Full text : 7.1929-1930 (0007)

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uuhhh Saar⸗Sänger-Bund liprenetuen

»nrinuppohh Scite 119

ieder zu Gehör bringen. Für diesen Gedanken trat schon
or mehreren Jahren der Hildesheimer Domorganist
Th. Gronen ein. Seitdem sind der Leitung des D.S.B. noch
weitere Vorschläge unterbreitet worden, doch ist der Haupt—
ausschuß des D. S. B. schließlich dem Plan Gronens näher—
getreten und wird der nächsten Gesamtausschußsitzung eine
Ausarbeitung zur Genehmigung vorlegen. Gronens Vorschlag
aulet in der Hauptsache: „An einem vom D. S. B. zu
destimmenden Sonntag, am besten im Juni,
finden in allen Städtemnm und Dörfern im
ganzen Reiche von sämtlichen dem D.S. B. an—
Jeschlossenen Bereinen Konzerte im Freien,
uünd zwar mittags 12 Uhr, statt, jedoch nicht
so, daß dort, wo mehrere Vereine bestehen,
diese an einem Platze gemeinsam singen,
sondern so viele Vereine bestehen, so viele
donzerte sobhlen stattfinden.“
Die ganze Stadt soll widerhallen vom deutschen Lied. Es
ist nicht überflüssig, zu sagen, daß für Aufführungen im
Freien nur Volkslieder in Frage kommen, um derentwillen
sa die ganze Veranstaltung aufgezogen wird. Welche Volks—
lieder zu Gehör gelangen, wird der D. S. B. bestimmen. In
erster Linie werden die Liederbücher des Deutschen Sänger—
hundes, die fast jeder Verein besitzt, in Betracht zu ziehen
ein. Neben diesen „Pflichtchören“ werden natürlich die
Vereine selbst noch weiteres wertvolles Liedgut nach eige—
vrem Ermessen auswählen.

Der „Deutsche Liedertag“ kann nicht ohne Ein—
ruck bieiben auf das deutsche Volk, auf alle, die noch
Zinn für das Volkslied und Gefühl für Gemütswerte
zaben. In der heutigen, auf krassesten Materiglismus auf—
jebauten Zeit ist es nötiger denn je, sich der Werte zu er—
nnern, die uns kein Krieg und keine Inflation hat rauben
önnen, jener Werte, die im Wesen des Volkes begründet
ind. Der Volksliedgedanke soll nicht etwa auf Reichsdeutsch—
and beschränkt werden. Auch unsere Vereine im Ausand,
 die in der Ferne den Gedanken an die Heimgt hoch—
zalten, werden an dem „Liedertag“ teilnehmen. Deutsche
Lolkslieder erklingen dann in Ameérika und Afrika, in
Asien und Austrälien, wo immer deutsche Vereine sind.
50 schlingt sich an diesem einen Tage das Band fester,
»as die AÄuslanddeutschen mit der Heimat verbindet. Das
adio wird hoffentlich dieser ideellen Idee seine hilsreiche
zand nicht verweigern, und so wird das Lied erklingen
n Nord und Süd, in West und Ost, ein Zeichen der Liebe
zu Heimat und Vaterland.
Der „Deutsche Liedertag“ wird voraussichtlich erstmalig im
dahre 1930 stattfinden. Von dem Erfolg des ersten Ver—
uches hängt es ab, wie sich die Fortführung der Idee
zestalten wird. Nach der Begeisterung der Vereine für das
Zoͤlkslied, von der noch Wien ein glänzendes Zeugnis
iblegte, besteht kein Zweifel, daß der Vorschlag Gronens
iberall nicht nur Anklang, sondern begeisterte Zustimmung
inden wird. Dr. Ewens.

Eine neue Blüte der Volksliedpflege.

Wir leben in einer Zeit rastlosen Kampfes, einer Zeit
Nmaterieller Interefssen, die drohen, alles Gefühls—
näßige, nicht auf reine Zweckbestimmung Eingestellte zu
ernichten vder wenigstens unsrachtbar zu machen In daesem
Ztreit der Richtungen spielt die Volksmusik, soweit
vir von ihr überhaupt noch sprechen können, eine bedeut—
same Rolle. Hier Schlager — hier Volkslied, so lautet die
Parole eines Kampfes, der sich — leider — nicht in der
Masse des Volkes, sondern in einem kleinen Kreise abspielt,
aämlich bei jenen, die den Versuch machen, dem Volkslied
Raum und Wirkung zu verschaffen. Für die Masse des
Volkes ist das Problem längst gelöst, man singt Mode—
schlager, die, angefüllt mit einer ungesunden erotischen
Atmosphäre, scheinbar bewußt darauf eingestellt sind, die
ethischen Begriffe des Volkes zu untergraben. Wir brauchen
aur mit halbem Ohr zu hören, was der Refrgin unserer
Schlager erzählt, um zu diesem Resultat zu kommen; zu
seder neuen Saison wieder Neuheiten auf diesem Gebiete,
die sich dank unserer technischen Errungenschaften, insbe—
sondere Radio und Grammophon, mit einer Schnelligkeit
und Erfolgssicherheit durchsetzen, die einer besseren Sache
wert wären.
Schlager und Gassenhauer hat es stets gegeben,
aber nie war die Ueberwucherung des guten Volksgesangs
o bedenklich wie heute. Fast scheint es aussichtslos, den
dumpf gegen die vielköpfige Hydra aufzunehmen. Zeit—
strömungen lassen sich nicht bekämpfen, so sagen entmutigt
biele unserer führenden Persönlichkeiten. Als ungünstiger
Umstand tritt hinzu, daß sich die, die Führer sein könnten,
elbst nicht einig sind über die Wege, die eingeschlagen wer—
den sollen. Gewaärnt werden muß vor einer allzu engen
Definition des Begriffs „Volkslüed“. Es schadet m. E.
nicht, wenn unter Volkslied auch der Volksgesang des vori—
gzen Jahrhunderts verstanden wird. Mit einer Beschränkung
des Viedes auf frühere Jahrhunderte werden wir nie und
rimmer die Massen des Volkes begeistern. Das Volk ver—
langt in seinem Liede Verbindungen mit der Gegenwart,
die wir in vielen Liedern des vorigen Jahrhunderts noch
finden. — Nicht weniger unvorteilhäft, ja oft schädlich, ist
die Polyphonie, d. h. die unbedingte Forderung, mehr—
stimmig zu singen, in der Form, daß jede Stimme ihre Selb—
tändigkeit wahrt und schließlich noch mit kunstvollen Nach—
aihmungen durchsetzt ist. Hier geht die Wiedergabe der Volks—
liedmelodie bereits bedenklich zum Kunstlied über.
Das Volk will Einstimmigkeit, Melodie und Harmonie.
Das ist ja gerade einer der Gründe, weshalb die Schlager
o erschreckend schnell überall vordringen. Das Voalk lechzt
nach Melodie Wo in der modernen Kunstmusit finden
pir eine Mesodielsinie van einnräosamem Nufhau? Ich sage

hsichtlich „einprägsam“; die Versuche, eine „moderne“ Me—
odie zu schaffen, sind bisher, abgesehen von Ausnahmen,
roch nicht von Erfolg gewesen. Rhythmus und Harmonie
tehen hindernd im Wege. Es wird noch lange Zeit dauern,
zis sich unser Ohr an die neuzeitlichen Klänge gewöhnt hat.
Wir müssen uns demgemäß damit begnügen, aus dem
Z„chatz der Volkslieder das dem Volke wieder zugänglich zu
nachen, was heute noch brauchbar erscheint. Die Frage:
„Was soll gesungen werden?“ dürfte keine großen Schwie—
ugkeiten machen bei der unerschöpflichen Menge unseres
volksliedgutes. Bedeutend problematischer ist die Erwä—
jung: Wie bringen wir das Lied wieder unter das Volk
vie beeinflussen wir die Kreise, die wir zum Singen an—
egen wollen?
Zwei Faktoren können auf diesem Gebiete umfassende
Ardeit leisten, wenn die große Aufgabe richtig angefaßt
vird: Schule und Gesangvbereine. — Die Bestrebun—
gen, das Volkslied in der Schule systematisch zu fördern,
jaben in den letzten Jahren zu einer Reihe von Neuaus—
jaben von Schukliederbüchern geführt, die teilweise wert—
zoflstes Material enthalten, Unterstellen wir, daß das Volfs—
ied in der Schule die Förderung erhält, die seiner Wich—
igkeit zukommi, so bleibt noch immer die Hauptsache zu
antworten: Was wird später, wenn der Schulbesuch be—
ndigt ist? Werden die Schulentlassenen schon so weit ge—
ördert sein, daß das Volkslied in ihrem Denken und
fẽmmpfinden einen bleibenden Platz hat? Diese Frage muß
eider verneint werden. In den Entwicklungsjahren, in
enen sie die Schule verlassen, sind die jugendlichen Seelen
eicht den Einflüssen ihrer Umgebung zugänglich. Auf ihrer
Arbeitsstätte aber hören sie keine Volkslieder, sondern
—„chlager und Gafssenhauer. Die Gefahr, daß die Arbeit
der Schule vollständig umsonst war, dakß die Freude am

Beerdigungs⸗Instilut Pietät
Wilhelm von dtuden Juhaber Htto Dreber, Seerbrucen g

Beerdigungen
in jeder Preislage
öA e—
Leichentransporte ———
Bewissenhafte Aus * S
führung jedes über⸗ —R—
viesenen Auftrages. * ——
Unverbindliche
Kostenanschläge. ⸗

*

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