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Saar⸗Sänger-Bund IIl
il Nr. 3
»eauftragt. Einstimmige Annahme fanden folgende An—
träge des erweiterten Bundesvorstandes: 1. Ter Bundes—
ag fordert den S.⸗“S.«B. auf, beim D. S.«B. zu beantragen,
daß von der Zentralstelle aus in Verfolg der vom D. S-⸗Bi
mit Recht betriebenen Politik der regionalen Gliederung des
Bundes, eine eindeutige Festlegung der Grenzen für die ein—
zelnen Bünde erfolge. Einzelne Vereine, die bisher anderen
Bünden angehören, müssen unbedingt sofort aufgefordert
werden, Mitglied des zuständigen Kreises zu werden. 2.
Satzungsänderung: Aus dem Gaugebiet Völklingen wird
ein neuer Gau „Warndtgau“ gebildet, zu dem die Ort—
schaften Ludweiler, Großrosseln, Emmersweiler, Naßweiler,
St. Nikolaus, Karlsbrunn und Lauterbach gehören. 83. Der
9. ordentliche Bundestag in Merzig empfiehlt den Vereinen
mit aller Entschiedenheit dahin zu arbeiten, daß die Mit—
glieder nur einem Verein aktiv angehören. Dadurch wird
der Kräftezersplitterung und der Gegensätzlichkeit innerhalb
der Vereine Einhalt geboten. Beschlossen wurde ferner,
den nächsten Bundestag einem Antrag des Gaues Wadgassen
folgend, in Bous abzuhalten. Annahme fanden auch zwei
Anträge des Gaues Saarbrücken, der letzte gegen eine
Stimme: 1. Neugegründete Männergesangvereine dürfen
zuch dann, wenn sie bereits zwei Jahre bestehen, in den
S.S.“B. nur aufgenommen werden, wenn die Frage des
Bedürfnisses der Gründung von dem zuständigen Gau—
vorstand und dem Bundesvorstand des S.“S.«V. bejaht
worden ist. 2. In die Wertungssingenordnung des S.S.⸗B.
wird folgender neuer 8 18 eingefügt: 8 13: Die Form
der Beurteilung und Besprechung wird den Gauen frei—
ee Auf die Erteilung von Gesamtprädikaten soll
ünftig verzichtet werden; will ein Gau an den Gesamt—
brädikaten festhalten, so ist nach den 88 14 und 17 zu ver—
fahren. Tie bisherigen 88 13 bis 20 werden künftig 88 14
bis 21. Der bisherige 816 künftig 817 erhält folgende
Fassung: 8 17: Die Beteiligung am Wertungssingen wird
den Vereinen in Form eines Tiplomes, welches auch das
etwa erteilte Gesamtprädikat enthält, bestätigt.
Nach Abschluß der geschäftlichen Verhandlungen verbreitete
sich eingehend der Geschäftsführer des D. S.“B., Poppe,
über den Deutschen Sängerbund, seine organisatorische und
künstlerische Aufgabe. Er überbrachte herzliche Grüße und
Wünsche des Teutschen Sängerbundes und seines Bundes—
vorstandes und erklärte den jetzt erst erfolgten Besuch aus
der gesunden Entwicklung des Saar-Sänger-Bundes, der
des Arztes nicht bedürfe. Seine Ausführungen gingen von
der verschiedenen Einschätzung des Sängerwesens und der
Sportbewegung seitens der Presse und der Oeffentlichkeit
aus. Die gymnastischen Organisationen stellte er als Vor—
bild hin, weil hier alle dasselbe wollen und einer den an—
deren fördert, während bei uns vielfach häßliche Kon—
kurrenzeinstellung und Kirchturmpolitik gelte. Wir müssen
je mehr und mehr lernen, über den Kreis des eigenen Wer—
eins auf das große Ganze, die Gesamtorganisation, schauen.
Die Ziele des Deutschen Sängerbundes seien seit seiner
Gründung 1862 stets die gleichen geblieben: künstlerische
und vaterländische. Und zwar nicht nationalistisch, viel—
mehr parteipolitisch und religiös neutral. Auf dem be—
bvorstehenden Bundesfest in Wien werde beides zum Aus—
druck kommen: Das künstlerische Bekenntnis in der Ehrung
——
im Bekenntnis zum Anschlußgedanken. Auch diejenigen,
die nicht zu den 107000 Glücklichen zählen, die bereits
für Wien gemeldet sind, werden in einem Film Gelegen—
heit haben, sich eine Vorstellung von der ungeheueren Wiener
Kundgebung zu machen.
Die Nürnberger Sängerwoche regt die deutschen Tonsetzer
zur Schafsung neuen Liedergutes, die Sängerschaft zur Ver—
edlung der Vortragskunst an. Für 1929 sind einfache Chöre
in neuer guter Form vorgesehen, die auch den Bedürfnissen
mittlerer und kleinerer Vereine begegnen. Zeugnis von der
Entwicklung des deutschen Männerchores sei das Sänger—
museum in Nürnberg in der alten Meistersingerkirche,
darinnen bis jetzt in KRäumen alles zur Schau geftellt sei,
was für unsere Bewegung irgend von Bedeutung sei. Seine
Ausführungen wandten sich nun der Sängerzeitung zu,
die seit 1862 besteht, seit 1993 im eigenen Verlag. Es müsse
unbedingt dahin gewirkt werden, daß jeder Verein durch
Halten wenigstens eines Exemplares der Teutschen Sänger?
eitung mit dem Leben und dem Streben der Hauptorgaͤni—
ation verbunden bleibe. Ein „Korrespondenzblatt“ ver—
nittelt nunmehr, auch der Tagespresse Material über unsere
Powoguna Mackdrücklich wmioß Ro Hedner nuf G—
huch des Bundes hin, von dem bislang 4 Bände mit wert—
zollstem Chormaterial erschienen seien, sowie auf das Jahr—
zuch, das in Bild und Wort Einblick gebe in unsere Arbeit
nn allen Kreisen. Organisatorisch steht der Teutsche Sänger—
»und vor der schwierigen Aufgabe, der unglückseligen Zer—
rissenheit und Zersplitterung entgegenzuwirken duͤrch Zu—
ammenschluß. In Frankfurt am Main gehören die Vereine
um Beispiel drei verschiedenen Bünden an. Das kann so
nicht weiter gehen, und ein Antrag des heutigen Bundestages
»etreffend Turchsührung der regionalen Gliederung liege
urchaus in der Richtung der Bestrebungen des Teéeutschen
S„ängerbundes. Wir müssen Bundesdisziplin schaffen, wo
es Rechte gibt, gibt es auch Pflichten! Künstlerisch betreibt
»er Bund erfolgreich die Abkehr vom Liedertafelstil und die
Pflege des deutschen Volksliedes. Tie künstlerische Lei—
tung hat, mit dem Grade der Schwierigkeit nichts zu tun.
die Arbeit vieler Vereine an Kunstchören ist eine Arbeit
nit unzulänglichen Mitteln am falschen Ob;ett! Der Deutsche
Sängerbund weiß, daß der Saar-Sänger-Bund seit Jahren
die gleiche Kulturmission erfüllt. Es sieht nicht nur so aus,
er ist, wovon er sich heute habe überzeugen dürfen —
virklich ein guter Bund. Möchten die Sänger an der
Zaar diesem einsichtsvollen, rührigen und energischen Bun—
desvorstand folgen, dann werden sie ihre Aufgabe richtig
Büsen als Kulturpioniere zum Segen des S.S.«B., des
T. S.“B. und dadurch des deutschen Vaterlandes.
Das künstlerische Niveau des Bundestages bestimmten die
Thöre, die ihn umrahmten. Es waren diesmal nur Massen—
höre zugelassen. Unter dem Stabe von Oberlehrer Sonn—
ag sang die Arbeitsgemeinschaft Merzig (Liederkranz, Lie—
ertafel und Fabrikgesangverein) Marschners „Und hörst du
»as mächtige Klingen“ und Karl Kämpfs „Der Wagen
sollt?. Die Vereine der Gaue Merzig, Beckingen und Mett—
ach sangen unter Bundeschormeister Schrimpf auf dem Kirch—
»latz die schon erwähnten Chöre Marschners und Men—
elssohns, die Vereine des Gaues Beckingen unter Chor—
neister Breuer Kalliwodas „Tas deutsche Lied“ und die
Lereine des Gaues Mettlach unter der Leitung von Chor—
neister Michel Maron Otts „Braun Maidelein“ und Grimms
Orgel von Vineta“. Die musikalischen Darbietungen zeug—
en von der Gediegenheit der heute geleisteten Kunstpflegé,
»er Eindruck war besonders bei den vaterländischen Ehören
in gewaltiger herzandringender, der Beifall dankbar und
egeistert. Mit nochmaligem Dank nach allen Seiten sprach
Bündesvorsitzender Stadtschulrat Bongard das Schlußwort:
der heutige Bundestag könne nicht ohne Ehrung Schüberts
zuseinandergehen, den wir mehr noch als den Tikanen Beet—
woven zu den Unsrigen rechnen. Als Beethoven zu Grabe
jetragen wurde, folgte dem Sarge in sich gekehrt Schubert,
hne zu ahnen, daß man ihn ein Jahr später neben dem
Meister einsargen werde. Worin liegt das Phänomen
zchuberts, das in der Musikgeschichte einzig dasteht? In
einem Nachlaß fanden sich 63 Gulden, er konnte sich kein
lavier mieten, geschweige denn kaufen! Und welcher Reich—
um und welche Fülle in seinen Werken! Heute erst werden
vir uns ganz bewußt, was wir an ihm haben. Dem
rachtvollen Menschen, den auch das „Treimäderlhaus“
iicht versimpeln und verspießern konnte, dieses Kind aus
dem gesunden Boden des Volkes, müßten wir mit Beschlag
»elegen, auch wenn er keine Note geschrieben hätte. Goethe
neinte einmal, daß, wenn man fest im Natürlichen fußt,
»adurch ins Uebernatürliche hinübergreift. Im Freundes
reis bekommt der 17jährige Schubert zufällig den Text
es Erlkönigs in die Hand, in fieberhafter Eile bringt er
n der Gesellschaft, in der er sich befindet, überströmt von
der Fülle der Geschichte seine bekannte erschütternde Kompo—
ition zu Papier und schenkte uns so die erste große musika—
ische Ballade. Vier bis fünf Lieder schaffte der junge
Neister an einem Tage, er muß sie los werden. So setzt der
ßaum seine Knospen an und fragt nicht, ob sie gefallen.
5o einfach, so naturhaft ist Schuberts Schaffen. Alles ent—
teht aus göttlicher Inspiration. Seine Werke sind wie die
Plumen auf der Flur. Sie wissen nicht, wie schön sie
ind. „In, seiner, Einfachheit liegt seine Größe. Von der
sSeschäftstüchtigkeit vieler Chormeister unserer Tage wußte
r nichts, er konnte aus seiner großen Kunst kein Kapital
chlagen. In Gauen und Vereinen müssen wir uns tief
n diesem Jahr in Schuberts Leben, Wesen und Schaffen
sineindenken. Bekennen wir uns zu diesem Meister, dann
ann das Jahr 1923 für den Bund ein früchtereiches werden
em Zeichen Schuberts schließke ich den Bundestag.
Maoaltheor 2