Franz Schubert zum Bedächtnis.
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Jur Stadt des Sanges und des Glanzes
2RNZum liedersel'gen frohen Wien,
Zur Stadt des Liedes und des Tanzes,
Auf, Sänger, laßt uns heute ziehn!
Die Muse trat zu dir. — In Tränen
Sprach sie: „Franz Schubert, sing' dein Lied!
Von Gott gesegnet ist dein Sehnen —“
Doch, — schon zu spät: — das Leben flieht.
Hier lebten, strebten, sangen, starben
Viel frohe Sänger, gottdurchglüht, —
Und hier entstand trotz hartem Darben
Franz Schuberts großes Lebenslied!
Vor hundert Jahren das Finale
Von deinem Lebenslied erscholl,
Umstrahlet von dem heil'gen Grale,
Du Priester du, — des Sanges voll!
So magst du heut' vom Himmel sehen,
Wie wir zu deinem Ruhm vereint,
Dein Lied und Sang, es soll bestehen,
Wo nur ein Sänger lacht und weint!
Dein Leben war ein Kämpfen, Ringen,
— „Ich komme vom Gebirge her —“
Und konntest dennoch Lieder singen,
War auch dein Auge tränenschwer! —
Und sehnsuchtstief erscholl dein Singen:
— „Wo bist du, mein geliebtes Land?“
„Werd' ich den Lorbeerkranz erringen?
Verderb' ich, sterb' ich, unbekannt? —“
Der Erdenksrper, er entschwindet.
Und das ersehnte Hoffnungsland
Die gottdurchglühte Seele findet,
Wie ahnend er's im Lied erkannt!
Auf! Laßt ein Denkmal denn entstehen
Das würdige Verehrung sei,
Laßt es von Mund zu Munde gehen,
Zum Himmel tön' es froh und frei:
„Nie soll das deutsche Lied vergehen,
Nie soll vergehn der deutsche Klang!
Laßt eure Herzen auferstehen,
In freudevollem Lobessang!“
Musik ist gottgewolltes Freuen!
Musik ist Himmelslicht und Glanz!
Im Lied heut' ein Gedenken weihen
Ldaßt uns dem großen Schubert — Franz!
Roswitha Collier,
Burg bei Magdeburg
Schuberts einziges Ronzert.
Fees Künstlertum ist Prophetentum, selbstauf⸗
opfernder Dienst an der Menschheit. Es gab und
gibt gottbegnadete Künstler, in denen halbe Kom—
merzienräte stecken, die nicht nur über ihr Genie ver—
fügen, sondern auch über ihren geschäftlichen General—
stab, die Theateragenturen, Konzertbüros, geriebene
Managers und Reklamefachleute durcheinanderwirbeln,
die in gut einstudierter Aufmachung auftreten und
mit bezaubernden Verbeugungen abtreten, wozu das
Programm verrät, daß das Kostüm von der Firma *
und das Blumenarrangement von der Firma MY bei—
gestellt wurde. Nur zu oft überstrahlt der glanzvolle
Rahmen das Gemälde, dessen künstlerischer Wert Null
sein mag, wo ferner nur die Inszenierung klappt. Sagte
doch einst Hans Bülow: „mundus vult schundus“
Und nun machen wir einen Sprung um ein Jahr—
hundert zurück, genau um 100 Jahre, da am 26. März
1828 Franz Schubert sein erstes und einziges Konzert
gab. — In seinem Todesjahre. Es war mitten in
der Biedermeierzeit, in jener Epoche der Empfindsam—
teit, da man keine Scheckbücher schrieb, sondern Tage—
bücher dichtete. Da noch kein Jonny mit dem Sarophon
aufspielte, sondern der einsame Wanderer in der
Mondnacht mit wenig Rhythmus, aber dafür mit mehr
Melodie seine Flöte spielte, da ein Uhland dichtete:
„In Gras und Blumen lag ich gern, — Wenn eine
Flöte tönt von fern“. — Damals rastete sich die mensch—
siche Seele von den Erschütterungen der Revolution
ind der Napyolseons-Zeit qus, stille Geruhsamkeit war
der Lebensstil, und die Kunst war sich selbst genug,
sie wollte keine Geschäfte machen. Damals war es,
daß einige Freunde in Schubert drangen, er möge doch
elbst einmal seine schönsten Kompositionen in eine
ꝛigene Konzertaufführung zusammenfassen. Nach lan—
gjem Sträuben gab Schubert nach und es kam im
zösterreichischen Musikverein“ unter den Tuchlauben
Nr. 558 zum einzigen Schubert-Konzert. Auf dem
Programm stand ein „neues Streichquartett“ (das
nachmals so berühmte 6-Dur-Streichquartett), dann
kamen einige Lieder, wie „Der Wanderer und der
Mond“, „Der Kreuzzug“, „Die Sterne“, „Das Ständ—
hen“. Dann folgte sein „neues Trio“ (Klaviertrio
in Es-Dur). Den Schluß machten „Die Allmacht“ und
Der Schlachtgesang“.
Ganze 800 Gulden hatte sich Schubert mit seinem
Konzert verdient, und er der gute, naive Mensch, war
beglückt — konnte er sich nun sogar einen Platz für
das Auftreten der Modegröße von damals kaufen, für
ein Paganinikonzert. Die ganze Tragik deutscher
dunst „der keines Mediage'ers Blick lächelte“ liegt in der
Tatsache eingeschlossen, daß in den Tagen, da einer
der besten Deutschen Musiker unsterbliche Lieder schuf,
deren Melodien durch die Jahrhunderte schreiten, ganz
Deutschland und Oesterreich einem italienischen Reklame—
zirtuosen zu Füßen lag, jenem Paganini, der damals
in acht Wiener Konzerten die Riesensumme von 20000
Bulden verdiente. Das was man heute amerikanischen
geschäftsgeist nennt. agab es sogar in der Biedermeier