für das neue Kunstideal ein. Man benötigt aber in
Berlin und Hamburg noch 70 und mehr Proben zur
Aufführung des geniälsten Chorwerkes unserer Zeit, zur
Aufführung der Passion von Kurt Thomas.
Heute gilt es, mit der Zeit zu gehen, zugleich aber ein
riesenhaftes Erbe vieler Jahrhunderte zu verwalten und
zu pflegen. Es bedarf dabei ebensowohl tüchtiger Chor—
meister als geschulter, begeisterter Sänger! Darum, wer
Zeit, Liebe zur Chormusik, Gelegenheit und Stimme hat:
„Immer strebe zum Ganzen!
Und kannst du selber kein Ganzes
Werden, als dienendes Glied schließ
An ein Ganzes dich an!“
Dr. Erich Roeder.
Franunender
Gegenwart.
TCosima Wagner.
Dem sehr verdienstvollen und strebsamen „Saar—
Sänger-Bund“ die besten Wünsche für serneres
Gedeihen hiermit zum Ausdruck zu bringen, empfiehlt
sich Frau C. Wagner, Ihnen, sehr verehrter Herr
Bundesporstand. auf das wärmst⸗“
Der freundliche Gruß der nun fast Niährigen greisen
Tochter Franz Liszts und Gemahlin Richard Wagners an
den Saar-Sänger-Bund wird überall Gefühle begeisterter
dankbarkeit auslösen. Ihr Genius begleitete einst Richard
Vagner bei der Begründung des Bühnenfestspielhauses in
Bayreuth und bei Schöpfung und Verwirklichung seiner
zgenialen musikdramatischen Werke. Aber als 1883 der
Meister die Augen schloß, blieb Cosima Wagner noch weit
äber ein Menschenalter hinaus eine starke, umsichtige,
'ongeniale Hüterin seines Erbes! Inzwischen mit dem Grade
eines Dr. honoris causa ausgezeichnet, ragt Cosima Wagner
aus dem Frieden Bayreuths wie eine Patriarchin aus
großer musikalischer Vergangenheit in das musikalische
Ddeutschland der Gegenwarft hinein! St.
VBekenntnis zu Beethoven.
Beethoven mit immer leidenschaftlicherem Begehren
erkennen, erfassen lernen heißt, sein eigenes Selbst
in immer höherem Lichte vollenden. Die geistige
Gewalt dieses ringenden Giganten ist wie ein Feuer
rings um jeden Ton. Wir müßten ihn nicht nur
spielen, hören, ehren; sondern uns an ihm üben,
täglich, und zwar mit der ganzen und restlos hinge—
gebenen Kraft. Elly Ney.
Elly Ney, unstreitig die bedeutendste Pianistin
Europas! Sie entstammt einer altelsässischen Familie. Ihre
eminente musikalische Begabung bekundete sich bereits in
frühesten Kinderjahren; kein Wunder, läßt sich eine solche
doch bis in mehrere Generationen ihrer Familie zurück—
erfolgen. In der Großmutter Elly Neys kam sie vor
dieser zum stärksten Ausdruck. Ellh Ney wurde zuerst
zurch ihre Mutter auf die Künstlerlaufbahn vorbereitet.
Mit 11 Jahren besuchte sie eines der hervorragendsten
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