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Saar⸗Sänger⸗-Birnd Issn
uütstehl Nra.
meine Niveau der Frau hinaus. Mit welcher Tat—
kraft und Energie lenkten eine Katharina II. von
Rußland, eine Maria Theresia von Oesterreich die Ge—
schicke ihres Landes, welche bestimmende Rolle spielte
eine Madame de Pompadour in der Politik Frank—
reichs! Und neben ihnen eine Herzogin Amalia von
Weimar, die den Kreis der großen Dichter um sich
schloß, die edle Königin Luise, die das Schicksal des
Vaterlandes nicht überleben konnte, eine Carmen Sylva,
die dichtende Königin von Rumänien, eine Wilhelmine
oon Holland, die mit soviel Klugheit ihr meer—
umbraustes Vaterland regiert!
Jakob Grimm sagt einmal, daß das Genie der Frau
die höchste Form im Briefe findet. So sei an dieser
Stelle auch der berühmten Briefschreiberinnen
der Verganheit gedacht. Aus der Zeit um 800 haben
wir die berühmten Briefe der Gisela und Rotruda,
der Schwester und Tochter Karls des Großen. Wir
denken an die Briefe Lieselottes von der Pfalz, die
aus politischen Gründen an den Hof Ludwigs XV.
verheiratet wurde. Aus der Zeit der Romantik haben
wir eine ganze Reihe von Briefschreiberinnen, die es
verstanden haben, ihre Briefe zu kleinen Kunstwerken
zu gestalten. Wer schätzte nicht die köstlichen Briefe der
Bettina von Arnim, der Frau Rat Goethe, der Karo—
tine Schlegel? Und in ihre Reihe treten die Mütter
uinserer Großen und alle die geistvollen Frauen, die
reben bedeutenden Männern des Geisteslebens gestanden
haben, Zirkelbildend, Anmut, Liebe, Begeisterung, aber
ruch kluge und feine Gedanken voll anregender Kräfte
pendend! Als Muse haben sie Pate gestanden an
manchen von allen Völkern und Zeitaltern gleich—
dewunderten Werken der Weltliteratur. In fraulicher
Bescheidenheit aber sind sie hinter die Schöpfungen
ihres Geistes und Herzens zurückgetreten, und nur dem
Wissenden, der sich in einsamer Stunde in ein solches
Meisterwerk vertieft, steigen sie wohl noch einmal aus
der Vergessenheit empor ins helle Licht: Frauen
bilder in goldenem Rahmen!
Ruth Deuker.
Ddie Frauin der Mulsik.
je Musik als die seelenvollste aller Künste, als
De des Feinsten und Tiefsten, was ein
Menschenherz bewegt, des Ureigensten, was in den
tiefsten Gründen der Seele eines Volkes ruht, hat
don altersher natürlich auch die Frau in ihren
Bannkreis gezogen. Und sie beweist auch heute noch
als die göttlichste der Künste trotz Radio, Orchestrion
und Schallplatten ihre Macht über die Herzen der
Menschen.
Die musikalische Begabung kann recht verschieden
geartet sein. Andachtsvoll zu lauschen, ist eine hohe
Kunst, eine auf hohen Gemütswerten beruhende Be—
gabung. Sie sollte den Frauen ganz besonders eigen
sein. Man müßte es bei allen Konzertveranstaltungen
püren können, daß die Frauen ihre Herzen Gesang
und Klang am hingebungsvollsten öffneten. Musika—
lische Begabung drückt sich ferner aus in der Repro—
zuktion, in der Wiedergabe. Und endlich in selbst—
chöpferischer, kompositorischer Tätigkeit.
„Das Naturell der Frauen ist so stark mit Kunst
derwandt“, daß man annehmen könnte, daß es we—
aiger unmusikalische Frauen als Männer gibt. Jeden—
'alls ist aber die musikalische Produktivität bei Männern
größer als bei Frauen. Es muß jedoch nachdrücklichst
hetont werden, daß sich diese Behauptung vorzugsweise
auf musikgeschichtliche Erfahrung stützt, und daß die
schöpferische Musikalität der Frau, wenn sie erst einmal
aus gleicher Vorbildung und aus längerer Tradition
schöpfen kann, in anderm Lichte erscheinen könnte.
Adele Gerhard und Helene Simon berichten in ihrem
Buch „Mutterschaft und geistige Arbeit“ von einer
„aus Demut ungenannt gebliebenen Nonne“ und von
der italienischen Opernkomponistin Francesea
CLaceini, die, beide dem 17. Jahrhundert ange—
yörend, als außerordentliches Talent geschildert werden.
Von den Komponistinnen unserer Zeit wären zu
nennen: die 1918 verstorbene Ingeborg von
Bronsart, die Begründerin des ersten Frauen—
ymphonieorchestes Elisabeth Kuyper, dann
Rulo Kerweo die mit ihror Pundfunkyper Dio
schöne Lan“ einen großen Erfolg erzielte, und Lisa
Maria Meyer, deren Kompositionen in Berlin,
Wien und Paris aufgeführt wurden.
Rührend ist das Schicksal Pauline Volksteins,
einer einfachen Näherin, die erst mit 55 Jahren an—
fing, ihre innigen und feinen Weisen aufzuzeichnen,
und die bis zu ihrem Tode etwa 1200 volksliedartige
Kompositionen schuf.
Weit größer und bedeutungsvoller ist der Anteil der
Frauen an der Musik als Interpretin, als wieder
gebende Künstlerin.
So hat Clara Schumann, die große Pianistin,
unendlich Wertvolles und Befruchtendes für die Arbeit
ihres Gatten Robert Schumann durch ihr wundervolles
und feinfühliges Künstlertum getan. Ihr ist es aber
auch mit zu danken, daß uns Bachs Kunst so lebendig
geblieben ist. EIIy Ney ist die begnadete Frau, die
Beethovens suchende Künstlerseele in seinen Schöpfungen
erfassen und sein göttliches Wunder an die Menschen
heranbringen konnte. Künstlerinnen, die vor allem
unsere alten Meister wiedergeben, sind Wanda
Lewandowska, Alice Ehlers, während Lutka
Kolessa, Margarete Witt den Romantikern in
der Musik näherstehen. Unsere modernen Meister wer—
den vor allem wiedergegeben durch Lydia Hoff—
mann-Behrendt, Myra Heß, Alice Weyl—
Nissen. Als Geigenkünstlerinnen sind bekannt: die
Wienerin Eriea Marini, dann Hedwig Faß—
hender, Minny Schulze-Prisca, aus neuester
zeit die junge Crefelderin Riele Queling.
Neben die Klavier- und Geigenvituosin tritt die
Konzert- und Bühnensängerin, von denen aus unserer
zeit nur genannt seien: Maria Basca, Lotte
Leonhard, Lula Myß-Gmeiner. Unvergeßlich
für alle Zeiten bleiben die berühmte Faustima,
die glanzvolle Sängerin des 17. Jahrhunderts, Wil-—
helmine Schröder-Devrient und die Gestalt
der Jenny Lind, der „schwedischen Nachtigall“, die
nit ihrem hohen Künstlertum eine so reine, gläubige
Menschlichkeit verhand