Full text : 7.1929-1930 (0007)

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u Seite 99

lerischen Erfolgen des berühmten Chores bewußt
gewesen sind.
Dann schlug die Abschiedsstunde! Noch ein—
nal vereinigten sich die Führer von Bund und Gau
am Münchener D-Zug, vor dessen Sonderwagen der
Bundesschatzmeister Düren noch einmal in warmen

Worten alle Dankbarkeit und guten Wünsche zum
Ausdruck brachte, die wir für unsere lieben Wiener
auf dem Herzen tragen.
Allen aber sei auch hier noch einmal aus tiefstem
derzen unser „Juf Wiedersehen“ zugerufen!
Walther Stein.

Musikalische Verarmung unseres Volkes

Oi Musik steht so hoch, daß kein Verstand ihr bei—
kommen kann, und es geht von ihr eine Wirkung aus,
Ne alles beherrscht und von der niemand imstande ist,
sich Rechenschaft zu geben ... sie ist eines der ersten Mittel,
um auf den Menschen wunderbar zu wirken. So sagt
Boethe. Man wird ihm nicht zu widersprechen wagen; das
Unmusikalischsein ist ein Mangel, um nicht zu sagen,
ein Unglück. Um allem Mißverständnis vorzubeugen, sei
gesagt, daß musikalisch sein nicht musikübend, sondern
musikempfänglich“ bedeutet. Wenn aber die Musik in so
hohem Maße fähig ist, auf die Menschen bildend zu wirken,
so ist es auch unsere Pflicht, alle Mittel aufzuwenden,
unserem Volke die Musik zu erhalten, und wo sie nicht
orhanden ist, zu bringen. Bereits Karl der Große hat
diese Erziehungspflicht erkannt. Sie ist um so unumgäng—
licher, als unser Volk so musikbedürftig ist, wie kein
anderes. Unsere ganze Kulturgeschichte vom Volksliede über
die Spielmannszünfte zu Kantovreien, die starke Pflege
des Kirchenliedes, beweist diese Bedeutung der Musik fuͤr
unser Volk, das in rührender Weise sein Musikverlangen
hetätigt und selbst elenden mechanischen Apparaten zu—
fört.
Um so schwerwiegender ist die jedem schärferen Be—
obachter sich aufdrängende Erkenntnis, daß es mit der
Musik im Volke bei uns in Deutschland sehr bergab ge—
gangen ist und daß man vor einer völligen Berarmung
ünseres Volkslebens in mustkalischer Hin-—
sicht steht. Die Erkenntnis der Ursachen dieser Zustände
ist das erste Mittel zur Besserung.
Man wird da zZuerst auf erstaunte Gesichter stoßen,
venn man behauptet, daß unserem Volke heute die Musik
fehle. Wir Deutsche sind ja das Musikvolk der Welt.
Unser Volk hat im 19. Jahrhundert von Beethoven über
Schubert, Weber, Schumann, Mendelssohn bis zu Liszt,
Wägner, Brahms, Bruckner, Strauß der Welt die jeweils
größten Musiker geschenkt; Bach und Händel, Haydn, und
Mozart wirken wie gegenwärtige Kräfte. Und dennoch sollte
unserem Volke die Künst fehlen? Ja! es ist leicht zu be—
veisen, daß die Verbreiterung der Musikpflege im Hause
durchaus keine Bereicherung bedeutet. Auch das scheinbar
o glänzende öffentliche Müsikleben unserer Tage hat eine
erbärmliche Kehrseite. Dem Rufe: „Zu viel Musik“ entspricht
rin „Zu wenig Musik“ für breite Teile unseres Volkes. Denn
so schlecht es um die Musikpflege im Bürgerstande steht,
hier ist es immer noch viel besser als im breiten Volke,
uͤnd daran können Volkskonzerte und dergleichen zunächst
nichts ändern; denn alle im Konzert angebotene Musik stellt
nur eine Seite der Musikpflege dar, und zwar die für
die Volkskultur weniger wichtige. Es ist schließlich für die
Zuhörenden nur eine passiive Musikpflege, und
war in ganz anderem Maße, als wenn etwa einige Freunde
in stiller Skuhe heisammen sind, und einer dem anderen

Beerdigungs⸗Institut Pietät
Fihei von Rüden, Inhaber Otto Dreher, Saarbrucken 3

Beerdigungen
in jeder Preislage
Feuerbestattungen ——
Leichentransporte J
Gewissenhafte Aus⸗ —WR — —
führung jedes übe -· —412
wiesenen Auftrages. —X2
Unverbindliche
EL Kostenanschläge

orspielt. Denn je weniger die Gelegenheit, bei der wir
Musik hören, mit dem Leben verwaächsen ist, um so weniger
ann es für das Volksempfinden fruchtbar werden. Für
ieses ist am wichtigsten die Musik, die man selbst ausibt;
 und in der Hinsicht ist unserem Volke eigentlich die
Musik ganz verlvren gegangen, und es gilt hier im Grunde
öllige Neuarbeit.
Die musikalische Armut unseres Volkes äußert sich zwie—
ach. Erstens ist es nicht mehr selber musikalisch
ätig, zweitens bekommt es heute viel weniger Musik
zu hören wie früher. Die erste Behauptung braucht
aum bewiesen zu werden, vor allem aber, wenn wir das
‚tätig“ durch „schöpferisch“ ergänzen. Daß der einst so
»lühende Garten unseres Volksliedes er—
chöpft ist, verschüttet ist, weiß jeder. Nur in einzelnen
sebirgsgegenden trifft man hier und da noch auf frucht—
»ares Land. Hier gedeiht durch Zitherspiel auch noch eine
olkstümliche Instrumentalmusik, bei der
ich die schöpferische Phantasie des Spielers ergehen kann.
Aber eine Gestalt wie Hans Thomas „Mondgeiger“ wirkt
jeute, als sei sie aus einem Märchen. Und doch hat hier
»er alemannische Meister treu aus dem Leben geschöpft,
illerdings qus dem Leben seiner Jugend. Denn ehedem
varen die Bauernbuben, die Geige, Flöte und Klarinette
zu spielen verstanden, gar nicht selten. Das war zur Zeit,
ils noch jedes Städtchen und Dörfchen seine eignen
Musikanten hatte, die in ihm wurzelten, aus ihm hervor—
gegangen waren und für musikalischen Nachwuchs sorgten.
ẽs war die Zeit, als in evangelischen Landen die Kan—
oreien blühten und in katholischen Gegenden auch im
leinen Dorf noch an Festtagen eine Instrumentalmesse
ustandegebracht wurde.
Hier haben wir schon den Grund, weshalb unser Volk
iuch viel weniger Musik hört als ehedem, wenigstens viel
veniger lebendige, mit dem Leben verwachsene, aus ihm
zjervorgehende Musik. Postillon, Nachtwächter und Türmer
ind verschwunden. Das waren in musikalischer Hinsicht
»och ganz wertvolle Faktoren. Ihre Lieder und Bläser—
tücklein klangen einst mitten in die Arbeit oder auch in
die Ruhe, in das Vergnügen der anderen hinein. Sie
eizten zum Mitsingen, sie erfüllten die Ohren und Herzen
nit Tönen, und es war eine edle Kraft, die von diesen
infachen Weisen ausging. Herz und Gemüt wurden wenig—
tens auf Augenblicke über den Alltag erhoben. Viel be—
auerlicher ist das Schwinden der Stadt- und Dorfjpfeife—
eien, dieses weltlichen Seitenstückes zu den kirchlichen Kan—
oreien. Denn diese Stadt- und Dorfmusikanten warteten
tuf jede Gelegenheit, Musik in die Häuser, in die Ge—
neinden zu bringen. Da war kein kirchliches oder welt—
iches Fest, zu dem sie nicht aufspielten, keine Taufe, keine
NRöorsahuna, keine Hochzeit bhlsieb hne Mifißf Reim Go—

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Die Jeje Vohpue e. V.
Faarbrüsken
erstrebt eine neue Theaterkultur und)
die Freiheit der Runst für jedermann!
meldungen nenmen entgegen die markenverkausstenen sowle gie
Zasmaftsstelle: Saarbrüdten 3. im Sauerbrod 7. Telephon Lummer 40189.

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