Full text : 6.1928-1929 (0006)

seite 5411n

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Nr

Schubert im Sniegel seiner Zeitgenossen.

In Schubert schlummerte eine Doppelnatur. Das
Wösterreichische Element, derb und sinnlich, schlug
im Leben vor wie in der Kunst .. .. Kam in dem
kräftigen und lebenslustigen Schubert, so in dem ge—
selligen Verkehr wie in der Kunst, der österreichische
Charakter bisweilen allzu stürmisch zur Erscheinung,
so drängte sich zeitweise ein Dämon der Trauer und
Melancholie mit schwarzen Flügeln in seine Nähe —
freilich kein völlig böser Geist, da er in den dunklen
Weihestunden oft die schmerzlich-schönsten Lieder her—
vorrief. Eduard von Bauernfeld.

Die Schubert näher kannten, wissen, wie tief ihn
seine Schöpfungen ergriffen und wie er sie in
Schmerzen geboren. Wer ihn nur einmal an einem
Vormittag gesehen hat, während er kromponierte,
glühend mit leuchtenden Augen, ja selbst mit anderer
Sprache einer Somnambule ähnlich, wird den Ein—
druck nicht vergessen. Joseph von Spaun.

Dann kamen wohl wieder Schubert-Abende, soge—
nannte „Schubertiaden“, mit munteren und frischen
Besellen, wo der Wein in Strömen floß, der treffliche
Vogl all die herrlichen Lieder zum Besten gab und
der arme Schubert Franz akkompagnieren mußte, daß
ihm die kurzen und dicken Finger kaum mehr gehorchen
vollten. Noch schlimmer ging es bei ihm bei unseren
Hausunterhaltungen — nur „Würstelbälle“ (Tanz-—
unterhaltungen bei denen die Damen den Herrn Würstel
zum Imbiß kredenzten) in jener einfachen Zeit —, wo—
zei es aber an anmutigen Frauen und Mädchen nicht
ehlte. Da mußte nun unser „Bertel“, wie er im
Schmeicheltone bisweilen genannt wurde, seine neuesten
Walzer spielen und wieder spielen, bis ein endloser
Kotillon sich entwickelt hatte, so daß das kleine, dicke,
forpulente und schweißtriefende Männlein erst beim
descheidenen Souper sein Behagen wieder finden konnte.
Eduard von Bauernfeld

Ich gehe zu Spaun, wo eine große Schubertiade
ist . . . Die Gesellschaft ist ungeheuer. Das Arnethische,
Witteczekische, Kurzrockische, Pompische Ehepaar, die
Mutter der Frau des Hof- und Staatskanzleikonzipisten
Witteczek. die Doktorin Watteroth, Bettyn Wanderer.

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der Maler Kupelwieser und seine Frau. Grillparzer,
Schober, Schwind, Mayrhofer, und sein Hausherr
duber, der lange Huber, Derffel, Bauernfeld, Gahy
der herrlich mit Schubert — 4 Mains), Vogl, der
'ast 30 Lieder sang, Baron Schlechta und anderer Hof—
'onzipisten und -sekretärs waren da. Fast zu Tränen
eührte mich, da ich heute in einer besonders aufge—
regten Stimmung war, das Trio des 5.-Marsches,
das mich immer an meine liebe gute Mutter erinnert.
Nachdem das Musizieren aus ist, wird herrlich schnabe—
iert und dann getanzt. Doch ich bin garnicht zum
Tourmachen aufgelegt. Ich tanze einmal mit der Betty
und einmal mit jeder der Frauen von Witteczik, Kurz—
rock und Pompe. Um 121. Uhr begleiten wir, nach
serzlichem Abschied von den Späunen und Enderes,
Betty nach Hause, und gehen zum Anker, wo noch
SZchober, Schubert, Schwind, Derffel, Bauernfeld.
Lustig. Nach Hause. Um 1 Uhr zu Bett.
Franz von Hartmann.

Unser Silvesternachfest lief glücklich ab. Wir waren
z»ei Mohn versammelt. Bruchmann und Doblhoff
ommen mit Schlag zwölf aus der Stadt zurück, wo
ie den Schubert erwartet und gesucht hatten. Schober,
Zzenn Kupelwieser, Bruchmann und die allerseitigen
sßeliebten wurden durch Gesundheiten gefeiert. Bald
»arauf kündigten sich Schubert und Dr. Bernard durch
ein kleines Scheibenschießen an. Schubert traf und
die verwundete Fensterscheibe brachte alles in Auf—
zuhr .. . . Um halb 5 Uhr früh kam ich nach Hause
Moritz von Schwind

Als Schubert und Mayrhofer in der Wipplinger—
traße beisammen wohnten, setzte sich ersterer täglich
norgens um 6 Uhr ans Schreibpult und komponierte
in einem Zug fast bis 1 Uhr nachmittags. Dabei
vurden einige Pfeifchen geschmaucht. Kam ich vor—
mittags zu ihm, so spielte er mir, was eben fertig
var, sogleich vor und wollte ein Urteil hören ....
Nachmittags komponierte Schubert nie; nach dem Mit—
agessen ging er in ein Kaffeehaus, trank eine Tasse
schwarzen Kaffee, rauchte ein paar Stunden und las
iebenher Zeitungen. Abends besuchte er ein oder das
andere Theater. Anselm Hüttenbrenuner

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