Full text : 7.1929-1930 (0007)

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Monatfutsschrift
Uesrer zZo0 Vereine mit über Zo ooo Mitgliedern. Herausgegeben im Auftrage des Bundes
von Stadtschulrat Hans Bongard und Rektor Walther Stein Saarbrücken
Druck und BVerlag der Buch— und Kunstöruckerei Bebr. Hofer A. B. Saarbrücken
Völklingen und Leinzig. Bezugspreis Fr. 5.2 vierteljährlich. Einzelnummer EFr. 2. —
Sentember 1020

das deutsche Volkslied.

8 deutschen Volkslied gehört unsere besondere
8Liebe. Wir wissen, wie es schlicht und fein und
keusch und ungekünstelt alles zum Ausdruck bringt,
vas Menschenherzen bewegt an Liebe und Leid, an
Wanderlust und Trinkfreude, an Heimatliebe und
Bottesminne. Wir wissen,
vie es im liederfrohen
Mittelalter gesungen wurde
in allen Häusern, auf allen
Straßen, unter der Linde,
am plätschernden Brunnen,
in allen Schenken, auf
vilder Kriegsfahrt und auf
froher Wanderschaft, auf
Pilgerreisen und bei allen
Volksfesten, wie sich das
deutsche Volk in seinem
Volkslied immer wieder
neu erlebte! Wir wissen
auch, wie lang es verachtet
und verschüttet war in den
Tagen des Spießertums, der
Zeit des Industria ismus,
der Maschine, der seichten,
platten, öden Vergnügun—
gen von Kino und Tango.
Bis der Zupfgeigen—
hansl mit seiner Klampfe
kam und wandervogelfrohe
Jugend sich ihm am
Waldrand zu Füßen setzte,
seinen trauten Weisen aus
Altvätertagen lauschte und
erst leise, leise anhub mit—
zusingen und dann immer
wieder zu singen aus voller
Brust, bis kein Lied mehr
ungesungen war!
Wir freuen uns, daß sich
auch unsere Männergesang—
vereine, Frauenchöre und gemischten Chöre des Volks—
lieds — sich selbst zumn Segen — angenommen haben.
In Silcher grüßen wir den Wiedererwecker des deut—
schen Volksliedchors. Und dankbar sind wir zahlreichen
Meistern deutscher Kunst bis zu Moldenhauer, daß sie
aicht müde wurden, es klangschön zu setzen. Aber
unerfüllt ist noch der Wunsch geblieben,
daß das Nolfssied wiedor lehendid werde

Bei dem angenehmsten Wetter,
Nusg Ernst

in unserem ganzen Volke, bei Jung und
Alt, in Haus und Schule, auf Wegen und
bei der Arbeit, in leidvollen Tagen und
hei frohen Festen, das einstimmige Lied,
das alle ausnahmslos mitsingen können!
Unsere Bundesvereine als
die berufenen Hüter volks—
tümlicher Musikpflege müs—
sen hier führend werden
in unserem Volke. Der
Bundestag in Bous wies
dazu besonders durch den
Vortrag des Unterzeichneten
gangbare Wege. Es bedarf
dazu aber des Einlegens
besonderer Singstun—
den für die Jugend, für
Mädchen und Frauen, für
den ganzen Verein. Dann
wird sich nicht nur das
Volkslied neu bele—
ben, sondern die ge—
samte musikalische
Kultur des Volkes
heben wie zu den Tagen
des Mittelalters, dann
werden auch unsere Fest-—
und Familienabende
und unsere Ausflüge
dadurch an Interesse für
alle gewinnen, weil von
allen mitgesungen werden
kann. Man solh unser
Volk nicht dazu ver—
urteilen, immer nur
zu hören, es will
nitsingen, mittun!
Eine treffliche Hand—
reichung ist unsern Chor—
meistern, auf deren
Schultern nun einmal die musikpädagogische Schulung
vn Jugend und Volk ruhen wird, geboten durch
ein Werk des bekannten Weimarer Meisters Ernst
Ludwig Schellenberg, der im Verlag für Kultur
und Menschenkunde Gem.b. H., Berlin-Lichterfelde ein
prachtvolles dreibändiges, würdig ausgestattetes Werk
hat erscheinen lassen: Das deutsche Volkslied,
in Hausschakßk von üher 1000 der besten doeuntsfchen

ingen alle Vöogelein.
2udwig Schellenbera: Das deutsche Volkslied—
            
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