Full text : 6.1928-1929 (0006)

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Rund 300 Vereine mit faft 36 000 Mitgliedern. Heraus- E
gegeben im Auftr. des Bundes von Stadtschulrat Hans 8
Bongardeu. Rektor Walther Stein, Saarbrücken. * d
Juni 102.

Nr. 3

8. Jahrgang

wei Arrestanben.
Ein Histörchen.
2enun auch der große Kaiser Napoleon zu Wien Damit zog er beide an den blau gezwickten Ohr—
— einen Frieden verschrieb, daß die Bürger zu- läppchen von den Sitzen hoch, spedierte sie aus dem
sammengeduckt wie Schatten und weinend über das Zimmer der Klassn, hinein ins Arresthäuserl, wo die
Pflaster am Graben huschten: Was so echte, rechte zwölfjährigen Künstler nach Herzenslust ihren male—
Buben waren, mit neunzig Grad Trutz im Gesichtel, rischen und musikalischen Leidenschaften obliegen
gar den Schalk mit hundert klingelnden Schellen im “onnten.
Nacken, die pfiffen sorglos in den blauen Himmel, Indessen pakte Schönberger seinen Lieblingen den
denn was die Franzosen anging, gelt, so wirdens eh hehlum gallicum getreulich weiter in die dampfenden
vieder fortgehn, wie's auch herkommen san! Köpfe, bis, ja, bis ein Gesang, melodisch so reich an
Da brütete denn der hochgelahrte Hornbrillenmagister Sehnsucht aus dem Flur klang, just an der Stelle, wo
Franz Zaver Schönberger auf dem Kathederl vons die Tür zum Arresthäuserl vor einer halben Stunde
Seminar zu Sankt Bärbele, stützte das verhärmte zornig ins Schloß gedonnert wurde. Da floß es mit
Gesicht in die Fäuste und zuckte bei jedem Trommel- weichen Knabenstimmen aus den Spalten und Ritzen:
wirbel jach zusammen, der unten über d Gassn stol „Sah ein Knab ein Röslein stehn —
perte, wo General Rapp seine Füsiliere suchen ließ, Röslein auf der Heiden 7
daß sie in Tirol den sakrisch verfluchten Hofer vom 224 5 1* VJ 9JJ
Iselberg schöfsen. Schönberger hielt inne, und mit ihm spitzten seine
oerbliebenen achtundvierzig Seminaristen die heißen
Und Franz raver Schönberger haätte ganz die Lektion Bhubenohren.
ine Lateinstunde barechen, a n d d eeh Earrisch.“ schluckte Schönberger und wurde fast
rn en Augen flelen Ad er W e nn ehau⸗ en demütig vor dem Sang, „sakrisch, dös san de Arrestan—
Brillenscheiben wegblinzelte und im scheuen Flüster— len, der Morihl und der VBeril Frauz!“
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tone zu seinen Seminaristen sagte: „Gelt, ihr Bub'n,
ihr versprecht mir halt all z'sammen einmal starke Dann ging er hinaus aus der Stubn, horchte im
Soldaten zu wern, daß ihr mal nachholt, was der Flur, legte mild die brennende Ohrmuschel auf die Tür
derzog Karl versäumt hatt“ zum Arresthäuserl, begann schier weich und weh zu
4 verden vor dem Liedel und konnte nicht anders als
Da nickten ihm die fünfzig Struwelköpfe der Laus— die Tur icise vifnen unn du sagen:
zubn kräftig bejahend zu, nur einer kritzelte unver.
vandt in seinem Schreibheft herum, und sein Nachbar „Kommt, Moritzl, und du, Franz, kommt wieder
malte fummend dicke Notenpunkte, also Franz Zaver nein in die Klassn und paßt eh gut auf, hernach könnt
Schönberger leise, wie ein Panther auf Filgsohlen, ihr wieder malen und komvonieren. aber gelt. werdet
‚om Kathederl schlich, dem einen seine frisch stizzierten Jute Soldaten!
Weaner Madeln und dem anderen seine hüpfenden Die Buben nickten und kamen zurück, und mögen
Notenpunkte derart um die erschreckten Ohren zu sie auch keine Flinten und Säbel hernach getragen
scchlagen, daß die ganze Seminarklasse zusammenfuhr haben: Was der eine malte und der andere in Liedern
wie ein Rudel Schafe vor dem Peitschenknall: „Natürli, der Ewigkeit verschrieb, gelt, sie haben damit doch
s' Moritzl muß eh wieder Figurn malen und der Bertl deutsch und echt wider das Welsche gefochten!
Franz baut Notenpunkte, nee — aus euch werden eh Ja, der Moritzl Schwind und der Franzel Schubert
Zigeuner, aber nie nit rechte Männer fürs Vaterland. diese Lausbubn!
ree, nie nit!“

heinz Steaquweit
            
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