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slang einer tiefen Kontrabaß-Saite. Das ist das Begleit—
»rchester. Als Soloinstrumente gesellen sich eine Flöte
ind die ganz instrumental behandelte menschliche Stimme
dinzu.
Ter Hausherr ist ein schlanker Mann in den besten Jahren,
sager und vornehm, erlesenster Typ malayischen Blutes.
Zinter der anscheinend auch auf Java unvermeidlichen
Intelligenzbrille funkeln die Augen gütig und schwärmerisch.
Er trägt die Nationaltracht. Kopftuch und Sarong, da—
zwischen leider auch das weiße Tropenjakett des Wefstlers.
Dder Kunsigelehrte, der Künstler spricht aus seinem ganzen
Wesen. Und unvergeßlich wird uns bleiben, was wir im
sRraton von TDioktakarta erlebt haben.
Gegenüber dem Orchester hocht auf dem Boden in der fern—
zstlichen Sitzstellung eine Gruppe junger Eingeborener mit
ebhaften und beanteiligten Gesichtern. Es sind des Prinzen
Besangsschüler, die zur Belohnung Zuhörer des Konzerts
sein dürfen. Die Diener bringen Tee, den der Prinz
uinseren Tamen persönlich reicht. Dann gibt er das Zeichen
zum Beginn.
An jedem Instrument kauert schon der Spieler. Jeder
inzelne verdiente eine besondere Charakteristik. oge
Knaben bis zum Greis jedes Alter vertreten. Jeder Kopf
zeigt schärfste Prägung, jedes Augenpaar flammt Hin—
zebung im Harren, verdunkelt sich, wenn das Spiel an—
ebt, zu stiller Versenkung.
Und nun hebt's an: kaum hörbar erst, wie schlaftrunkene
Logelstimmen in der Frühdämmerung — wie Windhauch
des Morgens, der durch reife Reisselder raschelt. Nun
läutet es hinein, gleich sonntäglichen Kirchenglocken unserer
ernen Heimat, über sommerlichen Wiesen heranwehend.
Tazwischen ab und an ein ganz tiefer, ganz naher Glocken—
ton . .. Dies ist nicht Kunst — hier singt die Seele
eines Volkes, einer Rasse, einer Menschheitsepoche.
Aus dem sanftschwellenden Gebrause löst sich nun weh—
mütig-liebliche Kantilene. Ein Flötensolo, träumerisch und
zerhalten klagend in einsamer Entrücktheit. Unendlich viel
tiefer rühren diese Klangzauber unser Empfinden an als
emals eine Musik, mit welcher der Osten bisher um unser
Verständnis warb. Jetzt läßt der Flötenspieler das Rohr
bon den Lippen sinken, öffnete sie zum Lied. Und Strophe
olgt auf, Strophe — ein Wechselgesang zwischen Flöte
und Menschenstimme, beides der Seele des gleichen Künst—
ers entströmend. Beides getragen, durchwoben von schmerz—
ich seligen Sausen der Lust- und Tuftwogen, die der geister⸗
zaften Hantierung der Gamelanspieler entquellen ..“.
So rinnt, so träumt, so schluchzt sich das dahin — ohne
Wandlung, oehne Entwicklung, ohne Ziel, selbstgenügsam und
und doch ewig sehnsüchtig, friedvoll friedlos, erlösend und
doch ewig unerlöst — unserm Empfinden schwesterlich nahe
ind doch in seiner Beziehungslosigkeit, im Unvermögen
u befreiendem Kampf und Aufstieg ewig auch fern und
remd. Es scheint kunstlos und ist doch im streng ab—
gezirkelten Tahinschreiten und musikalisch unfehlbar kor—
ekten Zusammenwirken nahezu selbständig rhythmisierter
Finzelstimmen von unerhörtem Raffinement, von einer ge—
nießerischen Feinheit, die höchste Geistigkeit atmet. Fast
zreifbar deutlich spricht hier das Schicksal einer versunkenen
dultur zu uns, die einst aus den Segensgefilden zu Füßen
»es Himalaya heroische Kraft und sinnlichglühende Fülle
og. Und dann wurde sie in tropische Breiten verschlagen,
einem tropisch weichen Volkstum aufgepfropft, von Sonnen—
ieber entkräftet, von allzu freigebig segnender Scholle be—
riedet, zu marklosem Genügen entartet, entglitt in diese ge—
taltvoll⸗gestaltlöose Trämerei, diese schmiegsame, verzichtende
Wehmut.
Seltsamer Gegensatz: volksmäßige Schlichtheit und zugleich
öchste aristokratische Verfeinerung in dieser knochenlosen,
»och so ganz Seele atmenden Kunst! Und wie die Ver—
örperung ihres Prinzips wandelt durch dieses Erlebnis
die Gestalt des fürstlichen Mäzens, des Blütserben herrscher—
nächtiger Jahrhunderte, der die Volkstracht der Gegenwart
rägt und mit den Söhnen seines Landes, mit den Künstlern
einer Wahl im Ton der Gleichstellung verkehrt. Sein
»unkelglühendes Auge leitet statt des Tärigentenstabes das
donzert. Ab und an tritt er neben einen der Musiker und
timmt dessen Platz ein — bald hier bald dort, als wolle
ex uns zeigen, daß er sämtliche Instrumente nicht nur,
ondern auch die ganze Partitur beherrscht: DTie — un—
zeschriebene Partitur. Denn Notenschrift ist den javanischen
Musikern unbekannt. Alle spielen auswendig. Und dabei
st Improvisation oder Willkür völlig ausgeschlossen. Viel
‚u verwickelt ist das Gesamtgewebe. Tas musikalische Ge—
zächtnis dieser Spieler, die, wie Spies uns erzählt, ein
zroßes Repertoire beherrschen, muß beispiellos stark sein.
Jetzt steht der Prinz auf, geht lautlosen Schrittes zur atemlos
auschenden Gruppe seiner Gesangsschüler hinüber, hockt
nihrer Mitte, erläutert ihnen flüsternd die Feinheiten der
dinienführung. Auch wir lauschen atemlos, hingegeben,
umersättlich. Und diesmal bedarf es nicht eines kräampf—
zaften Entschlusses zur Einfühlung. Taͤese Musik schmei—
helt sich in unser Herz, ohne daß wir uns Mühe geben
nüssen, es für sie aufzutun.
Wir sind gekommen, die Seele des Ostens zu suchen. Heut
abend, so dünkt uns, haben wir tief hineingeschaut, wie nicht
oft zuvor, in ihre schimmernde Unergruͤndlichkeit.
Walter Bsorm.
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