Full text : 6.1928-1929 (0006)

das deutsche Rlavierlied.

1. Heinrich Albert,
der Vater des deutschen Sololiedes mit Begleitung.
„Aennchen von Tharau!“ Wer kennt nicht das köstliche
diedchen im Ranrhnrin in der Vertonung von Friedrich
Silcher, und wer hält nicht Tharau für ein süddeutsches
Dörfchen und das Lied für eine schwäbische Volksdichtung!
Es geht mit diesem Kleinod wie mit allen Volksliedern —
der Name des Dichters wird ee Simon D ,
das Haupt des Königsberger Dichterbundes, hat es 1687

—

—E

—

— —
—— — ——
W —A————

—t—

*3

—

—

— et,
— —

ind besuchte das Gymnasium zu Gera. zut Ausbildung
einer musikalischen Fähigkeiten kam er 1622 zu seinem
19 Jahre älteren Vetter Schütz nach Dresden, wo letzterer
eit 1617 Hofkapellmeister war. Da die Eltern aber das
uristische Studium für aussichtsreicher hielten, mußte er
das Musikstudium abbrechen und sich in Leipzig als stud. jur.
inschreiben lassen. Hier wirkte seit 1616 Joh. Herm.
Zche in als Thomaskantor, und es ist als sicher anzu—
zunehmen, daß sich Albert auch im studentischen — *
musicum betätigt und mit Schein freundschaftlichen Ver

—

æ OI.

— —

—

—

— 2*

9—

⸗
7

—

ä
*
—
*—

—

—2

als mundartliches Gedicht in samländischem Platt seinem
Freunde, dem Pfarrer —8 Portatius, zu dessen —8
mit Anna, der Tochter des Pfarrers Neander in Tharau
hei Königsberg, gewidmet. Es sind 17 Strophen, von
deneu id' im Sriginalterte mit der ersten dazu gehörigen
Vertonung bei Peters, Volksliederbuch II. Bd. Nr. 418,
nachzulesen sind. Zugleich mache ich auch auf die An—
merkung zu Nr. 418 aufmerksam. Der Erfinder dieser
Weise ist uͤnbekannt, sie findet sich 1642 erstmalig veröffent⸗
icht im 5. Teile von Heinrich Albert's „Arien“.
Von diesem H. Albert stehen im Peters'schen V.v8. B. für
Maännerchor 9 und im Vißg. B. für gem. Chor 7, Chöre, bzw.
searbeitungen Albert'scher Liederweisen oder Chorsätze, und
28 dürfte wohl auch die Leser einer Sängerzeitung inter⸗
efsieren, etwas näheres über diesen Mann und seine Be—
deutung, seine Stellung in der Entwicklung des deutichen
diedes zu erfahren.
Sein Leben. Albert war der Neffe von H. Schütz,
dem größten deutschen Pusser des 17. Jahrhunderts
Frin 1804 zuü Kobenstein im Fürstentum Reuk geboren

F

———
— ⸗*t

————

—

— ——

—⸗

—

— 22

J

ehr gepflogen hat, der auf seine Tätigkeit als Lieder—
dinponist von großem Einfluß gewesen ist. 1626 reiste
rmit einer hollandischen Gesandtschaft von Königsberg
tach Warschau, geriet aber in polnisch⸗-schwedische Ge—
angenschaft, aus der er erst 1628 nach Königsberg zurück—
ehrte. Hier wurde er 1630 Organist an der DVomkirche
m Kneiphof. Bei dem berühmten Kantor Stobäluus nahm
r feine musikalischen Studien wieder auf und suchte sich
m Kontrapunkt, der polyphonen Schreibweise, zu vervoll—
ommen. Zugleich war er auch mit Simon,Dach Mit—
ed des Königsberger Dichterbundes, der wie viele da—
naligen Bünde“ gleicher Art die Reinigung der deutschen
zprache von fremdspraächlichen Elementen anstrebte, befreun—
det. Außer den Dichtungen seines Freundes S. Dach vertonte
r in der Hauptsache eigene Liederterte. Seine Kompositionen
zrschienen als „Arien, Etliche theils Geistliche,
heils Weltliche, guten Sitten, keuscher
zebe usw., zum Singen und Spielle gesetzt“
n 8 Teilen von 1638 bis 1650, neu herausgegeben in
den „Denkmälern deutscher Tonkunst“. Bd. 12

SANGER-TRINXMOLKVURI
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.